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Re: an Silke


[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ]


Geschrieben von Silke am 24. Oktober 2000 12:51:29:

Als Antwort auf: an Silke geschrieben von Meike am 24. Oktober 2000 12:11:53:

Hallo Meike,

>Silke, kann man Standard mit Schauwelli gleichsetzen? Eigentlich nicht oder?

Ja, vom Prinzip her ist ein Standard ein Schauwelli. Doch die Grenzen verlaufen ja schleichend. Es ist eine Vogelart und genau wie es bei Hunden Mischlinge gibt, gibt es auch Vögel, die mal mehr Merkmale der einen Zuchtform, mal mehr Merkmale der Normalwellis haben. Schließlich sind ja auch die Normalwellis keine Wildtiere mehr, sondern haben durch Auslese und Zucht bestimmte Merkmale und genetisch veranlagte Äußerlichkeiten erhalten. Man könnte es vielleicht so sehen, daß die bunten Normalwellis die Vorstufe der weitaus höher gezüchteten Standards sind. Wo aber ist die Abtrennung, wann war es noch Normalwelli und wann schon Standard? Die Standards haben sich im Verlaufe der Zeit geändert und genauso die Vögel, die danach beurteilt werden. Deshalb kann man immer nur pauschale Aussagen treffen, denn die Vögel sind individuell und nicht jede Angabe muß deshalb 100 %ig auf den jeweiligen Vogel zutreffen.

> Ich habe einen sogenannten Standard-Welli zu Hause, (er ist größer, dicker usw. als der Rest, TA hat ihn auch als Standard bezeichnet), der aber lange noch nicht so riesig ist wie einer der Vögel auf den Schauen. Werden Schauwellis überhaupt an "unsereiner" verkauft?

Ich denke, daß "unsereiner" sich diese Vögel gar nicht leisten kann (oder möchte). Diese Vögel erzielen nach meinen Informationen bis zu vierstellige Geldbeträge beim Verkauf. Was wir in die Läden bekommen oder was die Züchter uns verkaufen, ist der "Ausschuß", also jene Vögel, die keinen Titel erringen werden.

Mein Standard hat zum Beispiel ein perfekt ausgefärbtes Gefieder, ist ein astreiner dunkelblauer Australischer Schecke mit allem, was dazu gehört. Seine Kehltupfen sind groß und exakt rund, sein Gefieder farbenkräftig und wie nach dem Bilderbuch gezeichnet. Allerdings wird seine Haube nicht ganz einem Ausstellungshahn gerecht, sie ist zu schmal. Seine Größe dürfte noch angehen, aber die Federkontur stimmt eben nicht. Außerdem dürfte er - eben wegen seiner Scheu - kein geeigneter Ausstellungsvogel sein. Offensichtlich gestreßte und scheue Vögel erhalten Punktabzug.

Ich bin davon überzeugt, daß der Züchter ihn hat fliegen lassen. Er traut sich durch keine offene Volierentür, der ist sicher nicht freiwillig weggeflogen. Aber eines Tages saß er auf einem Kirschbaum und hat mit einigen Finken gestritten oder vielmehr, die mit ihm. Er war so geschockt, daß man ihn leicht einsammeln konnte. So gesehen, hatte er sicherlich Glück, in die "Freiheit" entlassen zu werden, er war sicherlich nur Stunden unterwegs, so glatt und sauber, wie er war und er wurde gleich gefunden. Es gibt sicherlich Hunderte von Artgenossen, die gleich von Greifen erhascht wurden (Kunststück, so wie die leuchten) oder denen der Züchter gleich vor dem Misthaufen den Hals umdreht. Ich habe daher auch gar nicht den Versuch gemacht, ihn zurückzubringen, zumal er offensichtlich kein Championformat hatte.

>Ich denke mal mein "Dicker" wird sich nicht mit einer normalen Henne verpaaren, aber müßte man da etwas beachten? Sollte soetwas ggf. vermieden werden?

Natürlich wird er sich mit einer normalen Henne verpaaren, sofern die ihn haben will. Mein Cloudy (wegen der leicht wolkigen Zeichnung um das weiße Bauchband) hatte nie Schlag bei den Damen, aber mittlerweile hat er Anschluß gefunden. Nicht besonders eng, aber erkennbar.
>>
>Veranlagungen bestimmen, welcher Vogel sofort die Nähe des Menschen sucht und welcher zurückhaltend ist. Ich habe einen einzigen Standardvogel in meinem Schwarm und er ist der größte Hasenfuß, der schon bei meinem Anblick fast in Ohnmacht fällt.
>>
>*g* Hab ich bisher nur bei normalen erlebt. Die Standards sind von Anfang an fröhlich gewesen und recht zutraulich. Da sie dementsprechend auf auf die Hand steigen und auch nicht ängstlich sind, halte ich das für "vergleichsweise zahm".

Das würde ich auch so nennen. Sicherlich ist eine Sache der Charakter, eine andere Sache allerdings auch die Art der Aufzucht und Haltung. Hatten sie schon immer viel Kontakt zu Menschen, fällt es ihnen auch leichter als ihren halbwilden Artgenossen. Ich bin jedoch sicher, daß es keine genetische Prägung in puncto "Zahmheit" gibt, zumindest nicht in entscheidender Weise bei grundsätzlich allen Standardvögeln.

