Re: Der kleine Blaue lebt nicht mehr und ein paar Fragen
[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ] Geschrieben von Silke am 15. November 2000 11:08:02:
Als Antwort auf: Der kleine Blaue lebt nicht mehr und ein paar Fragen geschrieben von Martin am 15. November 2000 09:18:23:
Hallo Martin,
das ist ja ein langer Beitrag... Fangen wir mal vorne an...
>Es ging schnell und ich hatte nicht den Eindruck, daß er viel gespürt hat,
Das ist erfreulich. So hat er doch viel Glück im Unglück gehabt, er ist nicht jämmerlich eingegangen und hatte einen leichten Tod.
>Eine Obduktion habe ich mir verkniffen, da es den Vogel auch nicht mehr lebendig macht.
Stimmt, wobei die Begründung nicht ganz stichhaltig ist. In diesem Falle konnte man insofern darauf verzichten, weil der Tumor ja festgestellt war und als Grund für die Euthanasie genügt. Wenn die Erkrankung aber ungeklärt wäre, hätte man ihn zum Schutz der anderen, die vielleicht eine NOtbehandlung benötigt hätten, sezieren müssen...
>Das kreide ich dem Tierheim allerdings negativ an, daß es ein Päärchen trennt und Einzelvögel abgibt im Wissen, daß der Vogel einzeln gehalten werden wird.
Verstehe ich jetzt nicht. Sagtest Du nicht, ein Pärchen wurde abgeholt. Daß er das fünfte Rad am Wagen war, dafür kann niemand was. Ich hätte das Pärchen auch weggegeben, in der HOffnung, daß er nicht lange allein bleiben muß...
>Aber gut, der Kleine hat sich hervorragend eingelebt, wird von dem verwaisten Kollegen (es sind aber 6 Wellis in der Voliere) schon mit gewürgten Körnern voersorgt (der Kollege ist irgendwie schon etwas daneben mit seiner Fütter-Manie) und hat sich als eleganter und schneller Flieger (Flughöhe leider 1,5 m, hat mich schon mehrmals gerammt) entpuppt.
Ich finde das nicht schlimm. Daß er das BEdürfnis hat, andere zu füttern, zeigt doch, daß er sehr gesellig ist und Anschluß sucht. Auch gute echte Pärchen füttern sich gern. (namentlich Hähne die Hennen).
>Noch ein paar Fragen.
>1. Im Laufe meiner ersten Frage ist von Silke der Hinweis auf die Möglichkeit zu Operationen z.B. an Lipomen aufgetaucht. Hat jemand schon Erfahrungen mit derartig behandelten Wellis gemacht? Eine unserer Damen (ca. 5,5 Jahre) ist nämlich mit so etwas gesegnet und ich denke, daß es langsam eine Grösse erreicht hat, daß man sich darum Gedanken machen sollte (auch im Zusammenhang mit Punkt 2)Da die Lipome direkt unter der Haut sitzen und keinen Kontakt zu den Organen haben, ist dieser Eingriff recht unkompliziert, allerdings bleibt das Narkoserisiko, aber da kann Dich ein Vogelarzt gut beraten und vielleicht auch die schonendere Inhalationsnarkose anbieten. Du hattest doch Kontakt zu Dr. Pieper? Der ist eine gute Adresse.
>2. Futtergewohnheiten: Daß man den Wellis nicht zu viel zu futtern geben darf, ist mir bewusst. Da in de Voliere aber eben 6 Vögel zusammenleben, ergibt es sich, daß oben genannter "Würger" den anderen das Futter ziemlich wegfrisst. Er selber ist gar nicht mal soo dick, fliegt schnell und ausdauernd, bewegt sich viel, sorgt aber dafür, daß ich wahrscheinlich doch zu viel füttere, um die anderen nicht zu kurz kommen zu lassen. Hat jemand eine Idee, die nicht auf Trennung hinausläuft?
Ja, das Futter verstecken. Sie sollen alle wissen, wo es ist, aber es soll Arbeit machen, es herauszusuchen und dabei haben zeitlich alle dieselben Chancen, satt zu werden. Übrigens balzfüttert ein nicht ganz so gesättigter Vogel auch nicht so ekzessiv...
Mit "verstecken" meine ich, daß das Futter in einen großen Blumenuntersetzer gefüllt mit Einstreu, also Sand, Strohhäcksel, Buchenholzgranulat etc. gemischt wird. Zum "Anfüttern", also, damit sie kapieren, wo ab sofort das Futter versteckt ist, sollte man ein Löffelchen Körner obendrauf streuen, später nur unter die Einstreu. So müssen alle arbeiten, um satt zu werden. Das ist nicht schlimm für diejenigen, die nicht so in Völlerei gelebt haben, aber hält einen einzelnen davon ab, mehr Futter zu verbrauchen, als er nötig hätte. Er kann zumindest den anderen nichts wegfressen, denn einen ganzen großen Untersetzer kann er nicht allein "bewirtschaften" und wenn alle satt sind, ist das Futter alle.
> Ich mache mir abgesehen von der dauernden Fütterei, die dem Kropf nicht zuträglich sein kann, zumal der Knabe schon gute 6 Jahre alt ist, sonst eher weniger Sorgen um ihn.
Sechs Jahre sind für einen (Nichtstandard-)WElli das beste Mannesalter. Partnerfüttern macht dem Vogel auch nichts aus, wenn er gesunde Schleimhäute (Vitamin-A-Mangel wäre nur schlecht) hat. Pärchen füttern sich auch gelegentlich und wenn man bedenkt, daß sie mindestens einmal, meist zweimal jährlich Junge aufziehen, wo sie nicht nur mal ein paar KÖrnchen aufwürgen, sondern eine ganze Handvoll hungriger Mäuler zu stopfen haben.
Nein, gefährlich ist das Balzfüttern an toten Objekten, die das Futter nicht abnehmen, so daß der Vogel es noch lange im Kropf hält und immer wieder anbietet, wo es dann langsam herumgärt. Alles andere ist normalerweise unbedenklich, jedenfalls, wenn es nicht ununterbrochen der Fall wäre, aber dann würde der Vogel ja auch verhungern, wenn er all sein Fressen wieder "verschenken" würde. Es sind also immer mal nur so drei, vier Körnchen, die er wieder weitergibt. Das vielleicht so vier Mal am Tag macht nichts. Er wird sich damit zurückhalten, wenn nicht ganz so viel Futter da ist, dann bleibt es beim Scheinfüttern, also der Vogel bietet seinen Schnabel an, als hätte er da was, aber er rückt nicht wirklich Körner aus. Das Fütterungsritual wird aber beibehalten, denn es festigt die Paarbindung und hat soziale Funktion.
>3. Sehen Lutinos wegen der Pigmentarmut schlechter als andere Wellis? Eine Dame ist von diesem Typ und meidet eigentlich stets die hellen Raumbereiche.
Diese Frage ist schon oft diskutiert worden. Einen stichfesten Beleg, daß es so ist, gibt es wohl nicht.
Gruß, Silke.