Re: Sorry,
[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ] Geschrieben von Silke am 19. Oktober 2000 09:14:55:
Als Antwort auf: Re: Sorry, geschrieben von christoph am 18. Oktober 2000 20:29:19:
Lieber Christoph,
Going-light heißt doch nichts anderes als "Abnehmen", "leichter werden". Die Krankheit heißt so, weil fast bis zum heutigen Tage kaum eindeutig zu identifizierbare Ursachen dieser Magenentzündung und damit verbundenen schnellen Gewichtsreduktion auszumachen waren.
Es gibt aber schon ein Symptom, was eindeutig auf GLS hinweisen könnte, ohne den Vogel aufzuschneiden: häufig zu findende unverdaute Körner im Kot. Das ist sehr auffällig und im Endstadium der Krankheit eigentlich immer vorhanden und ich glaube fast nicht, daß Du und der Arzt es einfach so übersehen haben sollten.
Das Würgen und damit verbundene Abnehmen kommen bei fast allen Erkrankungen des Verdauungstraktes vor, bei GLS ist es gar nicht mal typisch. Als erstes wäre da die Kropfentzündung, bei der der Vogel massiv würgt und aufgrund der schmerzhaften Schleimhautentzündung auch kaum frißt bzw. das Gefressene sofort auswürgt. Dagegen nimmt der GLS-Patient sehr viel Nahrung auf, würgt aber nicht immer so massiv, zu Beginn eigentlich gar nicht, nimmt aber ab, weil der Organismus die Körner nicht oder nur unzureichend verdaut. Er scheidet sie also ungenutzt aus und verhungert deshalb im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist also wichtig, den Kot zu beobachten. Das Typische an GLS ist wie gesagt, der Vogel frißt, verwertet das Futter aber nicht. Ein Vogel mit Infektion frißt erst gar nicht genügend, auch wenn er vielleicht stundenlang im Freßnapf herumwühlt, weil er ja eigentlich hungrig ist und weil es die Angewohnheit des Vogels ist, seine BEschwerden zu verschleiern. Nimmt er doch Futter auf, würgt er es oft wenig später aus, jedenfalls bei einer fortgeschrittenen Entzündung.
Bei sezierten GLS-Vögeln sieht man dann deutlich die Schädigung des Vormagens, dessen Schleimhäute sich nahezu aufgelöst haben.
Ist ein Vogel erkrankt und hat man Verdacht auf GLS, kann ein Indiz für diese Krankheit sein, wenn der Vogel nach Umstellung auf Weichfutter wieder nahezu beschwerdefrei wirkt und zunimmt. Das funktioniert freilich nur im ersten Stadium so gut. Ein sehr geschwächter Vogel rappelt sich selten wieder so gut auf, weil die Schädigung dann meist schon zu weit fortgeschritten ist.
Übrigens zeigen auch Vergiftungen, nahezu sämtliche Infektionen, Hepatitis, Tumore, die die Verdauungsorgane bedrängen usw. die Symptome des Würgens. Es ist also alles andere als ein sicheres Zeichen für GLS. Allein die Tatsache, daß GLS wenig erforscht und im frühen Stadium nur schwer zu diagnostizieren ist und m. E. sogar ausschließlich beim Wellensittich vorkommt oder zumindest der WEllensittich als DER GLS-Patient bekannt ist, verleitet manchen Tierarzt dazu, vorschnell die Diagnose "GLS" zu stellen. Diese Krankheit ist im Moment fast "modern", denn sie ist aufgrund der neuesten Forschungen immer mal wieder ein aktuelles Thema. Nicht spezialisierte Tierärzte "erkennen" deshalb m. E. zu leicht die Symptome als "eindeutig" wieder, obwohl sie es gar nicht sind, jedenfalls nicht das Würgen.
Spätestens, wenn der Verdacht aufkommt, aber auch bei solchen Symptomen, die Kropfentzündung und die verschiedensten Infektionen vermuten lassen, kann ich nur wärmstens empfehlen, einen Spezialisten zu kontaktieren, denn der Vogel ist ein kurzlebiger Patient, wenn ihm nicht sofort geholfen wird und hier werden nun ganz vogeltypische Untersuchungsmethoden und -behandlungen fällig, als allererstes ein Kropf- und Kloakenabstrich bzw. Kotanalyse. Wenn Leberprobleme angenommen werden, müßte geröngt werden. Schwierig, wenn man nicht das nötige Vogel-Equipment zur Verfügung hat. Ein Vogel legt sich nicht wie Hund oder Katze breit auf die Platte.
Insofern kann ich wirklich nur betonen, auch wenn ich hier überhaupt keine zuverlässige Wertung auf die Art der Erkrankung treffen kann, was niemand, auch kein noch zu guter Vogelarzt aus der Ferne kann, denn auch der ist auf die Ergebnisse der Untersuchung angewiesen - ein echtes Indiz für GLS, so populär dieses Thema auch sein mag, sehe ich wirklich nicht. Wenn der Arzt denn auch einen festen Hinweis darauf gehabt hätte, hätte er aus tierschutzrechtlichen Gründen den Vogel bei seinem schlechten Zustand sofort einschläfern lassen müssen. Das ist noch das nächste, was mir dabei spanisch vorkommt. Daß er nicht auf eine SEktion bestanden hat, wo es keinen Partnervogel gibt, ist nachvollziehbar. Leider wirst Du nun aber niemals erfahren, woran er nun wirklich gestorben ist. Das macht es freilich nicht leicht, einzuschätzen, ob mögliche Ursachen auch in der Umgebung des Tieres liegen, ob Du vielleicht etwas verändern müßtest. Insofern kann ich Dir nur allgemeine Tips geben, die z. B. Kropfentzündungen minimieren helfen und das ist eine der häufigsten Todesursachen der Wellensittiche und ist durchaus vermeidbar UND geht eindeutig mit hartnäckigem Würgen und Erbrechen einher... Insofern kommt diese Variante für mich eher in Betracht als GLS, jedenfalls nach dem Stand der Informationen, die Du hier gegeben hast.
Summa summarum ist das hier auch kein Online-Gesundheits-Forum und das kann es auch nicht sein, denn Ferndiagnose ist immer unzuverlässig und - wenn man nicht anschließend eine absolut zuverlässige Diagnose vom Arzt einholt - sogar grob fahrlässig. Deshalb kann ich nur immer wieder betonen, man kann hier Tips geben zu möglichen Untersuchungsmethoden, kann Ärzte empfehlen, man kann Ernährungs- und Haltungstips geben, aber behandeln und untersuchen muß das Tier ein Arzt. Gut, wenn man einen versierten Vogelarzt hat. Wenn nicht, sollte man sich unbedingt nach der nächsten spezialisierten Adresse umsehen. Einen Ring kann auch ein Kleintierarzt entfernen, bei solchen Symptomen muß ein Vogelarzt ran.
Gruß, Silke.