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Re: Schwanzbeißer...


[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ]


Geschrieben von Silke am 30. Dezember 1999 11:31:16:

Als Antwort auf: Schwanzbeißer... geschrieben von Steffen am 29. Dezember 1999 15:48:50:

Also, daß ist ein ganz schön komplexer Beitrag, ich versuche ihn mal aufzutrudeln...


>Also, mein Grauer (unsere vier Welles werden nach Farben gerufen, Sie haben zwar alle richtige Namen, aber es macht die Unterscheidung doch einfacher,

Interessant für die Rekonstruktion des Sozialgefüges wäre es zu wissen, wieviele Hennen und wieviel Hähne Du hast und wie viele davon fest verpaart sind...


Grauer heißt eigentlich Koko) ist als Jungvogel mal gegen den Schrank geflogen und das so blöde, das er sich das Schultergelenk geprellt hat. Der Tierartz meinte daraufhin, das der vogel zwar wieder vollkommen gesund würde, weil nachweislich nichts gebrochen oder ausgerenkt war, aber eine solche Prellung würde oft bei Vögeln dazu führen, daß der vogel nicht mehr richtig fliegen kann. Es wurde von einem befreundeten Falkener im Frankfurter Zoo bestätigt.

So ist es aber nicht zwangsläufig. Auch Prellungen können sich vollständig wieder regnerieren, vorausgesetzt, daß der Vogel ein entsprechendes Training hat und daß Muskulatur und Bänder weiterhin normal beansprucht werden. Bei Brüchen bleiben meist Probleme, erstens wegen der Knochenstellung selbst, es gibt oft Verwachsungen und zweitens wegen der relativ langen, absoluten Ruhigstellung. Der Vogel "lernt", daß er den Flügel nicht benutzen kann und schont ihn deshalb auch nach dem Verheilen lange Zeit weiter.

Umgedreht, wenn der Vogel nicht gänzlich flugunfähig wird und auch von seiner (mangelhaften) Flugfähigkeit Gebrauch macht, sehe ich darin gar kein Problem, er führt trotzdem ein recht gutes Leben. Und schließlich, es wird sich nicht verhindern lassen, daß der Vogel den Flügel nach einer entsprechenden Prellung schont, schließlich kann sie recht schmerzhaft sein. Es ist ohnehin ein bißchen Glücksache, so oder so. Jedenfalls sollte man m. E. einen geprellten Flügel nicht bandagieren und den Vogel nicht - wegen seines verringerten Flugvermögens - in einen Käfig sperren sollte. Natürlich muß man erst einmal zugucken, ob er sich schnell an sein Handicap gewöhnt, aber dann klappt es meist ganz gut.

Die Sache mit den Schwanzfedern macht mich allerdings stutzig. Hast Du mal überprüft, ob die Schwungfedern vollständig sind? Auch wenn er dort Lücken hat, würde es die fehlende Flugfähigkeit erklären... Bei dem Aufprall könnten auch Schwungfedern abgebrochen sein.

So kam es dann auch. Koko ist zwar fähig, so etwa 50 cm hoch zu 'flattern', aber er kann, z.B. seinen Fall aus 2 Meter Hähe nicht mehr richtig abfangen oder geradeaus fliegen.

Wie gesagt, die Schwungfedern müßte man angucken und den Flügel durchstrecken, wo das Problem eigentlich liegt.

Er ist weder zu schwer noch zu schwach, denn bei Flugübungen im Käfig ist er recht ausdauernd und zerrt ganz schon an der Stange...

Also trainiert er und das ist gut. Auch wenn sie die frühere Beweglichkeit nicht einstellt, die Brustmuskulatur muß weiterhin beansprucht werden.


Wir haben uns damit abgefunden, daß Koko eben nicht fliegen kann... doch jetzt scheint er etwas aggressiv zu werden: Er beißt regelmäßt Gelben (Bienchen), Grünen (Tapsi) und Blauen (Hummelchen) in den Schwanz. Koko hat selbst keine langen Schwanzfedern mehr (wir wissen nicht warum!).

Könnten abgebrochen sein. Wenn noch Kielreste in der Pulpa stecken, können keine neuen Federn nachwachsen. Ein Vogelarzt müßte das prüfen und ggf. die Kiele (unter Gasnarkose) ziehen.


Er hegt diese Stimmung nur wenn Ihm ein Vogel so nahe kommt, das es zum beißen reicht und dann vor allem abends. Tagsüber ist er recht friedlich. Er spielt, balzt mit Tapsi, füttert Bienchen und randaliert am Glöckchen, oft bis zur Erschöpfung. Im Glöckchen spiegelt er sich übrigens nicht, weil es ein mattes Messingglöckchen ist, er versucht aber immer den kleinen Klöppel abzubeißen und wird nicht müde daran zu zerren, oder die gesamte Glocke zu versuchen abzumontieren. Abends schiebt er dann die Glocke in seine Schlafecke und setzt sich daneben. Am Morgen wird zu allererst die Glocke wieder in die Mitte gerückt, und dann gefressen und gebadet...

Nach dieser Beschreibung kann ich nur feststellen, daß der Hahn unverpaart ist und seine Glocke den Partnerersatz darstellt. Warum das so ist, ob er keine charakterlich passende Gefährtin gefunden hat oder ob es andere Gründe hat, warum er sich dem Glöckchen zugewandt hat, kann man so nicht sagen, dazu müßte man mehr wissen, zuallererst die Geschlechterverteilung und die Verpaarung der anderen.

