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Re: die Sittich-Bande


[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ]


Geschrieben von Silke am 06. April 2000 09:01:38:

Als Antwort auf: Re: die Sittich-Bande geschrieben von Meike am 05. April 2000 13:02:04:

Hallo Meike,

Du merkst, Wellis sind wie kleine Menschen, jeder sehr individuell und nur schwer vorab berechenbar...

>>Ist doch kein Widerspruch, Meike, der junge Vogel war dem Alten zu nervig und deshalb hat er ihn weggehackt. Das >
>Das glaub ich gerne. Jacky war aber wirklich nicht nervig, er hat bloss ganz ruhig den Kontakt gesucht. Der Alte war aber leider sehr auf mich fixiert, daran kann es natuerlich gelegen haben. Auch wenn es mich wundert, dass er die Henne fast sofort akzeptiert hat, obwohl die weitaus frecher war.

Nun Henne ist Henne... Ein bißchen Sexualtrieb wird der Hahn auch noch gehabt haben... Und dann, manchmal mögen sie sich einfach nicht. Manchmal kann man es nachvollziehen, warum, aber manchmal ist es eben schwer festzustellen.
>

>Es geht mir dabei gar nicht um den menschenfixierten Alten, sondern um die junge (Jenny). Die hat die Haehne nur herumgejagt, hatte weder Bezug zu mir noch zu den anderen Sittichen und war ueberhaupt ziemlich merkwuerdig im Vergleich. Sie war schon etwas aelter (ca. halbes Jahr) und wir hatten sie aus einem Zooladen, keine Ahnung, was vorher mit ihr passiert ist. :-( Der Zooladen an sich ist einer der wenigen guten.

Das muß nicht am Zooladen liegen. Hennen sind ja von Natur aus dominant und weniger gemütlich als Hähne. Manche haben davon aber eine Portion zuviel mitbekommen und ich persönlich vermute auch, daß ein bißchen die Erziehung im Schwarm fehlt, wenn die Jungen gleich nach dem Flüggewerden von den Eltern fortgenommen werden. So lernen diese Dominas nicht, sich unterzuordnen. Habe selbst eine so ungemütliche Zicke. Hat über zwei Jahre gedauert, bis sie sich in den Schwarm eingefügt hat und mehr als drei, bis sie überhaupt den Zugang zu einem Hahn (und dieser zu ihr) gefunden hat. Eine harmonische Beziehung ist das heute noch nicht, obwohl sie viel ruhiger geworden ist und auch recht viel herumbalzt und gar zum Paaren auffordert. Aber im entscheidenden Moment wird der Hahn ängstlich und flüchtet...

>Ich haette gehofft, sie wuerde die Partnerin von Jacky werden, der ebenfalls nicht menschenfixiert war und ist. Diese Henne ist wirklich sehr ungesellig und hat mich schon des oefteren zur Verzweiflung gebracht. Alles rennt vor ihr weg ausser den kleinen, die kennen sie noch nicht ;-) , sogar die Nymphen. Der Alte sowie eine Henne, die sie nie vertreiben konnte und daher offenbar auch akzeptierte (nach deren Tod ist sie einige Tage total ausgeflippt), waren ihre einzigen "Bezugssittiche". Beide sind ja nun nicht mehr und ich weiss nicht mehr weiter bei ihr. Sie ist eine sehr nervoese Henne, obwohl wir sie glaub ich noch nicht ein einziges Mal in der Hand hatten oder irgendetwas getan haetten, was sie uns uebel nehmen koennte.

Eigentlich hilft da nur ein sehr dominanter Hahn und einige Tage "Isolierhaft". Das bedeutet, die beiden werden sich erst einmal heftig raufen, aber ich denke, daß die Henne einen starken Partner eher akzeptiert als einen schwachen. Ansonsten wird sie auch einen schwachen irgendwann annehmen, aber dieser wird nach meiner Erfahrung nicht die Angst vor ihr richtig ablegen. Ich kenne solche Biester, sie sind manchmal richtig gemein.

Ich habe gehoert, dass Sittiche mit Vitamin K1 (Medikament Kanavit K1) ruhiger werden, moechte da aber nicht herumexperimentieren.

