Re: Frage an Silke wg. Tumor
[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ] Geschrieben von Silke am 01. Dezember 2000 09:34:32:
Als Antwort auf: Frage an Silke wg. Tumor geschrieben von Connie am 30. November 2000 21:28:29:
>1. Vor drei Jahren fing es damit an, daß sich die Nasenwachshaut von blau nach braun verfärbt hat, und das Braune auch wucherte, die Nasenlöcher aber frei blieben.
Wenn die Wachshaut braun umfärbte und nicht weißlich belegt war (also keine Grabmilben in Frage kommen), muß man immer einen Hodentumor befürchten. Die Umfärbung kommt durch die Störung des Hormonhaushaltes, weil die Geschlechtsorgane zerstört werden. Sehr schön erkennt man den Unterschied zwischen einer Henne und einem Hahn mit Hormonstörungen daran, daß die Nasenlöcher nach wie vor blau sind.
> Der Arzt meinte, daß das eine hormonelle Umstellung sein muß.
Da würde mich mal interessieren, warum der Hahn denn so ohne weiteres zur Henne werden sollte? Der Arzt hat zwar den Zusammenhang mit den Hormonen richtig erkannt, aber die Schlußfolgerung finde ich etwas abwegig... In jedem Fall muß das eine gesundheitliche Störung bedeuten. In der Regel bedeutet das Hodentumor.
> Zu diesem Zeitpunkt mußte ich beruflich am Tag länger außer Haus sein. Mein Sittich war sehr auf mich geprägt. Vielleicht eine Reaktion darauf?Ganz und gar nicht. Der Tumor dürfte im Anfangsstadium gestanden haben. Eine Operation könnte u. U. (das läßt sich wirklich nicht verallgemeinern, sondern müßte im Fall des Falles mit dem Vogelarzt gut abgewägt werden) in diesem Stadium erfolgreich sein. Hodentumor ist überhaupt der einzige Tumor, der eine kleine Chance auf Heilung hat, abgesehen von Hauttumoren und Lipomen. Wobei man allerdings bedenken muß, daß auch die Nieren ganz schnell von dem Tumor angegriffen werden können, dann ist es für eine OP zu spät. Unter Umständen erkennt das aber erst der Arzt beim Eingriff und wird den Vogel deshalb lieber sofort einschläfern. Hätte man dann in diesem Augenblick nicht operiert, hätte er eben noch einige schöne Monate verbringen können. Es will also alles genau überlegt sein...
>2. Im März dieses Jahres war sein Gefieder eines Morgens voller Speichel. Gab ihm sofort Rotlicht, nachmittags sofortige Besserung, danach alles in Ordnung. Dachte damals an eine Vergiftung, da er den Käfig ab und zu beknabberte. Oder waren es doch schon die Vorzeichen des Tumors?
Das kann man nicht eindeutig sagen. Man müßte wissen, welche Farbe der "Speichel" hatte, handelte es sich um Kropfschleim, um verfärbten Kropfschleim?
Es kann, muß aber nicht im Zusammenhang mit dem Tumor stehen. Würde fast auf letzteres tippen, denn der Vogel hat danach noch relativ lange gelebt... So würde ich also nicht unbedingt annehmen, daß der Tumor schon so weit gewuchert hat, daß er die Verdauung so massiv blockiert hat. Es hätte zu häufigerem Erbrechen m. E. kommen müssen... Hodentumore liegen zu weit im Unterbauch, das massive Erbrechen zeigt sich eher bei Lebertumoren...
>3. September dieses Jahres starke Mauser. Verlieren von sehr viel Federn. Danach sehr erschöpft. Durchfall fing an.
Ich vermute, daß hier nicht Durchfall, sondern Polyurie zu sehen war. Der Hodentumor dürfte auf die Nieren übergegangen sein.> Gab ihm Bene Bac (Pulver) ins Wasser. Korvimin zur Vitamin- und Mineralstoffversorgung. Wollte ihn sich erstmal erholen lassen von den Strapazen der Mauser und ihn nicht gleich zum Tierarzt bringen, da ich sehr schlechte Erfahrungen mit den Tierärzten hier in Wiesbaden habe und dem Sittich nicht noch zusätzlichen Stress aufbürden wollte.
