Re: PS
[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ] Geschrieben von Silke am 19. Oktober 2000 14:35:46:
Als Antwort auf: Re: PS geschrieben von christoph am 19. Oktober 2000 13:08:04:
Hallo Christoph,
nein Vorwürfe sind hier fehl am Platz und die wollte ich auch gar nicht machen...
Wenn es sich um GLS gehandelt haben sollte, wobei sicherlich kein Vogelarzt diese Diagnose leichtfertig stellt, wäre die Euthanasie in diesem Stadium der einzig vogelfreundliche Weg gewesen, Du hättest das Tier also nicht retten können. Aber Du kannst etwas beim nächsten Mal besser machen, indem Du schon zu gesunden Zeiten Dich nach einem Spezialisten umsiehst, bei einem Krankheitsanzeichen sofort alle Auffälligkeiten notierst, das Gewicht regelmäßig prüfst und am allerbesten schon von vornherein nur einen Vogel kaufst, bei dem Du weißt, daß er ein einem ordentlichen Nest geschlüpft ist. GLS holt man sich nicht irgendwo, die bringt der Vogel meist schon aus dem Nest mit. Die Inkubationszeit beträgt u. U. viele Jahre. Erst eine krankheitsbedingte Schwäche, besonderer Streß oder andere, gravierende Beeinträchtigungen lassen die Krankheit ausbrechen.
Es gibt Tierärzte, die noch frisch erkrankte Vögel durch ganz spezielle Antibiotika-Gaben, Ernährungsumstellung usw. zu retten versuchen. Wobei Rettung hier bedeutet, die Symptome zu lindern, damit der Vogel noch einige Zeit würdevoll leben kann. Du kannst es vielleicht ein bißchen mit AIDS vergleichen. Die Infektion schlummert lange in dem Tier, manche erkranken auch nie, geben aber u. U. sogar die Bakterien weiter, an Nachkommen z. B. Wenn die Krankheit ausbricht, haben manche Glück und können mit ärztlicher Hilfe noch recht lange leben, andere rafft es sofort dahin... Es ist eine ganz besondere Verantwortung von Arzt und Vogelhalter einzuschätzen, wie sehr der Vogel darunter leidet und ob man nicht verpflichtet ist, ihn zu töten, um ihm eine letzte Gnade zu erweisen. Es ist eine echte Gratwanderung wie bei allen unheilbaren Erkrankungen.
Und gerade, weil man bei GSL ohnehin keine echten Heilungschancen hat, sind Vogelärzte natürlich bemüht, in jedem Fall alle möglichen anderen Erkrankungen mit ähnlichem Erscheinungsbild auszuschließen. Außer den unverdauten Körnern gibt es nun einmal kein eindeutiges GLS-Symptom. Und sicherlich bedeutet nicht jedes unverdaute Körnchen, was mal im Kot ist, automatisch GLS. Ein Vogel kann auch mal Verdauungsstörungen haben - ein Mensch hat auch mal Durchfall, ohne gleich an Ruhr und Cholera erkrankt zu sein. Erst das Gesamtbild bringt den Verdacht.
Aber ein Vogelarzt hat eben mehr Möglichkeiten, das Feld der möglichen Erkrankungen durch gezielte Laboruntersuchungen weiter einzuengen. Deshalb ist er so wichtig. Und deshalb kann manchmal der engagierteste Kleintierarzt da nicht mithalten.
Da der Verdacht eben auch nicht ausgeräumt ist, auch wenn er eben nicht wirklich bekräftigt werden kann, ist es sicherlich empfehlenswert, Käfig, Näpfe usw. gründlich heiß zu waschen bzw. auszukochen (Näpfe, nicht Käfig:-)), bevor der neue Vogel kommt. Und den solltest Du am besten bei einem Züchter kaufen, nicht im Laden, wo Du nicht weißt, woher er stammt. Aber auch Züchter haben keinen Freibrief für Qualität. Bestehe deshalb darauf, die Volieren zu sehen. Dort sollte es mindestens so ordentlich sein und das Fressen und Wasser so frisch und vielseitig sein, wie Du es selber hältst. Eine Voliere mit verschmutztem Wasser, Einheitsfutter, ggf. sogar verfeindeten, gestreßten Vögeln oder gar krank scheinenden Vögeln, auch wenn es nur ein einziger ist, ist ein Grund, sich erst mal höflich zu verabschieden. Dort kauft man kein Tier.
Wenn ich sehe, die Vögel sind geräumig und hell und luftig untergebracht, sie sind munter, haben saubere Einstreu, abwechslungsreiches, frisches Futter, da kann man ruhig zugreifen. Wenn man noch schlauer ist, kauft man keinen halben Nestling, sondern einen voll ausgewachsenen jungen Vogel, also einen, der bereits erwachsen ist und der das Sozialverhalten und auch das Fliegen und Landen bereits gelernt hat. Das erspart u. U. viel Ärger.
Kauft man den zweiten, muß man darüber hinaus noch beachten, daß - sofern es ein echtes Brutpaar werden soll - sie nicht von den gleichen Eltern stammen und daß ihre Charaktere einigermaßen übereinstimmen. Wie das geht, hatte ich schon mal geschrieben - ich würde es nur bei direktem Interesse noch mal ausführen, sonst werde ich hier nicht fertig...:-)
Ansonsten wünsche ich Dir bei Deinen neuen Vogel, den Du ja sicher bald kaufen wirst, mehr Glück. Wie gesagt, laß Dir Zeit beim Aussuchen - die Farbe ist das Unwichtigste daran überhaupt - und, eigentlich sind sie doch alle hübsch, oder?
Gruß, Silke.