Re: Prachtrosella-Pärchen handzahm?
[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ] Geschrieben von Andre am 27. Dezember 1999 22:16:11:
Als Antwort auf: Re: Prachtrosella-Pärchen handzahm? geschrieben von Silke am 27. Dezember 1999 11:24:16:
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>>Die verkäuferin konnte meiner Frau allerdings nicht sagen um welche Geschlechter es sich bei den beiden handelt.
>>Kann ich das als (noch) Laie irgenwie feststellen?
>Lieber André,
>es dürfte auch für einen Profi nicht ganz leicht sein, eine Geschlechterbestimmung bei Rosellas eindeutig durchzuführen. Es gibt Merkmale, die aber nicht immer besonders auffällig ausgeprägt sind, so daß man meist sehr viel Erfahrung bzw. den direkten Vergleich mit sicher bestimmten Vögeln benötigt bzw. auch ein bißchen den Vergleich im Verhalten und Reaktion auf die sicher bestimmten Tiere und selbst dann sind Fehltreffer nie ganz ausgeschlossen.
>So sind: weibliche Tiere oft kleiner und zierlicher und besitzen einen zierlicheren Schnabel, das Rot des Kopfes ist stumpfer, etwas weniger leuchtend als das der Männchen außerdem sind die Rückenfedern mit stumpfem Grün gesäumt. Manche Weibchen haben weißliche Streifen auf der Unterseite der Flügel.
>Hähne sind häufig sangesfreudiger als Hennen.
>Sicherer als diese optischen Merkmale sind natürlich endoskopische Untersuchungen oder die DNA-Federanalyse. Ich denke aber, wenn Du nicht die zwingende Absicht hast, möglichst schnell zahlreiche Nachkommen zu züchten, solltest Du es Dir und den Vögeln schenken und Dich überraschen lassen. Solange beide sich sehr gut verstehen und sie vielleicht bereits zuvor zumindest eng befreundet waren, könnte es ein Fehler sein, sie zu trennen, um ein echtes Pärchen zusammenzustellen, auch wenn es beides Hähne sein sollten.
>Alle Platycercus sind in der Wahl ihrer Partner sehr eigen, eine glückliche Verpaarung ist selten sofort als Zufallsgriff möglich. Manche Hähne sind recht dominant und unterdrücken die Weibchen heftig. Wenn diese dann zu sanftmütig sind, kann es schnell allgemeinen Streß und Unbehagen geben, für sie, weil der Hahn sie stets scheucht und für ihn, weil sie sich zugeknöpft zeigt. Das führt schnell zu Aggressionen, die weder Tier noch Halter Spaß machen und geht das über Jahre hinweg, kann schon manche Henne dann wirklich aufleben und froh scheinen, wenn der alte Quälgeist endlich das Zeitliche gesegnet hat (klingt jetzt furchtbar, ist aber tatsächlich so).
>Deshalb würde ich ein bestehendes Paar - egal ob echt oder nicht - niemals auseinanderreißen, höchstens, wenn sich herausstellt, daß sie doch gleichgeschlechtig (und damit wahrscheinlich Geschwister) sind, den Schwarm um die nötigen Hennen erweitern, falls wirklich Zuchtpläne umgesetzt werden sollen.
>Hat man dann aber mehrere brutwillige Rosellas muß man natürlich wieder den gesteigerten Revieransprüchen der Paare Rechnung tragen, aber das wäre das nächste Kapitel...;o)
>Mit der Handzahmheit... Rosellas werden nicht so schnell handzahm wie Nymphen. Die Liebe zum Menschen geht hier ausschließlich durch den Magen und man muß sich also besonders viel Zeit nehmen (und Zurückhaltung bewahren, sie mögen auch nicht so freimütig Annäherungsversuche wie die Nymphen in den meisten Fällen)und sich durch regelmäßige Leckerbissen angenehm machen.