> Ich zähme meine Wellis ja nicht, deshalb kann ich nur sagen, das meine Standards "automatisch" zahm wurden, die normalen dagegen das weite suchen, sobald ich mit einer Hand in die Nähe komme, die keine Kolbenhirse enthält.

Das kann wirklich ein Zufall sein. Die ersten, die Du bekommen hast, kannten den Menschen und die anderen haben sich vielleicht an ihm orientiert. Ich denke schon, daß die Vögel die Unterschiede zwischen sich erkennen und ihre Standardgenossen von den kleinen Artgenossen unterscheiden können. Inwieweit das Konsequenzen hat, hängt aber sicherlich von ganz anderen Faktoren ab. Ich denke aber persönlich, daß Standards im NOrmalschwarm Außenseiter sein _können_, wenn sie es auch nicht sein müssen. Attaktivität hat viele Facetten.

>Außer dem adoptierten 10jährigen, der ist zahm geblieben.

Ja, das kenne ich auch von den zahmen Zugängen, auch wenn sie verwildern, sie bleiben gegenüber dem Menschen immer etwas zutraulicher...

Aber vielleicht hat es doch etwas mit Selektion zu tun. Da, wie ich schon schrieb, die Ausstellungsvögel ruhig und gelassen sein müssen, werden die Tiere nicht nur nach äußeren Erbfaktoren selektiert, sondern sind auch Charaktereigenschaften wichtig. Vielleicht ist es also tatsächlich so, daß mittlerweile mehr ruhige und ausgeglichene Standardvögel existieren als scheue und ängstliche. Wenn man sie nun gezielt in dieser Richtung vermehrt, tritt ja solch ein Effekt ein. Ich denke aber, daß dies lediglich ein Trend ist, völlig ausradiert hat man die Vielfalt der Charaktere auch bei Standards sicherlich noch nicht.

>>Und: Standardvögel leben viel kürzer. Sie werden nur halb so alt wie die Normalwellis. Je nach "Zuchtgüte" haben sie
>>
>Will ich gar nicht wissen... :-( Meiner (mein Lieblingswelli, Schecke) ist "schon" 4 Jahre alt mit einer nicht zu definierenden Beule unter dem Flügel. Meine TA meinte, es handle sich nicht um einen Tumor und sie habe soetwas schon ab und zu bei Standards gesehen.

Was es aber ist, kann sie nicht sagen? Vielleicht doch ein Hauttumor? Ich meine, wenn es nicht wächst und der Vogel keine BEschwerden damit hat, ist es ja in Ordnung. Aber eine Erklärung sollte es doch dafür geben.

Wegen des Alters... Mach Dir keine GEdanken. Was wäre es denn wünschenswert, einen Vogel, der nach 8 Jahren gebrechlich wie ein anderer 18jähriger ist, mit GEwalt am Sterben zu hindern? Wenn er einen friedlichen Tod hat und ruhig einschläft und davor ein glückliches Leben, ist es doch gut. Was will man mehr. Allerdings kaufe ich keinen Standardvogel, weil mir diese SElektion nicht behagt. Hier wird in Kauf genommen, daß eine Tierart zunehmend kränkelt und mißbildet, nur um dem Ehrgeiz der Zucht in dieser Form Rechnung zu tragen. Heutzutage ist doch keine Mystik und keine Kunst im Spiel, so etwas zu erreichen. Das läßt sich doch alles vorausberechnen. Ein bißchen Glück freilich braucht's auch noch. Aber wer Pokern will, sollte ins Casino gehen, meine Meinung...

Man ist ja zu dieser Zuchtform nicht gekommen, weil damit ein Vogel besonders schön wurde, sondern weil er damit besonders ungewöhnlich und selten wurde und damit kostbar. Oder wie läßt sich erklären, daß ein normaler gesunder Artgenosse im Verkauf 4 Mark einbringt und ein seltener Championvogel 2000? Ist ein Leben wertvoller als das andere?

> Naja, ich hoffe, er hält in etwa so lange durch wie mein letzter, der wurde immerhin 13.

Das wäre ja für einen sehr standardnahen Vogel ein biblisches Alter! So zwischen 6 und 8 Jahren kann man rechnen. Weit nach unten sollte es nicht driften, aber sehr viel nach oben ist auch kaum möglich.

Meine Schwester hatte einen Standard, der mit 6 in wirklicher Ruhe und Frieden gestorben ist. Er ist am Abend zuvor noch ganz normal herumgeflogen und durch die Gegend spaziert, war am nächsten Tag etwas schwächlich und wollte sich schon so eindeutig verkriechen, hat sich bei meiner Schwester an die Brust gekuschelt und ist plötzlich gestorben, ganz friedlich. Er war recht menschenbezogen.

Es war wirklich beim besten Willen kein Krankheitsanzeichen zu sehen, schon gar kein Hinweis auf eine akute Vergiftung oder ähnliches, die so schnell zum Tode führen könnte und er ist auch so friedlich gestorben, daß ich selbst keinen Grund für eine SEktion sah. Er war 6 Jahre und damit war ein Alterstod nicht abwegig. Das Herz hat einfach nicht mehr geschlagen und das war's dann.

>Ooops verzeihung, ich schweife ab.. wollte bloss nochmal den Unterschied von Standards und Schauwellis wissen. :-)

Ja, im Grunde gibts keinen.

Gruß, Silke.




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