Re: Tweetee ist krank
[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ] Geschrieben von Silke am 30. November 2000 14:36:38:
Als Antwort auf: Re: Tweetee ist krank geschrieben von Nadine+Andy am 29. November 2000 23:17:35:
Mein lieber Schwan, das ist aber jetzt auch ein ganz schönes Kauderwelsch!
>Der sagte auch das es die Schilddrüse nicht sein kann, das kommt sehr selten vor und die Symptome wären anders .Er glaub eher das der Durchfall ( richtig flüssig )
Durchfall ist nicht daran zu erkennen, daß es flüssig ist (das ist der Harn bei Polyurie auch), sondern daran, daß sich der feste Bestandteil nicht mehr vom Harn absetzt. Also, ein gesunder Kot ist fest und wird von weißem Urat umgeben. Bei Polyurie ist der Kot fest bis cremig und wird von einem See aus Wasser mit Harnbestandteilen umgeben und bei Durchfall hat man eine farbige, manchmal auch verfärbte Schlacke, wo man weder Urin noch Kot voneinander trennen kann...
> und das Untergewicht durch Bakterien ( Mega Bakterien ) verursacht werden,
Das höre ich gar nicht gern, klingt nach Ausrede. Megabakterien, also die Begleitinfektionen des Going-Light-Syndroms, sind sehr schwer nachzuweisen (am lebenden Tier) und Going-Light selbst eine Krankheit, die als unheilbar und tödlich eingestuft wird. Ohne jede Untersuchung des Kotes ist diese Diagnose schlichtweg Kaffeesatzleserei und in meinen Augen gefährlicher Humbug. Ich habe bemerkt, daß anscheinend immer öfter Ärzte bei Fällen, die sie nicht beurteilen können, Going-Light angeben. So nach dem Motto, kein Wunder, wenn er stirbt und kein Wunder, wenn ich es nicht diagnostizieren kann, gucken wir mal, wenn er tot ist, ob es richtig war... Die letztendliche Gewißheit hat man nämlich erst, wenn man den Magen bei der Sektion anguckt...
Selbst hier im Forum war vor einiger Zeit so ein Fall, den ich stark angezweifelt habe.
Ich persönlich bin der Meinung, daß eine feste Diagnose Going-Light erst nach längerer Untersuchung und Beobachtung des Krankheitsverlaufes gestellt werden kann/sollte. Die Tatsache, daß ein Vogel abgemagert ist und die Tatsache, daß man erst mal nichts weiter sagen kann (freilich, ohne Untersuchungen durchgeführt zu haben), besagt m. E. gar nichts. Bei den meisten Erkrankungen werden die Vögel nicht fett, sondern magern ab.
Ich denke, daß weder unverdaute Körner noch Blutspuren im Kot zu finden waren und selbst Blut allein muß doch erst mal eine Vergiftung befürchten lassen, oder täusche ich mich hier gewaltig? Ich denke, Du hättest von Körnern berichtet, wenn sie Dir aufgefallen wären...
Da er jetzt allerdings lustig Antibiotika gespritzt hat (frei nach dem Motto, hauen wir erst mal rein), sind nun wiederum alle weiteren Untersuchungen nicht mehr eindeutig. Jede Kotprobe, jeder Kropfabstrich könnte verfälscht dargestellt werden, aber gerade diese Dinge hätten unbedingt vor dem Antibiotikum geklärt werden müssen.
Ich weiß nicht, bei welchem Arzt Du warst, daß es ein Vogelarzt war, fällt mir schwer zu glauben. Oder zumindest erscheint mir erst mal alles ziehmlich suspekt.
Was gab es eigentlich noch? Hat der Vogel Futter ausgewürgt? Hast Du mal sein Gewicht geprüft und täglich geprüft, ob es weiterhin abnimmt? Hast Du mal geprüft, wieviel er tatsächlich täglich frißt? Bei GLS sollte dies ohnehin begleitend getan werden, um seine Entwicklung nachvollziehen zu können und um zu erkennen, wann man ihn besser einschläfern läßt...
Ich habe jetzt erst mal meinen anfänglichen Ärger gebremst und Deinen Beitrag nochmals gelesen. Natürlich kann es auch sein, daß der Arzt eingeschätzt hat, daß der Vogel in einem so schlechten Zustand ist, daß nur eine schnelle Entscheidung Aussicht auf Erfolg hat, falls er sich mit seiner Diagnose irrt. Dann wäre es akzeptabel, weil man ja keine andere Möglichkeit außer das Einschläfern hätte, etwas für den Vogel zu tun. Wenn aber die Hoffnung auf Heilung bestünde, hätte ich eine Kotprobe ins Labor gesandt und einen Kropfabstrich gemacht. Wenn der Arzt ohnehin meinte, daß dem Tier nicht geholfen werden könnte und er von seiner GLS-Diagnose überzeugt war, hätte er so konsequent sein müssen und das Tier einschläfern.
Mich irritiert sehr, daß er offensichtlich weder mit Dir über GLS gesprochen hat, noch genau offenlegte, was er annimmt und was nicht und was eine vage Vorstellung wäre.
Zugegeben, die Vorstellung, daß ein Vogel bereits so abgemagert ist, daß das Brustbein nicht nur fühlbar, sondern sichtbar vorsteht, ist schon erschreckend und die Chancen auf Heilung scheinen denkbar schlecht, denn der Vogel hat kaum noch Abwehrkräfte. Aber ich finde, dann sollte man die Karten auf den Tisch legen.
