Re: Belesener frühstückender Rosellasittich/PS:
[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ] Geschrieben von Silke am 03. April 2000 10:36:52:
Als Antwort auf: Re: Belesener frühstückender Rosellasittich/PS: geschrieben von Meike am 31. März 2000 15:01:06:
Hallo Meike,
>zahlenmaessig jetzt auch. Und das Problem mit der Vertraeglichkeit ist ja auch so eine Sache. Da kenn ich mich wie gesagt nicht gut aus, ich wusste nur, dass Nymphen und Wellis zusammenpassen. Und Boukesittiche leider nicht zu Wellis.
Kann man so nicht sagen... Ist eigentlich eine Frage der Gestaltung der Voliere. Von der Freundlichkeit her vertragen sie sich gut, jedoch sind Wellis in der Dämmerung schläfrig, während Bourkes eben auch dämmerungsaktiv sind und damit u. U. sehr stören können, da Wellis im Dunkeln schnell zur Panik neigen. Es wäre also wichtig, eine kleine Lichtquelle zu installieren, die aber schwach genug ist, um die Vögel nicht beim Schlafen zu stören.
Und: wie immer, wenn man zwei Arten zusammenbringt, man benötigt mehr Platz als für die gleiche Anzahl von Tieren einer Art.
>Unter geraeumig stelle ich mir ein ganzes Zimmer vor oder eine Freivoliere. Dass meine den ganzen Tag Freiflug haben, wird da wohl nicht reichen.
Doch, das könnte es wohl. Natürlich müßten die Arten jeweils eigene Käfige haben und des müßte ein genügend großer Freiflugraum zur Verfügung stehen, den sie nahezu unbegrenzt nutzen können. Für die Brutzeit allerdings könnte es notwendig werden, die Arten oder gar die Paare zu trennen. Das muß man sich genau überlegen, wenn man sehr verschieden wehrhafte und zumeist auch verschieden aggressive Arten hält.
>Wellis und Nymphen sind beides auch Plattschweifsittiche oder?Nein, Wellensittiche sind Wellensittiche (es gibt nur diese einen Vertreter ihrer Art) und Nymphen sind die kleinsten Kakadus, sind aber mit ihren großen Verwandten in keinster Weise gleichzusetzen. Plattschweifsittiche sind z. B. Pennanten, Rosellas, Stanleys, Strohsittiche, Adelaidesittiche... Guck Dir mal die Tiere an und Du wirst die Ähnlichkeit in ihrem Äußeren sofort bemerken.
>Genau. Und die Umstaende sind sehr zeit- und v.a. platzaufwendig, wie ich finde. Und man muss sehr viel ueber diese Sittiche wissen, bevor man sie vergesellschaftet. Besonders was die Brutzeiten bzw. das Verhalten diesbezueglich angeht, das seh ich auch so. Ist ja eigentlich richtig abenteuerlich. ;-)
Spannend ist es immer. Das darf es auch sein. Aber wild herumzuexperimentieren kann ich nur abraten, sonst wird aus dem Abenteuer schnell ein Alptraum.
>Eigentlich ist es merkwuerdig, dass die Wellis den Nymphen fast (?) gefaehrlicher werden koennen als umgekehrt.
Nein, gefährlich werden sie ihnen keinesfalls. Die Nymphen KÖNNTEN den Wellis gefährlich werden, allerdings suchen die Nymphen aufgrund ihrer Friedfertigkeit wohl eher das Weite. Gefährlich wird es für Wellis dagegen, wenn die Nymphen aufgrund räumlicher Enge nicht flüchten können und beginnen, sich zu verteidigen. Wenn ein kräftiges Fauchen die Wellibande einschüchtern kann, ist es gut, wenn die Vögel aber zubeißen, kann ein Welli schnell das Nachsehen haben. Du weißt doch, wenn die Ratte in der Ecke sitzt, greift sie an. Genauso geht es all den Papageien, die aus Notwehr einen anderen Vogel verletzen.
Ich haette alleine vom Groessenunterschied her einen grossen Respekt, aber die Kleinen scheint das kein bisschen zu stoeren.
Das ist ja gerade das Problem: Ein vorwitziger Welli klaut sogar einer Amazone oder einem Graupapageien den Leckerbissen. Nicht selten kommt es daher zu den bösesten Unfällen, da werden Beine gekappt, Schädel skalpiert, Schnäbel abgebissen usw. Die Großen meinen es nicht bös, sondern reagieren genauso, wie sie einem Artgenossen gegenüber reagieren würden, nur die kleinen Wellis vertragen es nicht und sind völlig wehrlos.
>Woher weisst Du eigentlich so viel, wenn ich fragen darf? Da kommt man wirklich in Versuchung noch viel mehr zu fragen.
Wenn es Fragen gibt, nur zu. Ein bißchen Wissen sammelt man sich so aus Erfahrung und vielen Informationsquellen zusammen. Das kommt halt mit der Zeit.
