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Re: Männchen oder Weibchen-Welli?


[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ]


Geschrieben von Martina am 03. November 1999 15:24:53:

Als Antwort auf: Re: Männchen oder Weibchen-Welli? geschrieben von Silke am 03. November 1999 10:31:02:

Liebe Silke,
vielen Dank mal wieder, das was Du schreibst ist sehr hilfreich.
Du hast Recht, "aggressiv" ist nicht das richtige Wort, ich meinte eher "draufgängerisch" - so sind nämlich die Brüder meines Wellensittichs, vor allem im Gegensatz zu meinem. Und lebhafter natürlich auch. Aber warum - wenn es nun doch ein Weibchen ist - könnte die Nasenhaut leicht bläulich sein? Hast Du da eine Idee?
Deine Antwort über die Ernährung ist sehr interessant und einleuchtend, und ich werde mal weiter unten auf die Suche gehen nach weiteren Deiner Ausführungen in diesem Zusammenhang.
Gruss Martina


>(Neben den Vögeln ist Schreiben wohl Dein zweitgrösstes Hobby???)
>Zunächst: Danke für den Artikel...:-)
>Schreiben ist zwar nicht mein Hobby, aber da ich vor vielen Jahren Maschinenschreiben gelernt habe, fällt es mir sicherlich recht leicht und geht schnell von der Hand...
>>Nun bin ich mir zwar immer noch nicht sicher, ob Männchen oder Weibchen, aber ich tendiere nach wie vor zu Weibchen. Mein Vogel hat nämlich zwei Brüder, die ich persönlich kenne und die sich im Vergleich viel "männlicher" verhalten (sie sind auch anhand der Nasenhaut offensichtlich männlich). Das heisst für mich, sie sind aggressiver
>Du meinst sicherlich: lebhafter. Denn aggressiv sind Männchen wirklich nicht.
>, lauter (quasseln den ganzen Tag), agiler und balzen auch viel mehr mit ihren Haltern. Das tut meine(r) nicht, er ist sehr ruhig, lieb und beschäftigt sich auch ganz gern selbst mit Sachen anknabbern und die Gegend erkunden. Nur zickig wird "sie" manchmal, was ich auch als typisch weiblich sehe!!!!!!
>Hört sich sehr weiblich an... Nagen, herumlungern, zickig sein - das sind höchst weibliche Attribute...
>>Schlechte Ernährung kann eigentlich auch nicht sein, da der Vogel in unserem Hause geboren ist und von den Eltern und auch uns sehr gut (bilde mir ein, nach Fachlektüre und persönlicher Erfahrung nichts versäumt zu haben) versorgt wurde. Alle Jungvögel waren gross, dick und gut entwickelt.
>Nicht falsche, aber vielleicht zu großzügige Ernährung... Man darf nicht außer Acht lassen, daß Wellensittiche Steppenvögel sind, deren gesamter Lebenszyklus, einschließlich Fortpflanzung prinzipiell vom Nahrungsangebot abhängt. Sie haben keine festen Brutzeiten, nur der Regen, der in einem Jahr fällt, in nächsten nicht, bestimmt, ob es Nachwuchs geben wird. Dauert die Vegetationsperiode an, gibt es zwei oder gar drei Bruten, fällt der Regen lange Zeit aus, ziehen die Vögel hunderte von Kilometern weiter, auf der Suche nach den letzten trockenenen Grassaaten.
>Damit kommen wir zu eigentlichen, natürlichen Ernährung. Diese Vögel leben eigentlich hauptsächlich von spelzenreichen Gräsersamen. In den handelsüblichen Mischungen sind hauptsächlich Hirsesorten enthalten, die viel nahrhafter sind als die wilden Sämereien. Außerdem sind sie in natura nie so massig vorhandenen.
>Deshalb sind die Weibchen durch ihre innere Uhr darauf ausgerichtet, wie kleine Freßmaschinen Fett anzufressen. Sie verschlingen, was auch nur in den kleinen Kropf hineinpaßt, um schnell fett zu werden, um die nötigen Reserven für Brut und Aufzucht der Jungen zu haben. Ihre übrigen Bewegungen sind ohnehin auf Energiesparmodus eingestellt. Je älter die Weibchen werden, desto ausgeprägter ist das auch.
>In der Natur ist niemals so viel Futter vorhanden wie bei uns zu Hause, wo solch fettgefressenen Wellis schon nach einigen Jahren schwere gesundheitliche Probleme bekommen. Sie sind dann z. T. flugunfähig, haben Lipome, Herz-Kreislauf-Probleme und im Alter nicht selten Nierenprobleme oder gar Gicht. Männchen dagegen sind nur bedingt anfällig für Überfettung. Sie fressen höchsten aus Langeweile zuviel, nicht weil sie durch Instinkte getrieben werden.
>Es reicht also nicht aus, die Fütterung abwechslungsreich zu gestalten, man muß das Futter auch reduzieren. Ich habe hier vor kurzem erst dazu etwas geschrieben, vielleicht kann ich das hier deswegen auch ein bißchen abkürzen.
>>Eigentlich wollte ich nun KEIN echtes Pärchen haben, da wir keinen weiteren Nachwuchs wollen. Daher würde ich lieber ein gleichgeschlechtliches Tier haben... ist das schlecht?
>Ein gleichgeschlechtiger Partner ist immer besser als keiner oder kein artgenössischer. Sicherlich können die Tiere damit nicht alle angeborenen Instinkte ausleben, aber viele leben auch so auf Dauer zufrieden - meist Männchen, die sich ohnehin viel besser beschäftigen können, da sie sehr lebhaft sind.
>Ob zwei Weibchen sich auf Dauer ebenso wohl fühlen, kann man nicht vorhersagen, das hängt in hohem Maße von den Charaktereigenschaften der beiden ab. Es ist die Frage, ob sie in Rivalität treten oder sich wirklich anfreunden. Weibchen hegen ohnehin sehr diffuse Verbindungen zu ihresgleichen, die meisten tolerieren sich, viele ignorieren sich - das aber meist in der Voliere. Allein kann es natürlich ganz anders aussehen. Prinzipiell sind sie aber eigensinniger und weniger toleranter als die Hähne.
>Umgedreht: ein Pärchen zu haben, bedeutet nicht automatisch, Nachwuchs zu haben. Sicherlich ist das mit einigen Anstrengungen verbunden, um die erfolgreiche Brut zu verhindern, aber umgedreht gibt es einiges, was man dagegen unternehmen kann. Zuallerst natürlich, für brutungünstige Bedingungen zu sorgen und damit sind wir schon wieder bei der nicht nur ausgewogenen, sondern vor allem energiereduzierten Ernährung...
>Leider ist dies ein Gebiet, welches ich noch nie in einem der zahlreichen, aber meist inhaltlich ähnlichen Tierratgeber gefunden habe, sondern was man sich höchstens aus "echter" Fachliteratur, nämlich, wenn man sich mit dem Leben in der Wildnis beschäftigt, aneignen kann. Und dann sollte man nicht zögern, es auch einmal anzuwenden - eigene Erfahrungen sind durch keine Literatur zu ersetzen.
>Gruß, Silke.





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