Re: mein einer Welli ist tot
[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ] Geschrieben von Silke am 05. Oktober 2000 15:25:41:
Als Antwort auf: Re: mein einer Welli ist tot geschrieben von Claudia am 05. Oktober 2000 10:45:44:
Hallo Meike, hallo Claudia,
doch Meike, es gibt sogar ein hervorragendes Beispiel im eigenen Schwarm: Meine Tweety (über 10) ist mit einem vierjährigen Hahn (Silver) ein Herz und eine Seele, ein echtes Turtelpärchen. Sie hat den nur geringfügig jüngeren Partner für den kleinen Knirps sitzen lassen.Natürlich hast Du insofern Recht, als daß das Temperament der jüngeren oft viel größer ist und ältere auch gut nerven kann. Ich finde es nur irreführend, weil überall das ALTER als DAS entscheidende Merkmal angegeben wird und eigentlich NIEMAND nach dem Charakter fragt. Das kann in die Hose gehen. Man sollte es vielleicht ganz richtig so definieren: Temperament und Charakter sind entscheidend.
Ein anderes Beispiel dafür, daß Schönheit und körperliche Unversehrtheit keine Rolle spielen ist ein anderes Paar: Schröder und Else. Sie sind zusammen in meinen Schwarm gekommen, hatten sich aber nicht unbedingt freiwillig zusammen gefunden. Er war ein Einzelwelli, sie ein behinderter (flugunfähiger) Einzelwelli. Man hat sie zuammengesteckt und mir gebracht. Sie halten auch im Schwarm zusammen wie Pech und Schwefel. Auch wenn sie manchmal wie ein nasser Sack auf die Erde klatscht, wenn sie sich vertut. Er umschwänzelt seine Henne, als wäre sie die Kaiserin von China. Nun, sie hat vielleicht eine begehrenswerte Seite, sie ist recht dominant. Naja, was bleibt ihr als lahme Ente auch anderes übrig, als sich wenigstens wehrhaft zu geben? Das macht sie wohl in seinen Augen attraktiv. Er selbst ist auch sehr lebenslustig und quirlig, fliegt hier hin, da hin. Sie klettert langsam hinterdrein.
Tweety und Silver dagegen sind ein ruhiges Paar, kuschelig, schmusig, immer am Kraulen und Kuscheln.
Ja, gute Frage, wie kann ein Mensch einen Vogel beurteilen? Zunächst: Viele machen einen Fehler: Sie beurteilen, wie der Vogel sich ihnen gegenüber verhält. Völlig falsch. Wichtig ist, wie sind sie untereinander? Ein wichtiges Kriterium, wer ist erster am Futternapf und läßt sich nicht verdrängen. Da erkennt man den harmlosen Muskelprotz, der immer den kürzeren zieht, den kleinen frechen, der seinen Nachbarn wegschubst. Die eklige Furie, die keinen auch nur in der Nähe ihrer Federn oder der Leckerei duldet, die einen Napf allein besetzt, wo sich am Nachbarnapf 6 andere drängen. Den kecken, friedlichen, der nicht verschwindet, aber sich in jedem geeigneten Moment ein Körnchen unter den Hälsen der anderen wegstibitzt usw...
Man sieht, wie die ersten sich trollen, wenn die Grad Dame ankommt und man erkennt diejenige (oder auch den), der ihr Contra bietet, der sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen will und vielleicht nur mit Murren aufgibt.
Und eines sei als Warnung noch vorweggeschickt: Kein Nestling und kein blutjunger Vogel hat einen ausgereiften Charakter. Wer nestjung kauft, kauft die Katze im Sack. So wie Hähne normalerweise eine angeborene Angriffshemmung gegenüber Hennen haben, haben Jungtiere ein ausgeglichenes Verhalten gegeneinander. Es darf ja im Nest keine Konkurrenz aufkommen, sonst funktionierte die Aufzucht nicht! Diese Ausgeglichenheit verliert sich erst mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter. Ein Grund mehr, keinen zu jungen Vogel zu kaufen...
Gruß, Silke.