Vernünftige Entscheidung! Vitamin K soll ja das Wundermittel für alles sein, tatsächlich ist nur seine klassische medizinische Wirkung nachgewiesen, nämlich die Regulierung der Blutgerinnung. Eine Überdosierung dagegen ist toxisch und daher lehne ich bei diesem wie bei allen künstlichen Vitaminen eine Dauergabe grundsätzlich ab. Wenn ein nachgewiesener Mangel besteht oder das Tier aufgrund eines Haltungsmankos mit großer Sicherheit ein Defizit hat, kann man vorübergehend mit künstlichen Vitaminen arbeiten, aber ansonsten lassen sich alle nötigen Vitamine sehr wohl über das natürliche Futter geben. Wenn Du also die kräftigende Wirkung von Vitaminen gefahrlos erfahren willst, geh einfach nach draußen und sammle Wildkräuter und verabreiche Obst. Vitamin K ist zum Beispiel reichlich in Vogelmiere enthalten, die gern gefressen wird. Und natürlich tut Vogelmiere (und damit Vit. K) den Vögeln gut. Aber eine gefährliche Menge des künstlichen und konzentrierten Wirkstoffes sollte man vermeiden. Solange die Vögel gesund und kräftig sind, besteht keinerlei Veranlassung, künstliche Vitamine zu verabreichen. Bei Schwäche oder Krankheit muß man das von Fall zu Fall neu entscheiden.

Hast Du da vielleicht irgendeinen Rat?? Ich habe schon alles versucht, was mit ihr sprechen, Kolbenhirse mit der Hand anbieten usw. moeglich ist.

Das ist eine echte Charakterfrage, da hilft kein "Geheimtip". Hier ist eben eine Henne dabei, deren Charakter nicht in den Scharm paßt. So bilden sich eben Fronten - sie kann mit den anderen nicht (und kostet ihre Machtstellung weidlich aus) und die anderen mögen sie nicht und meiden sie. Solche Differenzen legen sich erst mit der Zeit und mit dem fortschreitenden Fortpflanzungstrieb der Henne. Meine Ginger ist auch zwei Jahre lang mit blutroter Nase herumgeirrt (Brutlust), aber wußte sich nicht zu helfen. Sie konnte mit keinem Hahn und kein Hahn mit ihr. Natürlich paßt auf jeden Topf ein Deckel, aber bei manchen ist es wirklich schwierig, den passenden Partner zu finden. Dabei kannst Du noch von Glück reden, daß sie im Schwarm lebt und nicht einen einzigen Hahn terrorisiert.

>>
>Leider hat da ja offenbar keiner einen Partner, den er verteidigen muesste. Oder koennte es sein, dass Jenny Jacky trotzdem als Partner sieht, auch wenn sie ihn so "schlecht" behandelt?

Hennen behandeln jeden Hahn (und vor allem jede Henne) zunächst einmal scheinbar schlecht. Sie reagieren mürrisch und abweisend. Sie sind die heimlichen Chefs im Schwarm. Wenn Hennen zanken, verdrücken sich die Hähne, um nicht in die Schußlinie zu geraten. Wenn Blut fließt, sind normalerweise die Hennen es, die sich so bekriegen. Normal: Sie kämpfen normalerweise um das Nest und verteidigen die Brut. Der Hahn paßt auf und meldet Eindringlinge, aber die Henne stürzt dann wie eine Furie hervor.

Nun gibt es aber - besonders in Gefangenschaft, wo auch die "überlebensunfähigen" Charaktere überleben und sich vermehren und damit ihre Anlagen weitergeben - zahlreiche Abweichungen vom Normalzustand. So gibt es unglaublich sanftmütige Weibchen, die sofort mit allen Freund sind oder gar ein anderes WEibchen kraulen (eigentlich unfaßbar). Wenn ich daran denke, daß sich bei Mario zwei Hennen einen Hahn teilen, so kann man eigentlich nur mit dem Kopf schütteln. Normalerweise würden sich die beiden bekämpfen, bis nur noch eine mucksen kann. Aber das gibt es.

Genauso gut vermehren sich eben hyperaggressive Hennen, die in der Natur keinen Partner bekommen hätten und deshalb aussterben würden. So gibt es immer mal wieder Hennen, die - wenn sie abends eine Schlafschaukel besetzen - ringsum in Reichweite viel Platz haben, weil sich niemand in ihre Nähe traut und deshalb lieber auf seinen Schlafplatz verzichtet. Die Ziege könnte ja im Dunkeln überraschend nach einem beißen.

