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Re: Aufgeregter Welli


[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ]


Geschrieben von Silke am 20. Oktober 1999 um 12:54:11:

Als Antwort auf: Re: Aufgeregter Welli geschrieben von Elke am 20. Oktober 1999 um 11:54:50:

Hallo Elke,

>Wir haben den neuen als männchen gekauft, weil wir keinen Nachwuchs wollten. Die Hornhaut war beim Kauf leicht blau, wurde aber immer mehr bräunlicher. Jetzt ist sie zart "blaubraun".

Wie alt soll der Vogel jetzt sein? Ist um seine Pupille ein feiner weißer oder grauer Ring (Iris) zu sehen? Sind seine Schwanzfedern deutlich kürzer als die des älteren, obwohl seine Körpergröße (und Fußgröße!) dieselbe ist? Besitzt er eine rosa Hautfarbe oder eher eine graublasse (Füße!)?

Meine Vermutung ist folgende... Der Vogel besitzt eine graubläuliche Hautfarbe und eine blaßgräuliche Nasenhaut, auf der sich jetzt dunkelbeige bis bräunliche Flecken oder schorfige Hautstellen gebildet haben. Dann ist er eindeutig ein Weibchen. Dem beschriebenen Verhalten nach würde ich ohnehin auf ein Weibchen tippen.

Als Männchen mit abgeschlossener Jugendmauser (Länge der Schwanzfedern) müßte er eine tiefblaue Nasenhaut ohne jede Braunstelle haben. Junge Männchen haben meist noch eine fleckig-blau-rosa Nasenhaut. Wie kräftig aber überhaupt eine Färbung ausgeprägt ist, hängt in hohem Maße von der Hautfarbe selbst, die wiederum abhängig ist vom Farbschlag und vom Farbschlag (zumindest bei Inos, rezessiven Schecken etc.) ab.

Um bei einem nestjungen Vogel das Geschlecht feststellen zu können, bedarf es also einer gewissen Routine, denn man kann sich leicht irren. Meistens ist das Verhalten des Vogels im Schwarm ein größeres Indiz als alle äußeren Zeichen.

Ein ausgewachsener Wellihahn hingegen (sofern kein Ino, kein rezess. Schecke) besitzt die typische, tiefblaue Nasenfärbung. Ein Verblassen oder Verfärben dieser Nasenhaut würde sogar u. U. auf eine Erkrankung hinweisen.

Dagegen färbt sich die Nasenhaut der Weibchen (rosa Nasenhaut wird blutrot bis rotbraun/blassgraue Nasenhaut wird dunkelbeige bis dunkelbraun) regelmäßig dunkel, wenn sie nämlich in Brutstimmung kommt. Die Hormonausschüttung bewirkt diese Verdunkelung.

Ich tippe also felsenfest darauf, daß Du und auch der (zugegeben recht unbedarfte) Verkäufer die blassgraue Nasenhaut des jungen Weibchens für ein zartes Blau gehalten habt (kann sogar leicht lichtblau gewesen sein, aber ein gesundes Männchen hat in jedem Fall ein dunkleres Blau). Jetzt aber, mit einsetzender Reife und Brutstimmung färbt sich die Nasenhaut deutlich dunkel.

Was soll ich tun wenn das ein Weibchen ist. Soll ich Tarzan, den ersten dann Steralisieren lassen, oder brühten sie nicht, wenn sie keine Möglichkeit haben?

Zunächst: Das Weibchen ist eigentlich ohnehin noch zu jung, um bedenkenlos zu brüten und Junge aufzuziehen. Man sollte die Zucht also ohnehin derzeit verhindern. Nicht zuletzt natürlich deshalb, weil Du ganz sicher keine Zuchterlaubnis hast und auch gar keine Jungvögel möchtest.

Dazu muß man einiges über den Brutrhythmus der Wellis wissen: Sie haben keine Brutzeit wie einheimische Vögel, sondern sind von den äußeren Bedingungen gesteuert. Laß, mich mal raten: Das Weibchen hat bestimmt schon einen kleinen Bauch bei Dir bekommen...:-)

Welliweibchen sind kleine Brutmaschinen, die den Nahrungsüberfluß in Gefangenschaft dazu benutzen, sich ein unheimliches Fettpolster anzufressen und dann zur Brut zu schreiten. Das ist vom Instinkt gesteuert und zu guter Letzt nicht mal für die Vögel gut.

Maßnahme Nr. 1: Vögel auf Diät setzen. Das bedeutet: pro Tag keinesfalls mehr als 1 EL Körnermischung für beide Vögel, dazu Grünzeug, keine Extra-Kolbenhirse und auf gar keinen Fall Knabberstangen oder solches Zeug. Dazu aber reichlich Grünzeug (Vogelmiere, Petersilie aus dem Garten oder unbehandelt, ganz wenig junger Mais ab und zu, Apfel, Birne Möhre...).

Kolbenhirse gibts nur mal zum besonderen Anlaß oder wenn sie die Brutlust wieder gebremst hat und beide nicht fett sind. Bei der Beurteilung muß man schon recht kritisch sein, am sichersten wäre es, die Brustmuskulatur auf schwabbelige Fettablagerungen abzutasten und dabei zu fühlen, ob das Brustbein gut tastbar ist. Regelmäßiger Flug ist sehr wichtig (Fliegen, nicht draußen sitzen).