>4. Plötzlich trat eine Besserung ein und er baltzte und spielte mit den anderen beiden Sittichen nicht wie gewohnt, sondern eher noch hektischer und aufgedrehter.Wie lange hielt diese Phase an? Es ist normal, daß gerade bei Tumorpatienten sich Aktiv- und Schwächephasen ständig abwechseln. In der Regel dauern die Aktivphasen aber nur Stunden...
>5. Dann im Oktober von einen Tag auf den anderen, sehr kränkliches Aussehen. Wippen mit dem Schwanz und den Flügelchen beim Atmen. Große Schwierigkeiten beim Kotabsetzen. Setzt Kot nur etwa alle 1 1/2 Stunden ab und dann im großen wäßrigen Ballen.
Hier dürfte der Tumor schon die Masse des Bauchraumes eingenommen haben. Eine Frage von Tagen, daß der Vogel stirbt... In diesem Zustand ist ein Weiterleben Quälerei, er hätte sofort eingeschläfert werden müssen.
> Nach etlicher rumtelefoniererei endlich Tierarzt gefunden der Hausbesuch macht. Ertastet Tumor (Nieren- oder Hodentumor kann man nicht sagen).
Verständlich. Der Hodentumor wächst an die Nieren, die ebenfalls völlig verwachsen, hinterher bleibt nur ein riesiger Klumpen - Gedärme, Organe - eine feste Masse...
> Mir ist es aber auch erst vor einem Tag aufgefallen das das Bäuchlein etwas dicker wird. Bekommt Vitamin- und Antibiotikaspritze mit 5-Tage Depot. Solange sitzt er dann auch noch auf seinem Lieblingsplätzchen, unter Rotlicht. Geht auch immer noch auf seinen Schlafplatz, aber mit großer Mühe. Tumor wächst deutlich zu erkennen von Tag zu Tag. Am 10. Tag nach äußerem sichtbar werden des Tumors, und nach vier Tagen Atemschwierigkeiten ist er dann erlöst worden.
Hier bin ich der Meinung, hätte der Tierarzt, der ihn zuletzt sah, sofort handeln müssen. Die letzten Tage hätten nicht sein müssen, davon hat der Vogel wirklich nichts Gutes mehr gehabt. Wozu aber hat er Antibiotikaspritzen bekommen? Was für ein Schwachsinn... Einen sterbenden Vogel mit Antibiotika vollzupumpen... Die Atemschwierigkeiten kamen garantiert nicht von einer Infektion, sicherlich hatten sich Metastasen in der Leber gebildet. Eine Sektion hätte das Dilemma an den Tag gebracht.
>Meine brennende Frage: Hätte ich irgendwann in den drei Jahren durch Gabe von irgendetwas (Hormone, früherer Einsatz von Antibiotika, Homöopathie, Medikamente), verhindern können das der Tumor anfängt zu wachsen?
Nein, mit 100 %iger Sicherheit nicht. Ein Tumor kann nicht mit Antibiotika, nicht mit Homöopathie oder irgendetwas bekämpft werden. Es gibt nur das Messer und die körpereigenen Abwehrkräfte des Vogels, die hier wohl sehr stark waren.
Allerdings hätte der Vogel nicht mehr so lange leiden sollen, das wäre besser gewesen. Oder, wenn Du wirklich alles auf eine Karte hättest setzen wollen, eine Operation zu dem Zeitpunkt, als die Nasenhaut sich umzufärben begann. Die Hoden kann man entfernen und das Tier trotzdem weiterleben. Ob er allerdings die Operation, die Narkose problemlos überstanden hätte, ob die Wunden gut verheilt und der Vogel sich schnell erholt hätte, ob der Tumor dauerhaft entfernt worden wäre und nicht wieder nachgewachsen wäre, das sind Restrisiken, mit denen man in jedem Falle hätte leben müssen.
Ansonsten, wenn man sich gegen die OP entscheidet, bleibt nur, den Zustand des Vogels ständig zu beobachten und zu prüfen (Brustbein abtasten, Kotabsatz, Fressen beobachten, Schwächephasen dokumentieren) und ihn schließlich, wenn er sichtbar verfällt, also, wenn es deutlich wird, daß er krank ist und seine Aktivphasen kürzer werden, dann bereits hätte man m. E. den Schlußstrich ziehen sollen...
Ich hoffe, ich habe Dir helfen können...
Gruß, Silke.