Re: Sittich "schnaebelt"
[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ] Geschrieben von Silke am 18. Juli 2000 08:35:25:
Als Antwort auf: Re: Sittich geschrieben von Martin Nöllenburg am 14. Juli 2000 16:01:25:
Hallo Martin,
>>>Das Männchen hat seit mehreren Monaten den "Tick" ständig (d.h. mehrere Stunden täglich) seinen Schnabel auf- und zuzumachen. Allerdings würgt er dabei kein Futter hoch, und er hat auch keine Atemnot.
>>Wie sieht das aus, wenn er den "Schnabel auf- und zumacht"? Schon so ein bißchen wie Würgen oder eher wie Gähnen?
>Also Gähnen ist es auf keinen Fall, die Bewegung ist ziemlich rasch, aber wenn er würgt, bewegt er meistens auch sein Köpfchen auf und ab, das macht er beim "Schnäbeln" nicht.Wenn er sein Köpfchen auf und ab bewegt, balzt er normalerweise (bist Du sicher, daß Du das Verhalten richtig deutest?!) Beim Würgen bewegt er seinen Kopf nie auf und ab, sondern streckt seinen Hals vor, halt genau wie ein Mensch, der sich übergeben will. Die Speiseröhre wird gestreckt, das ist ein ganz normaler Muskelautomatismus. Bei Kropfentzündungen, die mit zähem Schleim einhergehen, schüttelt der Vogel den Kopf, um den lästigen klebrigen Schleim wegzuschleudern.
Ob er würgt oder nicht, ist nicht daran bestimmbar, ob er etwas hervorwürgt. Gerade bei den Luftröhrenwürmern, die ich schon beschrieb, sieht man gar nichts von dem vorgewürgten Wurm. Markant ist allerdings, daß der Vogel deutliche Atemprobleme (verbunden mit dem Versuch, den Hals freizuwürgen) hat, nachdem er sich körperlich angestrengt hat, z. B. nach einer langen Flugrunde im Zimmer. Im Zweifelsfalle würde ich ihn einfach mal ein bißchen durch die Gegend scheuchen und beobachten, ob er schnell aus der Puste kommt und vielleicht danach zu husten oder/und würgen beginnt.
Vielleicht kann man es ein bißchen mit Kaugummikauen vergleichen :-)
Hm. Das könnte entweder dem Bild beim Abschlucken nach dem Würgen entsprechen oder nervösem Schnabelwetzen, ggf. wenn der Schnabel nicht ganz glatt abgenutzt ist. Dann hört man aber das Wetzen als Knirschen. Schnabelwetzen vor der Mittags- oder Abendruhe dagegen ist ein normaler Ablauf und zeigt, daß der Vogel entspannt ist und sich wohlfühlt (Komfortverhalten). Ich fürchte, Deine Beschreibung ist nicht ganz eindeutig. Versuch noch mal, darauf zu achten, ob der Vogel bei diesem "Tick" den Hals etwas vorstreckt.
>Die Ärztin hat ihm damals in den Schnabel geschaut und nichts gesehen. Das Problem war damals eben, dass er in der Praxis keine Lust hatte zu Schnäbeln.
Nun, im Schnabel selbst sieht man sicherlich nichts, denn ein Fremdkörper etc. sitzt logischerweise tiefer. Mit einer Sonde könnte sie den Kropf untersuchen, um zumindest Entzündungen auszuschließen. Fremdkörper in den Luftwegen erkennt man am Röntgenbild (sicherlich tut man dies erst nach einem konkreten Verdacht).
>> Sie meinte er sei wohl erkältet, hat ihm insgesamt drei mal Antibiotika gespritzt,
Mein lieber Schwan, das nenne ich mit Kanonen auf Spatzen schießen und das bei einer Erkältung, die nur mal so vermutet wird!
und er bekam Vitamintropfen. Er ist zwar wie gesagt jetzt wieder munter, aber das Schnäbeln gefällt mir doch nicht so ganz.
>> Die Ärztin meinte dazu, das sei wohl Atemnot in Zusammenhang mit der Erkätung, aber er atmet ganz normal wie sein Weibchen auch.
Hm, wie würdest Du meinen, daß Atemnot aussieht, mal vom akuten Ersticken abgesehen? Ich denke, leichte Atemnot könnte im Spiel sein, da hat die Tierärztin vielleicht gar nicht so unrecht. Beim "Flugtest" müßte es eigentlich zutage treten, kein Vogel fliegt mühelos, wenn er Atemprobleme hat. Ich vermute mal, der Vogel fliegt von sich aus nicht besonders viel und lang? Dann solltest Du ihn einfach mal zwei Runden durch das Zimmer scheuchen. Wenn er nicht übergewichtig ist (was ich aus dem letzten Teil herauslese), dürfte er nach so kurzer Strecke keine nennenswerte Erschöpfung zeigen, auch ohne große Übung. Wenn er hustet und keucht oder gar fiept, ist da etwas, was besser nicht sein sollte. Auch wenn es Dir Überwindung kostet, das Tier so zu scheuchen und es Dich vielleicht den Rest des Tages nicht mehr anguckt vor Beleidigung (es gibt nichts, was sich nicht mit Kolbenhirse reparieren läßt), probier es einfach mal aus, dann weißt Du zumindest, ob da etwas ist, was gefährlich werden könnte. Empfehlung: benutze dazu irgendeinen fremden Gegenstand (Kescher, Stock mit bunten Bändern etc.), dann ängstigt sich der Vogel in erster Linie vor dem Stock, nicht vor Dir.
