Re: Verpaarung von Pennant-Sittichen?
[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ] Geschrieben von Silke am 09. August 2000 11:06:44:
Als Antwort auf: Verpaarung von Pennant-Sittichen? geschrieben von Heike am 08. August 2000 13:57:53:
Liebe Heike,
vorab: Glückwunsch zu Deiner Entscheidung! Es war in jedem Falle die richtige und eröffnet Dir ganz neue Perspektiven, denn so kannst Du nicht nur zwei gesellige und attraktive Vögel bewundern, sondern ein Beobachter der ganz einzigartigen natürlichen Verhaltensweise der Vögel werden, die ebenfalls sehr faszinierend ist!
Pennanten werden mit etwa 3 Jahren geschlechtsreif, wobei diese Angabe etwas abweichen kann, in Gefangenschaft reifen die meisten Papageien etwas schneller. Anhaltspunkt ist auch die Ausfärbung des GEfieders, welches bei Jungvögeln noch sehr grün ist und immer mehr an grüner Farbe verliert, bis sie ganz rot-blau gefärbt sind (Naturfarbe, bei Mutationen entsprechend abweichend). Man kann also sagen, je weniger grüne Federn, desto ausgereifter der Vogel. Auch bei eintretender GEschlechtsreife können noch einzelne grüne Federn vorhanden sein.
WEnn der Vogel sich zur Zähmung eignet (ich habe bereits einen über 20jährigen Vogel bekommen, der niemals richtig zahm geworden ist, trotz Einzelhaltung, man darf also nicht annehmen, daß Einzelhaltung alles ist, was man braucht, um den Vogel zu zähmen, da spielt der Charakter des Tieres eine entscheidende Rolle), wird er innerhalb von Wochen zahm. Da Zähmung eigentlich nichts anderes bedeutet, als dem Vogel sein Mißtrauen vor dem Menschen zu nehmen, ist solch eine Sache dauerhaft, auch wenn er anschließend verpaart wird. Vorausgesetzt ist, er macht keine anderen Erfahrungen, die ihn Mißtrauen hegen lassen und er hat weiterhin den Menschen um sich, so daß er sein Zutrauen nicht einfach "vergessen" kann. Kleinere Schrecken vergißt er dabei wieder, es ist also nicht irreparabel, wenn man dabei mal einen Fehler macht, vorausgesetzt, man beachtet am Anfang den "Zähmungsknigge": Vogel nicht bedrängen, Käfig ist heilig, braucht einen STandplatz, der möglichst hoch liegt und an dem nicht ständig Leute vorbeigehen und wo er in Ruhe gelassen wird (in den ersten Tagen lieber während des Freifluges säubern usw.; Futter nur ganz langsam wechseln und keine ruckartigen Bewegungen machen, Vogel nicht in die Augen gucken, wenn man in "bedrohliche" Nähe kommt, sonst erwacht der Fluchtinstinkt, was in der Enge des Käfigs eine schlimme Erfahrung für den Vogel ist und Angst schürt. Man darf eines nicht vergessen: Der Vogel ist ein Beutetier in der Natur, der Mensch mit seinen "Krallen-"Händen und seiner Angewohnheit, sein Gegenüber zu fixieren und gar in die Augen zu blicken, wirkt wie ein riesiges Raubtier. Der Vogel muß buchstäblich instinktiv befürchten, gefressen zu werden. Erst, wenn der Vogel kapiert, daß der Mensch ihn gar nicht fressen will und er das tagtäglich beobachtet, verliert er die Angst und beginnt, neugierig zu werden und dieses komische Raubtier näher zu begutachten. Man muß also das Tier locken und selbst zurückhaltend sein, darin besteht der Trick der Zähmung. Das beste Lockmittel ist lecker Fressen. Pennanten mögen gern Grünzeug wie die meisten anderen Papageien, lieben frische Samenstände aller möglichen Wildpflanzen, Maiskolben und Paprika und auch sehr, sehr gern frische Chilli. Paprikakerne und Melonenkerne (Wassermelone) werden genüßlich ausgeschält und verspeist. Kolbenhirse ist auch sehr beliebt. In jedem Vogel steckt ein kleiner Freßsack. Das sollte man ausnutzen.
Pennanten sind auch sehr verspielt, wenn die erste Scheu gewichen ist, werden sie gern alles neugierig untersuchen und auf Spieltauglichkeit (Schnabeltauglichkeit) testen. Man schütze besonders seine Kugelschreiber und Filzstifte sowie Stromkabel!
Man macht es sich und dem Vogel leicht, wenn man viel Zeit in der Nähe verbringt, ohne dem Vogel zu nah zu kommen oder ihn ständig anzusprechen. Zum Anfüttern sollte man erst Häppchen seiner Leibspeise ans Gitter hängen, wo er sie leicht ernten kann, dann durch das Gitter stecken und dabei festhalten, dann in der Hand ans offene Türchen, so daß ihn kein Gitter vor der Hand schützt, er es aber noch mit langem Hals angeln kann, dann so, daß er einen Fuß auf die Hand setzen muß, dann einen halben Meter vom Käfig entfernt, dann so, daß er auf den Arm geflogen kommen muß usw.... Zunächst weggucken, wenn der Vogel sich den Happen erhaschen will, damit er sich unbeobachtet fühlt (er prüft genau, ob man ihn fixiert), dann flüchtig beobachten und irgendwann fühlt er sich gar nicht mehr bedroht.
Man merkt selbst, wenn man es langsam steigert, was der Vogel sich noch zutraut und wovor er zurückschreckt, dann ein bißchen wieder entgegenkommen und es leichter machen. Das braucht sicherlich 14 Tage oder drei Wochen, aber dann dürfte es kein Problem sein. BEsonders mutige Vögel sind da schneller. Manche Hasenfüße sicherlich auch langsamer.
Wenn der Vogel zahm ist und verpaart (auf die Verpaarung gehen wir besser zu gegebener Zeit ein), gibt es immer mal ein paar Wochen im Jahr, wo die Tiere abweisend sind. Das ist normal, es ist nämlich die Zeit, wo sie brutlustig werden und auch keine Artgenossen in ihrer NÄhe dulden. Das muß man akzeptieren. Hier hat das etwas aggressive Verhalten nicht zu bedeuten, daß sich die Zahmheit völlig verloren hat, sondern daß sie in den Menschen Rivalen ums Brutrevier sehen. Da möchte man ungestört sein. Da sollte man den Vögeln den Sicherheitsabstand gönnen, den sie verlangen. Wenn der Hormonspiegel wieder sinkt, wird alles wieder normal.
Auch einzelne Pennanten reagieren in der GEschlechtsreife so, das schützt also nicht davor. Nur ist diese Aggressivität, wenn sie auftritt und nicht in Melancholie umschlägt, weil sie ohne Partner sind, besonders heftig, weil sie nicht durch das Brutgeschäft abgelenkt sind und sich dann hineinsteigern. Nun bedeutet Brutlust nicht zwangsläufig, daß man eine riesige Zucht Vögel bekommen wird. Das kann man steuern und auch "verhüten". Das auch zu gegebener Zeit, nur vorab, daß es möglich ist.
Gruß, Silke.