Re: an Silke + Meike
[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ] Geschrieben von Silke am 25. Oktober 2000 08:39:42:
Als Antwort auf: Re: an Silke + Meike geschrieben von Petra am 24. Oktober 2000 14:50:37:
>Aber ich habe zwei Albinoweibchen, die - wie so oft - kein Hahn attraktiv findet.
Bei den Wellensittichen sollen die blauen Bartfedern - wie z. B. bei den Kohlmeisen der schwarze Bruststreifen - angeblich die Rangordnung (mit-)bestimmen und damit ein Attraktivitätsmerkmal sein. Nun, das will ein schlauer Mensch herausgefunden haben, nachvollziehen kann ich es nicht so ganz oder zumindest muß mir da wohl wieder die Ausnahme, die die Regel bestätigt, einen Streich spielen, denn die höchst farblose Tweety war bis vor kurzem die unumstrittene Nummer 1 im Schwarm, wird aber wegen ihres Alters immer mehr von der viel jüngeren Ginger verdrängt... Und Tweety besitzt weder blaue Bartfedern noch dunkle Bartflecke. Bei den Herren war sie aber stets sehr begehrt. Ich denke, daß ihr Temperament und ihre (nicht zu unangenehme) Dominanz sie so begehrenswert machten.
> Dann werde ich wohl bald einfach mal zwei zusammen in die Box setzen, vielleicht tut sich ja etwas. Doch wenn sie sich nicht mögen, ist einfach nichts zu machen!
Ich fürchte nur, daß sich diese nicht ganz freiwilligen Verbindungen im Schwarm schnell wieder lösen... Aber ich denke auch, daß sich nicht jeder Vogel um jeden Preis verpaaren muß, solange er kein Außenseiter ist oder man vermuten muß, daß er seelisch leidet (Legerei usw.). Dann freilich muß man sich strecken und mit aller Macht einen passenden Partner suchen. Ich denke aber nicht, daß die Zwangsverpaarung der richtige Weg ist, sondern man muß dann suchen, suchen, nochmals suchen, bis man einen passenden Deckel für den Topf bekommt.
Wie in Meikes Falle verpaaren sich behinderte Tiere gern mit behinderten und eben sehr rangniedrige Tiere ebenfalls mit Tieren, die kein besonderes Durchsetzungsvermögen haben. Man sucht sich gern was auf seinem Niveau.
Zu den behinderten... Wir hatten mal eine sehr schöne Diskussion über die Verhaltensänderungen bei (auch zeitweilig) behinderten Tieren. Da haben Papageienbesitzer z. B. bemerkt, daß ein zeitweilig flugunfähiger Vogel seine frühere Dominanz völlig verlor und sehr sanftmütig wurde.
Da ich selbst recht viele behinderte Vögel habe, würde ich dazu sagen, daß in dieser Situation es nur zwei Wege gibt, sich im Schwarm einen Platz zu schaffen: Entweder höchst dominant zu sein und körperliche Gebrechen durch Unnachgiebigkeit und verstärkte Angriffslust zu kompensieren - diese Tiere sind dann auch als Partner bei dominanten, unversehrten Tieren sehr begehrt - oder sich besonders friedfertig und unterwürfig zu zeigen und damit die Rücksicht der anderen zu gewinnen, ähnlich, wie das auch bei Jungvögeln der Fall ist.
Das konnte man z. B. sehr schön bei einem Neuzugang vor etwa einem Dreivierteljahr beobachten. Sie war flugunfähig und kam in meine Voliere, wo damals Tweety noch den Hut aufhatte, die zwar friedlich ist, aber keinen Zweifel an ihrer Führungsposition aufkommen läßt und Ginger, die zickige Konkurrentin, die auch mal Tiefschläge austeilt, wenn sie die Gunst der Stunde wittert. Ich befürchtete, daß Ginger die neue piesacken würde, wenn sie erkennt, daß sie eine Schwäche hat.
Etwas völlig Unerwartetes geschah aber. Ginger zeigte herzlich wenig Interesse an der Neuen, dafür aber Tweety höchste Aufmerksamkeit. Einige Minuten später flog Tweety provokativ ihre Schaukel an, auf der sich die flugunfähige Henne niedergelassen hatte, um zu sehen, ob sie ihr sofort Platz machen würde. Es kam, wie es kommen mußte. Else, das Krüppelchen, rückte zur Seite, ließ sich einen Schnabelhieb versetzen und klatschte wie ein Stein zu Boden. Tweety guckte etwas ungläubig hinterher, so als würde sie jetzt überlegen, warum die komische Rivalin denn so heruntergefallen sei und das wars. Sie hat niemals wieder in einer solchen Art die Neue verdrängt. Sie hat gemerkt, daß sie sich wie ein unflügger Vogel verhielt, auch wenn sie erwachsen aussah und war damit keine KOnkurrenz für sie, Thema erledigt.
Else hat sich nun gut eingelebt. Sie verteidigt ihre Schaukel nun allerdings auf das energischste, wenn sich jemand in die Nähe wagt, auch am Freßnapf macht sie sich dick (sie kompensiert ihre Schwäche also mit Dominanz), aber eigentlich bleibt sie von den Damen ziemlich unbehelligt. Blitzangriffe gibt es nicht mehr sich sonst mit ihr zu streiten, hat wohl auch keiner Lust. Else ist auch übrigens mit einem gesunden Hahn verpaart. Sie sind durch Zufall zusammen gekommen, haben sich aber fest verbandelt und sind es bis heute.
Meine übrigen Krüppelchen sind dagegen ausgesprochen friedfertige und freundliche Tierchen, die Streitereien und Futterkämpfen aus dem Wege gehen. Sie machen normalerweise Platz.
>Auch die Küken im Nest sind alle unterschiedlich. Jedes Küken wird von mir mindestens einmal am Tag berührt, sei es zum Streicheln oder zum Füßewaschen. Trotzdem sind von 6 Küken meist zwei dabei, denen man deutlich anmerkt: sie werden nicht sehr zahm.
Ich hatte mal eines, das hat mich doch rotzfrech in den Finger gebissen, wenn ihm was nicht paßte, der hing wie ein Krebs dran - so ein kleines Fliegengewicht, aber oho... Keine richtige Stimme haben, aber beißen....:-) Der ist mir auch immer abgehauen, wenn ich den Kasten säubern wollte, ich mußte immer ein kleines Handtuch über ihn legen, damit er ruhig hocken blieb.
Gruß, Silke.