>>Gab es sonst irgendwelche Zeichen von Erkältung: Nasenausfluß, Niesen - gab es mögliche Ursachen für die Erkältung?
>Nasenausfluß gab es keinen, Niesen ab und zu.Gelegentliches Niesen ist völlig normal, da es dazu dient, die Nasengänge zu reinigen (das ist wie ein Mensch, der Pfeffer eingeatmet hat oder Staub, man niest und alles ist o.k.). Ich sehe hier also kein wirkliches Anzeichen von Erkältung. Was zum Kuckuck hat die Ärztin also mit dem Antibiotika heilen wollen, wenn der Vogel nicht kurz vor der Lungenentzündung stand?! (Dazu werden Spritzen von Ziervögeln oft sehr, sehr schlecht vertragen - ich würde mir also dreimal überlegen, bevor ich einen meiner Vögel spritzen lassen.) Das scheint mir doch wieder die typische ärztliche Übersprungshandlung gewesen zu sein - ich weiß nicht, was es ist, also probier ich erst mal, ob es auf Antibiotika reagiert. Das kann in Fällen, wo dringender Handlungsbedarf angesagt ist und bakterielle Infektionen eine tatsächliche Möglichkeit sind, wirklich angebracht sein, hier finde ich allerdings keinen Hinweis darauf.
>>Ich würde es auf jeden Fall ernst nehmen. Um zu sehen, wie er frißt und ob er tatsächlich Gewicht abbaut, solltest Du ihn auch täglich auf einer Brief- oder elektronischen Küchenwaage mit Gramm-Einteilung wiegen. So kannst Du genau sagen, ob er körperlich abbaut oder nicht.
>Er ist ein sehr zierlicher Vogel, aber den Eindruck, dass er körperlich abbaut habe ich nicht.Auf Deinen Eindruck - sorry Martin - kommt es gar nicht an. Verläßlich sind nur Wiegen und tägliches Abtasten des Brustbeins. Der Vogel besitzt Federn und die kann man aufplustern: ein bißchen, kaum merkbar oder ganz doll. Ein Vogel zeigt niemals seinen tatsächlichen Gesundheitszustand, wenn er krank ist, solange er es noch irgendwie einrichten kann. Er wird sich niemals hinsetzen und fiepen, wenn es ihm nicht gut geht. Diese Strategie ist für das kleine Tier überlebenswichtig, die Evolution hat es jedem einzelnen Tier eingeimpft. Jeder Welli, der Schwäche zeigt, ist Beute eines Greifers. Jeder Welli, der es schafft, kleine Unpäßlichkeiten zu vertuschen, hat die Chance, sich wieder heimlich zu erholen. Erst, wenn er den anderen nicht mehr folgen kann, ist er ein leichter Happen. Das ist dann leider auch meist der Moment, wo uns oft klar wird, daß der Vogel krank ist, dann ist er aber meist schon so schwach, daß die Chancen, ihn zu heilen, nicht immer die günstigsten sind. Deshalb sind Vogelärzte - mehr als jeder Hunde- und Katzenspezialist - auf Laborwerte und Untersuchungen angewiesen, denn der Vogel jammert nicht, wenn ihm etwas wehtut, aber die Blutwerte und Bakterienkulturen und Röntgenbilder lügen nicht. Nur äußere Parasiten lassen sich durch bloße optische Untersuchung erkennen, Federfraßstellen und die Grabgänge von Räudemilben hat man schnell entdeckt. Bei allem anderen ist der Tierarzt auf die medizinische Technik angewiesen. Wenn dann ein Vogel halbtot gebracht wird und Körner auswürgt und/oder Durchfall hat, ist es legitim, daß der Arzt zwar Proben (Kotprobe, Kropfabstrich) nimmt, aber gleichzeitig, um die Zeit bis zum Vorliegen der Werte zu überbrücken, Antibiotika gibt. Stirbt der Vogel dann trotzdem, kann ihm kaum ein Vorwurf gemacht werden, weder, weil das Antibiotikum nicht das passende Medikament war und der Vogel beispielsweise an Kokzidiose litt, noch, wenn es das richtige Medikament war und der Vogel einfach schon zu schwach war, um neben den Erregern noch das wirksame, aber den Körper belastende Medikament zu verkraften. Deshalb ist der allgemeine Gesundheitszustand (Körpergewicht, Muskulatur) überlebenswichtig, wenn der Vogel erkrankt. Es kann eine Art Lebensversicherung sein, wenn die Therapie schwierig ist oder länger andauert. Ich kann deshalb nur empfehlen, jeden auffälligen Vogel auch kontinuierlich auf Gewichtsverlust zu kontrollieren.
Ich drück Dir freilich die Daumen, daß sich das Ganze als harmlos entpuppt, im besten Falle als Schnabelwetzen.
Gruß, Silke
>>Gruß, Silke.
>Martin