Deshalb gibt es bei solchen Charakterbeurteilungen immer viele Ausnahmen von der Regel. So kann man erst einmal nur so herangehen, wie es normalerweise wäre und dann sondieren, welcher Sonderfall hier vorliegen könnte, wenn die Angaben eben nicht passen.

Ach ja, zur natürlichen Aggressivität: Wie gesagt, zunächst hackt die Henne scheinbar ärgerlich und gestört jeden Hahn weg, der Hahn läßt sich aber nicht entmutigen, schließlich kennt er dieses Fange-Spielchen und balzt fleißig weiter. Irgendwann wird die Henne zugänglicher (sie will schon erst einmal fleißig umworben sein) und gibt schließlich nach. Ist der Bund dann einmal geschlossen, hört die Zickerei auf und die Henne wird ihren Vorteil nur ausspielen, wenn es um besondere Dinge geht (eine Leckerei, die sehr knapp ist, usw.).

Wirklich harmonische Pärchen dagegen zanken fast nie und schnäbeln und schmusen und kraulen den ganzen Tag. Der Hahn säuselt der Henne stundenlang leise Töne vor und die Henne kuschelt sich an, krault oder läßt sich genüßlich kraulen. Das ist aber der Idealfall, wenn die beiden wirklich gut zusammenpassen. Allen anderen geht es wie den Menschen: nicht jede Ehe ist nur Sonnenschein und manche sollten oder würden sich lieber scheiden lassen...

Beide sind jetzt 2 und 3 Jahre alt und mit der Zeit auch deutlich ruhiger geworden (v.a. der Hahn, der sich eine Zeitlang durch ihre Nervositaet und ihr hektisches Verhalten anstecken liess).

Dann scheint sie sich doch langsam einzugliedern. Ich denke nicht, daß Du dann noch irgendwelche besonderen Aktivitäten unternehmen mußt, sondern einfach nur abwarten und Tee trinken.

>Ich hatte Jacky mit einem anderen Hahn mal in einen anderen Kaefig gesetzt, weil ich beim eigentlichen die Sitzstangen auswechseln musste. Sie ist daraufhin drei Tage nicht in den Kaefig zurueck. Sie hat sogar von aussen gefressen und sich beim Trinken an der Tuer festgeklammert, damit sie ja nicht rein muss. Ich dachte es liegt an den neuen Sitzstangen, aber als ich Jacky zuruecksetzte, war sie ebenfalls sofort drin. Deshalb die Frage.

Sorry, das versteh ich jetzt nicht ganz... Wie war das? Sie wollte nicht mehr in den alten Käfig oder nicht in den neuen? Wollte sie zu dem anderen Hahn? Fand sie den vielleicht besser oder verhielt sie sich bei ihm ruhiger? Ich kann das jetzt hier noch nicht so nachvollziehen, bitte noch einmal erklären...

>>
>Selbst wenn sie jetzt nichts "boeses" will, wird ihr von den Nymphen gedroht und die Wellis nehmen Reissaus. Ich find das alles nicht normal, aber vielleicht bist Du ja anderer Meinung (wuerde mich beruhigen).

Nö, bin ich nicht, aber solche schwierigen Henne (aber auch Hähne) gibt es nun mal, weil es eben in Gefangenschaft keine natürliche Auslese gibt... Wer sich in freier Wildbahn nicht in die Gesellschaft einfügt, geht unter.

>Ziemlich hilflos diesem Welli gegenueber und fuer gute Ratschlaege dankbar..

Wie gesagt, am besten abwarten und Tee trinken, wenn Du nicht zufällig den Traumhahn für sie findest, was aber sehr schwer sein dürfte.

Trennst Du übrigens alle Paare oder hast Du eine Gemeinschaftsvoliere für die Wellis? Letzteres dürfte am günstigsten sein, zumal sich am besten feststellen läßt (oder die Tiere selbst demonstrieren) welcher Vogel am besten zu wem paßt. Es ist auch die artgerechteste Haltung für alle.

Gruß, Silke.




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