>Viele mögen gern Paprika, besonders die Kerngehäuse (die aber absolut frisch und ohne dunklen Schimmelbelag sein müssen)und auch gern Chili. Andere haben andere Lieblingsleckerbissen. Auf jeden Fall wird gern Vogelmiere genommen. Sonnenblumenkerne - auch wenn sie beliebt sind - sollte man besser einsparen oder nur als Lockbissen verfüttern, die Verpilzung ist doch meist zu hoch, als daß man sie dauerhaft füttern könnte. Apfel mögen viele gern (am liebsten die Kerne, aber davon nicht zu viele, denn sie enthalten Blausäure), Melonenkerne (Wassermelonen), ja damit kann man auch einen scheuen Rosella mit der Zeit in seine Nähe und auf Arm oder Schulter locken.
>Bekanntlich hält sich aber die Zahmheit meist in Grenzen, gibt's kein Futter, hat der Vogel nur mäßiges Interesse am Menschen. Während der Brutzeit kann der Vogel sogar besonders abweisend und scheu sein, das ist aber völlig normal und bei allen Vogelarten so.
>Mit sehr, sehr viel Beschäftigung und Zuwendung kann man sicherlich die Scheuheit weiter verringern, aber das Problem dabei ist immer, nicht zu aufdringlich zu werden, denn dann erreicht man das Gegenteil, der Vogel fühlt sich vom Menschen bedrängt, also bedroht. Außerdem "lernen" die Rosellas relativ langsam, daß ihnen vom Menschen keine Gefahr droht, man muß also sehr, sehr geduldig sein und nicht enttäuscht, wenn der Vogel den einen Tag das angebotene Stückchen Obst meidet, was er tags zuvor noch gierig aus der Hand genommen hat. Meine besten Erfahrungen habe ich damit gemacht, wenn ich Futter durch das Gitter reichte (ohne die Hand in den Käfig zu stecken) und es dann einige Zeit später vor der offenen Tür angeboten habe. Später nimmt der Vogel es, wenn er es vom erhöhten Sitzposten aus mit dem Schnabel stibitzen kann. Eine WEile darauf, wird er auch fressen, wenn er es nicht aus der Hand ziehen kann und wird sich auch irgendwann einmal auf dem Ärmel etc. dazu niederlassen oder auf den Kopf geflogen kommen. Das alles braucht aber viel Zeit.
>Es funktioniert mit der Zähmung umso besser, je eher er das Gefühl bekommt, an einem Platz in der Wohnung absolut sicher und unantastbar zu sein: seinem Käfig. In diesem sollte er nie bedrängt werden, Futter und Wasser werden sehr vorsichtig und langsam herausgenommen, so daß der Vogel ohne Hast zur Seite klettern kann. Man sollte ihm darin niemals zu nahe kommen oder ihn gar berühren, solange er noch ängstlich ist. Das Saubermachen sollte man auf den Freiflug vertagen.
>Du solltest Dich mit der Zähmung auf den Vogel konzentrieren, der Dir zutraulicher erscheint, der Angsthase von beiden traut sich eher, dem anderen zu folgen, wenn er sich unbeobachtet fühlt. Direkter Augenkontakt kann also in manchen Situationen furchteinflößend wirken. Der Vogel fühlt sich fixiert. Wenn Du also etwas besonders Beängstigendes planst, lohnt es sich, einfach vorbei oder ganz woanders hin zu gucken.
>Gruß, Silke.Hallo Silke,
Erst einmal herzliches Dankeschön.
Eine Antwort in diesem Umfang habe ich sicherlich nicht erwartet.
Kann aber mit einem Strahlen verkünden das ich den Hahn schon bestimmen kann.Er versucht nämlich bereits seiner
"Auserwählten" auf den Leib zu rücken.Wie Du es auch geschildert hast, ist "ER" etwas größer und sein ROT etwas
glänzender.
Singen tut er fast den ganzen Tag, und baut sich vor Ihr auf
mit gespreitzten Flügeln.
Sieht fast so aus als würde er Balz betreiben.
Er versucht auch SIE zu füttern, so sieht das jedenfalls aus, aber im Moment lässt Sie Ihn noch abblitzen.Ich hoffe das ich Dich nochmals ansprechen darf falls ich mal nicht weiter weiß.
Gruß,Andre