Re: Farbänderung der Wachshaut
[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ] Geschrieben von Silke am 27. Mai 1999 at 10:36:56:
Als Antwort auf: Re: Farbänderung der Wachshaut geschrieben von Sylvia am 19. Mai 1999 at 13:19:43:
Liebe Sylvia,
>also, die meisten tierärzte interessieren sich ja leider nicht mal fuer das leiden eines wellensittichs. meistens verarbreichen die dem tier nur ein vitamin-präparat für das man ein heiden geld zahlt und dann liegt der vogel ein paar tage tot im käfig.
Die meisten Tierärzte haben - ohne damit jemanden beleidigen zu wollen, aber es ist die reine Wahrheit - leider keine Ahnung von Vögeln und gänzlich falsche Vorstellungen, was ihre Therapie angeht. Den Ausbildungsteil "Vogelheilkunde" gibt es erst seit wenigen Jahren und er steckt noch in den Kinderschuhen, wie die Vogelmedizin selbst. Ich mache es auch keinem Tierarzt zum Vorwurf, wenn er sich außerstande fühlt, einen kranken Vogel zu behandeln, denn die Diagnosestellung ist aufgrund der mangelnden Eigenschaft, Leiden auch entsprechend zu zeigen, bzw. Hinweise auf Schmerzen und Lokalität zu geben, wirklich kompliziert - jede Katze, jeder Hund zeigt es deutlicher, wenn er ein Problem hat, jedoch der Vogel, der ständig auf der Hut vor Beutegreifer sein muß in der Natur, dessen Überlebensstrategie es ist, seine Schwächen _nicht_ zu zeigen, um nicht sofort gefressen zu werden, verschleiert seine Probleme.
Jedoch macht es mich wütend, wenn diese Ärzte nicht den Mut oder die Selbstkritik besitzen, auf einen Kollegen zu verweisen und dem Ratsuchenden offenzulegen, daß sie sich unsicher sind.
Ich kann es daher nur jedem Vogelhalter wärmstens empfehlen, einen vogelspezialisierten Tierarzt ausfindig zu machen (Tierärztekammer befragen) und diesem auch auf den Zahn zu fühlen, erfahrungsgemäß ist auch nicht jeder Vogelarzt zu empfehlen.
Ich selbst habe das Glück, eine engagierte und kompetente Vogelspezialistin gefunden zu haben, die nicht auf Teufel-komm-raus Medikamente verschreibt, sondern ggf. erst abwartet, wenn keine Eile geboten scheint und sie andere Unpäßlichkeiten vermutet und wirklich gut berät. Sie selbst züchtet Papageien und behandelt - wie ich schon sagte - ausschließlich Vögel, hauptsächlich natürlich Krummschnäbel.
Mein Schlüsselerlebnis, in ihr eine wirklich kompetente Ärztin mit Herz für das Tier gefunden zu haben, war, als einer meiner Wellis plötzlich massive Atembeschwerden und Hustenanfälle bekam. Ich habe natürlich vermutet, daß er sich eine Infektion mit Lungenparasiten zugezogen haben könnte (die Tiere waren zuvor zwei Wochen in Pflege, sind da auch etwas dicklich geworden) und habe sofort die Ärztin aufgesucht. Diese hat sofort eine Kotuntersuchung gemacht, den Vogel gewogen, ihn betrachtet, den Kropf abgetastet, einen Abstrich gemacht und sich die Geschichte angehört. Jeder andere Arzt hätte dem gestreßten Tier ein Antibiotikum oder ein Antiparasitikum verabreicht - was ich ja nicht einmal angezweifelt hätte, weil ich ja auch diese Befürchtung hatte, daß eine Infektion vorliegen könnte - aber sie schüttelte den Kopf und meinte, der Vogel habe an Gewicht zugelegt, es war Sommer und zeitweise sehr warm, sie tippte darauf, daß er Kreislaufbeschwerden hätte und damit verbunden Atemnot. Sein Kropf war vergrößert, was seine Ursache in der übermäßigen Futteraufnahme haben könnte, aber sie gab mir vorbeugend noch Lugol'sche Tinktur mit, die das Trinkwasser mit Jod anreichert, was auch den anderen Vogel zugute kam.
Nur, wenn der Zustand nach Diät sich nicht verbessern oder gar verschlechtern sollte, sollte ich wiederkommen.
Was soll ich sagen? - Sie hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Der Vogel nahm wieder ab, wurde ausdauernder und hatte nie wieder Hustenanfälle.
Ich bin bei dieser Ärztin geblieben und hatte auch weiterhin nichts an ihrer Behandlung zu beanstanden.
>meine tierärztin hat wie gesagt bei einem meiner wellensittiche einen hoden-tumor festgestellt und ihm eine überlebenschance von ein paar monaten gegeben. das war vor 5 jahren und mein welli ist mittlerweile 8 und hat nur noch gelegentlich beschwerden .
Dann kann man mit Sicherheit sagen, daß die Diagnose falsch war. Deswegen habe ich ja auf Marios Mail geantwortet, daß eine Nasenumfärbung - entgegen Meinung vieler - nicht ausschließlich einen Hodentumor anzeigt, sondern sämtliche organische Probleme, die eine Beeinflussung des Hormonhaushaltes mit sich führen. Dein Vogel hat wohl ein anderes, chronisches Problem, was man noch einmal erkunden sollte, vielleicht läßt es sich behandeln.
Einen Tumor überlebt ein Vogel höchstens wenige Monate, machmal aber auch nur wenige Wochen, da zwischen dem Anfangsstadium, was wir nicht sofort merken und dem fortgeschrittenen Stadium schon einige Monate liegen. Spätestens nach 1 oder 1 1/2 Jahren wäre der Vogel also gestorben.
sobald das tier wirklich SEHR KRANK ist, kann ich nur zur euthanasie raten. klingt vielleicht radikal aber schliesslich will man dem tier auch keine unnötigen schmerzen zumuten.
Ich würde nicht sagen, wenn es "sehr krank" ist, sondern, wenn die Heilungschancen schlecht stehen. Ein Tier kann sehr krank sein, aber durchaus heilbar. Eine schwere Infektion ist eine schwere Erkrankung, aber mit Antibiotika, Antimykotika oder Antiparasitika - je nach Infektionserreger - durchaus therapierbar.
Es gibt aber immer Erkrankungen, die auch noch heute nicht heilbar sind, da sollte man sich und dem Vogel jedes Experiment ersparen...
>ich "therapiere" meinen welli gelegentlich mit einer in einem glas wasser aufgelösten aspirin . aber es scheint ihm zu helfen und ich gebe ihm ja nur ein paar schlückchen. geschadet hat es ihm zumindest nicht und die schmerzen lassen rasch nach. wie gesagt, seine beschwerden hat er nur alle paar monate.
Wie gesagt, vielleicht gehst Du der Sache mal auf die Spur, zumal ich mich erinnern kann, daß Du an anderer Stelle schriebst, daß er nicht mehr fliegt?
Gruß, Silke.