Die Aggression ließe sich daraus erklären (als EINE mögliche Ursache), daß auch das Glöckchen seinen Partertrieb nicht ganz befriedigen kann. Daß er es so traktiert, könnte darauf beruhen, daß es sein Werben nicht beachtet und seine Balzbemühungen ignoriert. Auch mit Artgenossen balzende Hähne schaukeln sich in eine gewisse Erregung und können z. T. recht aggressiv wirken. Kommt es aber zur Kopulation, sind sie danach wieder ausgeglichen. Bei festen Paaren läuft das alles viel ruhiger und zärtlicher ab. Die Henne läßt sich leichter einstimmen und der Hahn kommt schneller zum Zuge. Recht erfolglose Junggesellen entwickeln aber schnell eine gewisse Hektik und fordernde Aggressivität. Ihr Balzklopfen ist meist energischer und fordernder.

Der unbefriedigte Paarungstrieb kann einen Hahn schon sehr unverträglich machen. Er versucht irgendwann, die Hennen regelrecht zur Paarung zu drängen, dann kommt freilich eine Unstimmung auf.

Was kann man konkret tun?

Zunächst, die Glocke ist für den Hahn bereits eine "Bezugsperson" geworden. Er wird sie nicht aufgeben, weil er von ihr niemals abgewiesen wurde (zwar auch nicht erhört, aber eben auch nicht abgewiesen). Wenn der Hahn also verpaart werden soll (und da wird man nicht umhin kommen), muß sie entfernt werden.

Es ist sehr schwierig, für einen derart aufgedrehten Hahn eine passende Henne zu finden, die sich nicht gleich unterdrücken läßt. Umgedreht darf sie selbst nicht ähnlich aggressiv sein, so etwas kenne ich auch von Hennen. Ich meine, nicht daß sie Hähne zur Paarung drängen, aber daß sie partout keinen Hahn in ihre Nähe lassen wollen, egal wie (optisch) brutlustig sie sind. Sie besetzen Nistkästen etc., aber mögen sich nicht paaren. Nun, auf jeden Topf paßt ein Deckel, aber manchmal kann es sich eben schwierig gestalten.

Insofern kann es auch hilfreich sein, den Hahn mit seiner neuen Henne ganz separat zu halten, bis eine akzeptable Bindung entstanden ist. Wenn man die Möglichkeit hat, den Hahn in eine Jungvogelvoliere zu geben, wo man ihm und auch seiner künftigen Partnerin die Chance läßt, Sympathien selbst zu erkunden, wäre es noch besser. So lassen sich absolute Fehlgriffe gleich vermeiden.

Wie gesagt, das ist eine ziehmlich langwierige Sache. Bei meiner (charakterlich vergleichbaren) Henne hat es etwa 2 Jahre gedauert, bis sie zaghafte Balzversuche gezeigt hat, noch einmal 1/2 Jahr, bis sie sich füttern ließ. Ein festes Paar ist noch nicht daraus geworden, aber sie hat sich in den Schwarm eingefügt, ist viel friedlicher und zugänglicher. Sie wird auch besser von den anderen akzeptiert.

Zu Beginn gab es heftige Rivalitäten mit meiner ältesten Henne, die allerdings damit endeten, daß jene ihr irgendwann den kompletten Schwanz herausriß. Irgendwann muß auch dieser friedlichen alten Lady mal der Geduldsfaden gerissen sein. Ich hab's nicht beobachtet, wie es abgelaufen ist, es kann sich aber nur so zugetragen haben. Ich hatte erst nur den fehlenden Schwanz, dann den großen Blutfleck auf dem Teppich und die fliegenden Schwanzfedern bemerkt. Ein Männchen konnte es nicht gewesen sein und als streitende Parteien kamen nur die beiden in Betracht.

Man muß dazu sagen, daß Hennen schon eher ernsthaft streiten, bei Hähnen sich echte körperliche Angriffe höchst selten.

Da sich bereits die Aggressivität aufgebaut hat, wird es sicherlich unter den gegebenen Umständen (wie ich sie mir im Moment zusammenreime, Details kannst Du ja noch einmal nachliefern, so daß man noch einmal darüber nachsinnen kann)nicht besser werden. Sicher ist, daß er das Glöckchen als Bezugspunkt gewählt hat. Es wird sicherlich nicht auch ohne Geschrei abgehen, wenn man es ihm wegnimmt, aber das muß sein, damit er sich neu orientieren kann (wenn die Partnerin da ist). Seine charakterlichen Veranlagungen machen ihn nun einmal nicht zum melancholischen Trauerkloß, er versucht, seine Interessen mit körperlichem Einsatz durchzusetzen. Wenn er erst einmal verpaart ist, was sicherlich nicht ganz leicht wird, wird sich die Situation aber wieder normalisieren. Aggressivität ist kein Zustand, der sich dauerhaft "einbrennt", es ist allerdings eine Frage der Zeit und der sonstigen Charakterzüge, wie lange er braucht, um sich wieder normal friedlich zu geben.

Fakt ist, daß auch hochaggressive Vögel sich wieder normalisieren, wenn die äußeren Umstände, die diese Reaktion ausgelöst haben, sich bessern. Diese Erfahrungen habe ich selbst gemacht (dabei meine ich jetzt nicht die erwähnte Henne, denn die ist immer noch etwas übermäßig abweisend, wenn ich mal die Tiere vergleiche). Wellensittiche an sich sind sehr friedliche Wesen, eine derartige Aggressivität wird zwar von charakterlichen Grundzügen unterstützt, aber sie ist nicht normal für diese Vögel. Es sind immer äußere Einflüsse, die solches Verhalten prägen.

Gruß, Silke.




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