Das Fressen verkommt bei unseren Heimwellis immer mehr zur Tagesbeschäftigung gegen Langeweile. Während sie in der Heimat stundenlang die Steppe nach Grassamen durchsstreifen, haben sie hier nur den Kopf im gefüllten Freßnapf zu stecken. Kein Wunder, daß sie meist mehr fressen, als sie wirklich zum Leben brauchen.

Ich habe in meiner Voliere den Boden mit Buchenholzgranulat ausgestreut. In diesem Belag aus kleinen Holzstückchen kramen die Vögel nach heruntergefallenen (und absichtlich ausgestreuten) Körnchen, wenn sie noch hungrig sind. Nebenbei ist das eine sinnvolle Beschäftigung für die Tiere. Ähnliches erreicht, wer - wegen eines kleinen Käfigs - sein Futter in einem großen sauberen Blumenuntersetzer mit Sand oder Buchenholzgranulat anbietet. Die Vögel müssen ganz schön wühlen, um alle Körnchen zu finden und hören also von allein auf, wenn sie satt sind.

Andere Beschäftigung bieten geflochtene Bastzöpfe, junge Weidenzweige mit Laub oder ohne, Kräuterbüschel, halbierte Kokosnüsse (ohne Fleisch) und vieles mehr. Abwechslung ist gefragt - auch eine leere Klopapierrolle kann zu lustigen Spielen anregen.


(Nistkasten oder so).

Nistkästen sind natürlich tabu, wenn sie nicht brüten sollen. Allerdings ist erst einmal jeder dunkle Winkel, jede Lücke, Nische, jedes Stofftuch, jedes Sofakissen und jede offene Schublade dazu geeignet, den Brutinstinkt eines WEibchens anzuregen, ja, sie zwängen sich sogar in Vasen, weil dunkle Löcher nun einmal für ein Welliweibchen eine magische Anziehungskraft besitzen. Deshalb muß der Brutinstinkt über den fehlenden Futterüberfluß reguliert werden.

Bei noch einem Mann ist doch die Rivalität noch grösser?????

Nein. Bei den Wellis herrscht - siehe auch meine Mail an Thorsten - nur unter den Weibchen echte Rivalität. Sie sind die Dominanten, sie bestimmen, wer was oder wen bekommt, welches Männchen erhört wird, wer den besten Nistplatz bekommt, wer das beste Futter. Am Futternapf dulden sie maximal ihr eigenes Männchen unbehelligt neben sich und dieses wird auch immer so untertänig sein, nicht nach demselben Bissen schnappen zu wollen und sich sein Krümchen am Rande des hoheitlichen Futterberges zu suchen.

Es ist also nichts zu befürchten, wenn zwei Hähne und ein Weibchen zusammen leben, wobei ich - sollte es sich hierbei wie ich vermute, um ein echtes Pärchen handeln - die Sache erst einmal abwarten würde. Solche Rangeleien am Futternapf sind durchaus weiblich und normal. Das müßte sich - je fester die beiden verbandelt sind - allmählich etwas geben. Erst wenn beide ausgiebig kraulen und gemeinsam auf einem Ast oder dicht zusammen schlafen usw., ist die Verpaarung eigentlich vollzogen. Das Balzfüttern, welches Du beobachtet hast, war sicherlich eine Annäherung des Männchens, welche sie nicht gleich abgewiesen hat. Und Liebe auf den ersten Blick kommt auch bei Wellis nicht sooo häufig vor.

Also kurzum: Futter umstellen/reduzieren, ausreichend Spielmöglichkeiten und Freiflug schaffen, Nistgelegenheiten wegräumen, abwarten - so lautet meine Empfehlung für's erste.

Gruß, Silke.

PS: Zur Sterilisation: Dies ist bei Weibchen möglich, bedeutet aber einen gefährlichen operativen Eingriff, der außerdem das gesamte Verhaltensmuster des Tieres verändert. So kann Dein bißchen zickiges Weibchen zu guter Letzt zum unbehergbaren Tyrannen werden. Außerdem sehe ich den Sinn nicht darin, das Leben des Tieres in einer teuren Operation zu gefährden, wenn es andere "Verhütungsmaßnahmen" gibt.

Hormonspritzen wirken nur begrenzte Zeit und wirken ebenfalls unnötig belastend auf den Organismus des Vogels und verändern u. U. auch das Verhalten. Außerdem wäre es ein unverantwortlicher Streß für das Weibchen, regelmäßig gefangen und gespritzt zu werden. Von den Kosten mal ganz abgesehen - und krank ist der Vogel nicht. Die Kosten sollte man lieber in eine sinnvolle Behandlung investieren. Zumal ich immer noch an das Gute im Menschen glaube und nicht hoffen möchte, daß Tierärzte diese Hormonspritzen aus Verhütungsgründen geben, sondern maximal zur vorübergehenden Behandlung akuter Dauerlegerei bis andere Maßnahmen greifen.

PS 2: Es kann - wenn das Weibchen fieberhaft nach Nistmöglichkeiten sucht oder gar ständig Eier in den Sand legt oder zu Boden fallen läßt - u. U. auch nötig sein, einen Nistkasten anzubieten und sie legen und brüten zu lassen, damit sie zur Ruhe kommt. Dann solltest Du die gelegten Eier mit einer Nadel vorsichtig anstechen. So trocknen sie aus, bevor sich ein Küken darin entwickelt.

Der Kasten mit den leeren Eiern muß dann weggenommen werden, sobald das Weibchen das Gelege aufgibt und den Kasten nachts zum Schlafen verläßt. Bis dahin kann es sein, daß sie innig mehrere Wochen auf den Eiern brütet.




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Eva Marbach      Digicams


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