Re: Der kleine Blaue ist ziemlich krank
[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ] Geschrieben von Silke am 01. November 2000 08:51:57:
Als Antwort auf: Re: Der kleine Blaue ist ziemlich krank geschrieben von Petra am 31. Oktober 2000 21:09:42:
Lieber Martin,
es ist ein bißchen schade, daß er den Kot nur mikroskopisch untersucht hat und keine Kultur angelegt hat, die eindeutig einen Bakterienbefall nachweisen könnte.
Nichtsdestotrotz scheint der Verlauf auch nicht typisch für eine bakterielle Infektion.
Wenn der Arzt aufgrund eines Röntgenbildes die wahrscheinliche Diagnose "Tumor" stellte, wird er eine Geschwulst im Körperraum ausgemacht haben. Damit ist leider noch nicht geklärt, ob sich dahinter nun ein Tumor, eine Zyste oder gar "nur" ein vergrößertes Organ verbirgt. Der Arzt alleine kann einschätzen, ob beispielsweise eine Lebervergrößerung, die auf einen Leberschaden hindeutet, in Frage kommt. Du allerdings kannst vielleicht einschätzen, ob der Vogel vielleicht doch nicht ganz welligerecht gefüttert wurde, die Problematik Eiweiß, menschliche Nahrung und notwendige Diät hast Du als stiller Leser des Forums sicherlich schon oft mitgelesen. Und ja, auch im Forum häufen sich Krankheitsanfragen, die zu 90 % auf falsche Ernährung von Vögeln, hier speziell die besonders empfindlichen Australier, wie Dein Wellensittich, zurückzuführen sind. Gegen die Theorie Leberschaden durch Fehlernährung spricht erst mal oberflächlich die Tatsache, daß der Vogel mager ist, was allerdings nur bedingt ausschlaggebend ist, denn er könnte auch NACH der Leberschädigung abgemagert sein. In der Regel sind aber regional Fettdepots bei solchen Vögeln erkennbar.
Ich nehme einmal an, daß der Arzt auch die Größe des Kropfes durch Tasten begutachtet hat. Auch dort können Auffälligkeiten (ausgedehnter Kropf) Hinweise auf die Erkrankung geben. Da er nichts gesagt hat, unterstelle ich mal, da ist nichts.
Es wäre nun schön gewesen, einen Kropfabstrich gemacht zu haben, um Entzündungen des Kropfes, die zwar nichts unmittelbar mit der Schwellung im Körper, aber wohl mit dem Erbrechen zu tun haben können, auszuschließen.
Bleibt also als wahrscheinliche Ursache für den Röntgenbefund m. E. eine Zyste oder ein Tumor.
Petra hat Recht, wenn sie sagt, daß die Erkrankung für den Betrachter in Schüben verläuft. Aktivphasen wechseln mit Passivphasen ab. Der Tod kann recht schnell oder auch erst nach Monaten eintreten. Ich muß vorweg sagen, daß der Tumortod ein sehr qualvoller Tod ist, ich würde deshalb die rechtzeitige Euthanasie empfehlen. Es geht am Schluß sehr schnell aber auch sehr leidvoll zu.
Nicht zustimmen kann ich zu der Theorie, daß die Leber tumorös sein muß. Das Erbrechen kann allein durch das Raumgreifen des Tumors verursacht sein, wenn er also direkt auf die Verdauungsorgane drückt und z. B. Magen oder Darm zudrückt. Nicht wenige Tumorvögel verhungern schlichtweg, weil sie nicht mehr in der Lage sind, ausreichend oder gar überhaupt Nahrung zu verdauen.
Was bleibt also zu tun übrig?
Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder zu operieren (oder zumindest eine OP zu versuchen) oder das Tier nicht allzu spät einzuschläfern.
Zunächst einmal sollte man sich deshalb mit dem Arzt in Verbindung setzen und die Chancen, daß das Tier überhaupt Eingriff und Narkose übersteht, durchsprechen. Dann sind freilich die Aussichten, ob es sich dabei um einen operablen Tumor oder eine Zyste handeln könnte, genauso wichtig. Ein Vogelarzt hat da so seine Erfahrung und kann mit etwas Glück eine ungefähre Aussage machen.
Entscheidest Du Dich aber von vornherein - man muß fairerweise sagen, daß ein erfolgreich operierter Tumor keine entgültige Chance auf Heilung garantiert, erstens könnte der Vogel sich anschließend ggf. nicht von seinen Strapazen erholen, zweitens könnte der Tumor kurz darauf einfach nachwachsen - gegen die OP, solltest Du mit dem Arzt abklären, inwieweit wichtige Organfunktionen bereits beeinträchtigt sind. Solche Tumore können die Atmung, aber auch die Verdauung behindern. Und, das ist ganz wichtig, selbst Stunden vor dem unweigerlichen Tod können Vögel noch scheinbar munter durch die Gegend trippeln! Man sieht die Qual nur sehr selten.
Wenn die Organe schon sehr beeinträchtigt sind, würde ich den Vogel bei der nächsten erkennbaren Schwächephase erlösen lassen. Es ist dann ohnehin eigentlich nur noch Quälerei für ihn und jeder weitere Tag ist für ihn auch kein Gewinn.
Kann das er Arzt anhand des Röntgenbildes nicht einschätzen, würde ich den Krankheitsverlauf genauestens beobachten, das hieße, messen, was der Vogel frißt, was bedeutet, daß er stundenweise eingesperrt werden müßte und Futterentnahme und Kotabsatz kontrolliert werden müßten. Achtung, auch Vögel, die nicht mehr in der Lage sind, Futter zu verdauen, fressen, würgen es aber später wieder aus!
Dann wäre auch der Ernährungszustand sehr entscheidend. Magert der Vogel weiterhin ab, hat er keine Chancen, es lange durchzustehen, dann ist auch stark anzunehmen, daß er langsam verhungert, was auch sehr qualvoll ist. Der Brustbeintest ist der einzig reale Hinweis dafür. Wiegen ist unzuverlässig, weil gerade der Tumor sehr stark wächst und deshalb ein großes Gewicht bekommt. Der Eierstocktumor einer meiner Hennen war walnußgroß und hatte bereits nahezu den gesamten Darm und Nieren mit "aufgefressen", als er bei der SEktion entfernt wurde, war der Bauchraum praktisch nahezu leer...
Wenn es um das Einschläfern geht, würde ich mir ausbedingen, daß der Vogel mit einer Narkosemaske betäubt wird, bevor die Giftspritze gesetzt wird. Hat der Arzt dies nicht, sollte er medikamentös betäubt werden. Dann hat er einen ruhigen und sanften Tod. Das Tierschutzgesetz schreibt fest, daß kein Wirbeltier ohne Narkose getötet werden darf (jaja, die Ausnahmen beim Fleischer kennt ihr), doch ich weiß, daß einige Tierärzte darauf verzichten. Das hat zur Folge, z. B. bei großen Säugern wie Hunden, daß die Tiere erst kraftlos werden, auf die Seite fallen und ersticken, statt ruhig einzuschlafen...
Ich würde also mit dem Tierarzt schon im Vorfeld über die Euthanasie reden, dann ist man auch selbst ein bißchen besser vorbereitet.
Gruß, Silke.