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Re: Sehbehinderter Wellensittich/Spiegel?


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Geschrieben von Gitta am 23. November 1999 20:48:14:

Als Antwort auf: Re: Sehbehinderter Wellensittich/Spiegel? geschrieben von Silke am 23. November 1999 08:38:43:

>Ungeachtet der Tatsache, daß ich erst einmal erforschen würde, wie ich bereits schrieb, ob tatsächlich eine eingeschränkte Sehfähigkeit vorliegt, muß ich dringend davor warnen, Spiegel aufzustellen.
>Liebe Gitta, wenn Du ohnehin schon die Ursache im psychischen Bereich suchst, solltest Du Dir bewußt sein, daß gerade Spiegel und spiegelnde Oberflächen Verhaltensstörungen und daraus resultierende organische Beeinträchtigungen provozieren (z. B. Kropfentzündungen bei Männchen). Nicht umsonst gelten Spiegel als vogelwidriges Zubehör und stehen auf der entsprechenden Liste - weil besonders beliebt - ganz oben.
>Wellensittiche mögen keine räumliche Veränderung. Langeweile entsteht nicht deswegen, weil die Umgebung täglich dieselbe ist, sondern wenn der echte Partner fehlt, wenn der Vogel einen zu phlegmatischen Partner hat - eigentlich sind Wellensittiche ausgesprochene Schwarmvögel und benötigen vielfältigen sozialen Kontakt - oder wenn die Räumlichkeiten tatsächlich so begrenzt und langweilig sind, daß sich selbst 4 oder 6 Wellensittiche zusammen langweilen, weil sie sich nicht entsprechend bewegen können. Bei besonderer Enge wird sich allerdings ein anderer Trend abzeichnen, die Vögel werden aggressiv.
>Am wenigsten treten psychische Probleme auf, wenn die Vögel gut verpaart sind (einfach Hahn und Henne = klasse Pärchen, wäre hier die falsche Formel), ihren natürlichen Instinkten nachgehen können (Futtersuche, Balz, Nestbau, Jungenaufzucht). Bei diesen Vögeln ist Langeweile und alle damit im Zusammenhang stehenden gesundheitlichen Probleme (Überfressen, körperlicher Leistungsabfall durch mangelnde Bewegung und Aufbau von Fettpolstern und daraus resultierend verschiedendste organische Erkrankungen) so gut wie ausgeschlossen. Langweilt sich ein Vogel tatsächlich, können weder Spiegel noch lustige Zimmerdekorationen tatsächlich Abhilfe schaffen. Erstens ist die Stimulation nicht so bedeutend, denn Animationsfaktor Nummer 1 ist bei diesen Schwarmvögeln (ich kann es nicht oft genug betonen) immer der Partner, sind aber auch die Schwarmmitglieder. Da unsere räumlichen Möglichkeiten im Normalfall doch begrenzt sind und auch die Jungenaufzucht normalerweise zumindest reguliert werden muß, hilft Spielzeug, die Vögel zu beschäftigen. Unspektakuläre Gegenstände, die aber die Instinkte der Vögel ansprechen, eigenen sich da besser als das bunteste Papageienspielzeug (wobei es auch dort sinnvolle Artikel gibt, aber da muß man kräftig auslesen). So kann ein einfacher geflochtener Bastzopf, der von der Volierendecke hängt, eine angeklammerte Papierröhre, eine Kokosnußschale oder ein großer Zweig mit Blättern den Vögeln viel mehr Spielmöglichkeiten bieten, als so manches Klingelding. Nicht, daß der Vogel das weniger nutzen würde, aber der Hintergrund, weshalb er sich damit beschäftigt und vor allem der psychische Hintergrund sind doch andere. Die meisten Spielzeuge sprechen nur den Paarungs- und Fortpflanzungstrieb des Vogels an und wecken damit Instinkte, die doch so mancher Vogelhalter so mühsam zu unterdrücken sucht. Eine seelische Folter für den kleinen gefiederten Zwerg.
>Wie einseitig das Interesse an diesem Spielzeug ist, zeigt, daß nur ganz wenige Schwarmwellensittiche tatsächlich diese berühmten Spiegel mit Glocke beachten und wenn überhaupt, werden sie nur einmal ganz sporadisch angebalzt, also ebenso wie jedes andere Schwarmmitglied oder auch irgendein Sitzzweig auch. Anders ist es freilich, wenn ein Einzelvogel in einen Schwarm gerät und sein Lieblingsglöckchen mitbringt, da kann es schon passieren, daß er in gewissen Situationen des öfteren Trost bei seinem Klingelpartner sucht.
>Das nur mal am Rande zum Thema Abwechslung.
>Gruß, Silke.

Hallo, Silke!
Das war jetzt schon das zweite Mal. Ich vermute, dies ist deine Seite, und deshalb verabschiede ich mich freundlichst. In jedem Käfig gibt's immer mal wieder Statussittiche. Ein vernünftiger Sittich zieht den Freiflug vor, um dem aus dem Weg zu gehen.
Und tschüss
Gitta
P.S. Tip Kamille und Tip Spiegel kamen von meinem Großvater, und der ist Tierarzt mit Spezialisierung auf Kleintierhaltung. Kamille, um Schorf vorsichtig abzuwaschen und dann mit Wundpuder nachzubehandeln. Spiegel, um Reflexe zu prüfen und Aufmerksamkeit zu erregen - Kurzzeittherapie versteht sich.




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Eva Marbach      mogel.com


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