Hat es sich genau so abgespielt, wie es hier geschildert wird und der Arzt ohne weitere Untersuchung GLS diagnostiziert und gleichzeitig eine Behandlung eingeleitet, von der er angibt, daß sie (akzeptable) Chancen auf Erfolg hat, wäre es mir höchst suspekt.
> Parasiten konnte er keine finden.
Wie, hat er den Kot nun doch untersucht?
>Außerdem kämen noch die Nieren in Frage aber da könne er nicht viel machen weil dann die Schädigung schon zu weit fortgeschritten wäre.
Dann müßte aber Polyurie im Spiel sein, also kein Durchfall. Wie sonst sollte er auf die Nieren kommen? Dann frage ich mich aber, was soll das Antibiotikum gegen Megabakterien? Und hat er was als Trinkwasserersatz/-zusatz zur Schonung der Nieren verordnet? Hat er den Vogel geröngt?
> Weist Du ob Tweetee bei einem Nierenschaden auf einem Bein und mit dem Kopf im Gefieder schlafen würde ( das macht er jedenfalls )?
Mich wundert es ehrlich, daß ein so ausgehungerter Vogel überhaupt noch solches Komfortverhalten zeigt, ganz ehrlich! Ich sagte ja schon oft, Wellensittiche können sehr lange hungern. Aber Wellensittiche können eigentlich nicht lange hungern und gleichzeitig eine Erkrankung bekämpfen und dann noch solche Dinge zeigen... Das paßt eigentlich nicht zusammen...
>Zur Behandlung der Bakterien gab er ihm eine Spritze mit verschiedenen Medikamente ,welch kann ich Dir auch nicht sagen, und tropfen die gegen die Bakterien helfen sollen.
Ich denke mal, hier gab es ein Antibiotikum und die Tropfen ebenfalls als Antibiotikum, z. B. Baytril. Sollte auf dem Etikett stehen.
Weißt Du, was mir hier Kopfzerbrechen macht? Irgendetwas paßt nicht. Entweder, er hat eigentlich richtig gehandelt, weil Gefahr im Verzug war und hat es nicht richtig erklärt. Oder er hat falsch gehandelt, was man aber so nicht eindeutig aufzeigen kann, weil die Zustandsbeschreibung des Vogels wirklich nicht gut klang und man es deshalb im Zweifelsfall auch zu seinen Gunsten auslegen kann...Schließlich ergibt es aber kein schlüssiges Bild.
Geht er wirklich von GLS aus und begründet er seine Diagnose mit dem überaus starken Gewichtsverlust des Vogels (dann wäre es aber immer noch eine Vermutung, keine sichere Diagnose), müßte seine logische Konsequenz Euthanasie heißen, denn ihn wieder nach Hause zu schicken, wäre in meinen Augen unverantwortlich. Und helfen kann man ohnehin nicht mehr.
GLS ist bis zum heutigen Tage nicht heilbar. Der Krankheitsverlauf kann durch Antibiotikagaben verlängert werden, aber ab einem gewissen Stadium ist es einfach Tierquälerei. Bei einem so abgemagerten Tier kann man nicht davon ausgehen, daß er sich wieder halbwegs erholt, wenn man von dieser Diagnose ausgeht. Umgedreht müßten m. E. bereits unverdaute Körner im Kot zu finden sein.
Ist es nicht GLS, sondern ein Nierenproblem, machten die Antibiotikaspritzen keinen Sinn, es sei denn, hier läge der Verdacht auf eine NIereninfektion vor. Und natürlich fressen auch diese Tiere weniger, haben aber eine enorme Ausscheidung von Urat, haben also in der REgel verklebte Kloakenfedern und leiden unter Austrocknung und damit verbunden oft an Kreislaufstörungen.
Dann gibt man freilich Antibiotika, die aber die Nieren wenig belasten sollte, verordnet Tyrodelösung oder zumindest Mineralwasser und injiziert bei BEdarf Flüssigkeit unter die Nackenhaut, um akute Austrocknungssymptome zu lindern.
Nierengicht läßt sich im Röntgenbild erkennen. Dann ist der erste Weg eine eiweißarme Diät, der zweite WEg, wenn die Schädigung schon zu weit fortgeschritten ist und die Kristalle z. B. die Harnwege blockieren, die Euthanasie.
Und das dritte sind Nierentumore, die aber im Endstadium raumgreifend sind und neben Haltungsänderungen auch zahlreiche andere Beschwerden verursachen. Der Tumor wird wiederum beim Röntgen erkannt.
Kannst Du vielleicht einordnen, auf welche "Nierenprobleme" er hinaus wollte? Ich kann es nicht...
Verstehst Du, welches Problem ich mit dieser Behandlungsbeschreibung habe? Ich habe kein gutes Gefühl dabei, drücke Dir aber trotzdem die Daumen.
Wenn Du selbst nicht ganz überzeugt bist, solltest Du vielleicht noch mal einen zweiten Arzt zu Rate ziehen. Zu wem bist Du jetzt eigentlich gegangen? Nicht alle Tierärzte aus irgendwelchen Listen sind wirklich Spezialisten, das haben schon einige Leute bemerkt...
PS: Im Zweifelsfalle solltest Du einfach noch mal beim Arzt anrufen und Dir die genaue Diagnose und die Zusammenhänge, warum er was wie behandelt hat, noch einmal klarlegen lassen. Manchmal muß man eben hartnäckig nachfragen, auch wenn ich meinte, daß ein Arzt es von sich aus erklären sollte. Die Kunden sind ja keine unmündigen und dummen Kunden.
Vielleicht klärt sich dann doch noch etwas auf.
Alles Gute. Silke.