Re: Belesener frühstückender Rosellasittich/PS:
[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ] Geschrieben von Silke am 30. März 2000 13:58:04:
Als Antwort auf: Re: Belesener frühstückender Rosellasittich/PS: geschrieben von Meike.Hermes am 30. März 2000 11:28:20:
>aggressiv werden sollte. Ich nehme an, Meike, Du bist die, die ich auch aus der VML kenne, da kannst Du ihr ja mal bestätigen, wie schnell es mit einem noch so freundlichen,
>>
>Hallo Silke, nein, das bin ich nicht..Ach so, sorry, ich dachte erst.
>Ausser Wellis und Nymphen habe ich auch keine anderen Sittiche, weil das Zimmer dafuer meiner Meinung nach zu klein ist.
Das halte ich für sehr vernünftig. Es ist nicht nur eine Frage des Platzes (oder zumindest nicht im direkten Sinne), sondern auch eine Frage der Verträglichkeit der einzelnen Sitticharten untereinander. Wellis und Nymphen stammen beide aus der Australischen Steppe. Sie führen eine ähnliche Lebensweise und unterscheiden sich nur hauptsächlich in ihrem Temperament. Während Wellis unruhige Geister sind, sind Nymphen meist ruhiger und friedvoller.
In geräumiger Umgebung lassen sie sich aber durchaus gut zusammen halten. Es kann aber natürlich immer mal vorkommen, daß man ein Wellipaar während der Brutzeit aufgrund der besonderen Aggressivität der Henne aussondern muß, damit es nicht so viel Unruhe gibt. Auch unverpaarte Wellihähne können sehr zudringlich werden und Unruhe stiften. Aber diese Probleme sind noch vergleichsweise harmlos.
>Aber ich habe auch schon oft von dem gehoert, was Du beschrieben hast. Das Risiko fuer Mensch und besonders die Sittichkollegen scheint wirklich sehr hoch zu sein.Ist es. Und es gibt zahlreiche Belege dafür, nicht nur meine Beschreibungen. Im Netz sind vielleicht nicht so viele Fotos verfügbar, aber wer schon alleine irgendein Papageien-Magazin regelmäßig liest, wird schon einige anschauliche Bilder (die richtig bösen sieht man allerdings wohl eher in irgendwelchen Enzyklopädien der Veterinärmedizin) finden.
Während ich gerade schrieb, daß Nymphen und Wellis generell sehr friedvoll sind und selbst die als aggressiv geltenden Wellihennen doch immer nur begrenzt Ärger machen und tatsächlich blutige Zusammenstöße wohl eher auf mangelhafte Haltungsbedingungen zurückzuführen sind (fehlendes Revier usw.), sind Plattschweifsittiche sehr aggressive Sittiche, die sich für die gemischte Sittichhaltung kaum eignen und nur unter ganz bestimmten Umständen auf Dauer mit anderen Sittichen vergesellschaftet werden können. Dies habe ich in diesem Forum, wann immer die Frage der Vergesellschaftung mit Rosellas oder anderen Plattschweifen aufkam, stets deutlich gesagt. Während der Brutzeit müssen sogar Plattschweifpärchen u. U. von ihren Volierenkollegen getrennt werden, da sie auch Artgenossen sehr feindlich gegenüberstehen können.
Aufgrund ihrer Wehrhaftigkeit wird ihr instinktiver Nestschutztrieb besonders schwächeren Sittichen nicht selten zum tödlichen Verhängnis.
Einen Menschen totbeißen können sie freilich nicht, auch so ernste Verletzungen wie abgetrennte Finger sind sicherlich tragische Zufälle und es sind doch eher gutgläubige Kinder betroffen als Erwachsene, die die Aggressivität des Vogels eher erkennen (oder höchstens Erwachsene, die so ein Tier umsetzen müssen und dabei ungeschickt zupacken, weil er sich aus dem Kescher gestrampelt hat...:-)). Aber ein sehr aggressiver Vogel kann kaum mehr beherrscht werden und man muß auch mal daran denken, was dann aus dem Tier werden soll und wie sehr und wie lange er noch leiden muß, bis man ihm die Aggressivität wieder ausgetrieben hat.
Und selbst, wenn er charakterlich nicht zur Aggressivität, sondern zur Scheu und damit zum Resignieren neigt, ist immer noch die große Gefahr, daß er irgendwann sich selbst verletzt. Und da ist ein bißchen Brathuhn noch das Geringste, was dem Halter passieren kann.
Es ist auch schlimm: Einem Vogel, der seine Haut und Fleisch verletzt, mußt Du vorübergehend eine Halskrause anlegen, damit die Wunden heilen und sich nicht unnötig infizieren. Die Halskrause engt ihn aber noch weiter in seinen Bewegungen ein und macht ihn fast verrückt. Das psychisch labile Tier wird eigentlich noch weiter gequält. Es ist ein Teufelskreis und Du kannst nur hoffen, daß der Vogel nicht 10 min, nachdem die Krause ab ist, wieder da sitzt und Federn fliegen und er an seiner Haut herumnagt.
Und viele Vögel lassen das Rupfen ja auch nicht, selbst wenn alle Ursachen, die einst das Rupfen bewirkten, behoben sind. Da können sie längst verpaart sein und vielleicht sogar Junge aufziehen und Freiflug bis zum Abwinken usw. und sie rupfen weiter aus Gewohnheit. Das ist wie Leute, die rauchen, obwohl sie es eigentlich hassen. Es ist einfach eine Sucht.
>Meine Meinung ist, dass, wenn man nicht genug Platz fuer mehr als den einen Vogel hat, man wenigstens versuchen sollte, woanders einen schoenen Ort (moeglichst Voliere) fuer ihn zu finden, wo er artgerechter gehalten werden kann.
>Das zeigt mehr Tierliebe als einen Vogel "aus Liebe" unbedingt behalten zu wollen.Ich stimme Dir eigentlich zu. Prinzipiell habe ich natürlich auch nichts dagegen, wenn jemand einen Findling gern behalten möchte. Nur sollte man dann die wichtigsten Bedürfnisse wirklich berücksichtigen. Dazu gehört ganz vorne eben der Artgenosse.
Ich bin zwar irgendwo auch ein Idealist, aber nicht ganz weltfremd, deswegen gehe ich natürlich auch Kompromisse ein, aber man muß dem Tier schon nach besten Möglichkeiten entgegenkommen. Und meistens, wenn man mal genau nachdenkt, gibt es sehr wohl eine Möglichkeit, dem Tier entgegenzukommen.
Gruß, Silke.