>Tja, wenn das ueberhaupt gelingt. Ein Laie, der offenbar das Fehlverhalten durch falsche Haltung hervorgerufen hat, wird eher selten in der Lage sein, dies auch richtig zu beseitigen. Wahrscheinlich hast Du Recht, wenn Du meinst, dass die Voegel dann woanders landen.
Hab ich definitiv...:-) Manchmal landen sie auch bei mir...:-)
Und wenn nicht beim TA, haben sie ja glatt noch Glueck gehabt.
Ein Tierarzt, der einen solchen Vogel einschläfert, handelt verantwortungslos. Normalerweise würde er versuchen, den Leuten den Rat zu geben, sie anderweitig unterzubringen. Bei großen, teueren Papageien sind sie selbst daran interessiert, schließlich wollen sie ja dafür Geld sehen, der Vogel war doch mal so teuer...:-(
Wenn ein Tierarzt einen Autokannibalen einschläfert, kann es allerdings manchmal wirklich das Beste für das Tier sein. Obwohl, einen Versuch würde ich immer starten, wenn man es dem Tier gesundheitlich zumuten kann.
>>Und viele Vögel lassen das Rupfen ja auch nicht, selbst wenn alle Ursachen, die einst das Rupfen bewirkten, behoben sind. Da können sie längst verpaart sein und vielleicht
>>
>Das wusste ich z.B. auch nicht. Ich dachte das liegt an falscher Haltung (Langeweile, unzureichender Ernaehrung und was es sonst noch gibt) und waere daher ueber eine mehr oder weniger lange Zeit wieder abzugewoehnen. Wie kann das zu einer "Sucht" ausarten?Es ist ein Reflex... Du hast doch bestimmt schon mal eine Übersprungshandlung beobachtet. Also, z. B., daß ein Vogel aus dem Käfig sollte und die Tür offensteht und Du siehst auch, daß er eigentlich gierig hinausguckt, sich aber nicht traut, er zögert und trippelt vielleicht hin und her und plötzlich wendet er sich ab und läuft zum Freßnapf und beginnt zu fressen, obwohl er vor einer Minute daran noch gar nicht dachte. Er hat keinen Hunger, sondern ist verlegen. Eine Übersprungshandlung also. Das Fressen ist eine solche typische Handlung, ebenso das Putzen. Auch das tun viele Vögel, wenn sie eigentlich etwas anderes wollen, aber es nicht getrauen. Und eben das Rupfen. Es wird genausos zu einer Übersprungshandlung.
Und dann kennst Du vielleicht auch die Angewohnheit: Wenn man Zahnschmerz hat, beißt man immer wieder auf die schmerzende Stelle, als täte es gut oder als müsse man testen, ob der Schmerz noch da sei. Eigentlich sollte man es vermeiden, weil es ja schon weh tut, aber in dem Moment empfindet man das irgendwie als angenehm, so idiotisch es auch klingt.
Als der Vogel allein war, hat er sich damit beschäftigt, sich selbst Schmerzen zuzufügen. Schmerz kann manchmal wohltuend sein, genauso wie Trauer gut tun kann. Obwohl es nicht schön ist zu weinen, erleichtert es ungemein und in manchen Situationen ist es schwerer, nicht weinen zu können. Der Vogel hat in seiner Einsamkeit das Rupfen und diesen Schmerz als etwas Angenehmes, Intensives kennengelernt. Daraus könnte man erklären, warum manche Vögel später ganz besonders heftig dann rupfen, wenn sie eigentlich glücklich sind.
Es ist nicht von ungefähr, daß die stärksten Rupfer die sensibelsten Tiere sind oder ausgesprochen feinfühligen Papageienarten angehören. Sie haben eine sehr empfindliche Psyche und empfinden sehr stark alle möglichen Gefühlsregungen, die auch Menschen kennen. Nicht umsonst benehmen sie sich oft auch wie kleine Kinder. Und sie sind eben genauso verletzbar und genauso schnell zu verziehen.
Natürlich muß man auch ganz klar sagen, daß nicht jeder Rupfer automatisch ein Opfer falscher Haltung ist. Es gibt auch einige Erkrankungen, die einen Juckreiz auslösen, der das Tier zum Rupfen anhält. Diese Rupfer sind natürlich, wenn die kranke Ursache des Rupfens behoben ist, von heute auf morgen geheilt. Da gibt es auch Hilfmittel, den Juckreiz etc. zu lindern.
Man muß also genau prüfen, worum es sich dabei handelt, der Vogel selbst kann es nicht sagen.
Wenn aber ein Vogel aus Haltungsgründen zu rupfen beginnt, ist es selten eine einfache Sache, es ihm gründlich auszutreiben. Je länger er rupfte, desto schwieriger wird es dann auch.
Gruß, Silke.