Re: Sehbehinderter Wellensittich
[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ] Geschrieben von Silke am 23. November 1999 13:34:33:
Als Antwort auf: Re: Sehbehinderter Wellensittich geschrieben von Nicole am 23. November 1999 12:43:37:
Meine Geier haben bestimmt keine Langeweile und sie bekommen auch regelmäßig frisches Obst und Gemüse. Ich glaube sie fühlen sich auch wohl bei mir, da ich ständig Eier im Käfig liegen haben. (befruchtete)
>Moritz ist gerade im November 2 Jahre alt geworden.Gerade deswegen sollte man erst einmal prüfen, ob tatsächlich eine Sehschwäche vorliegt. Ansonsten hoffe ich doch, daß die Eier nicht im Käfig liegen, sondern im Kasten...? Das Wort "ständig" läßt mich aufhorchen und ahnen, daß vielleicht ein ganz anderes Problem vorliegt (was gar nichts mit den Augen zu tun hat), welches Du vielleicht noch gar nicht als Problem erkannt hast: Dauerlegerei. Eine gefährliche Situation, die schnell lebensbedrohlich werden kann. Einzig richtige Maßnahme wäre, den Tieren einen Kasten zur Verfügung zu stellen und die Eier anzustechen etc. um sie aber wenigstens ihren Instinkten der Brut nachgehen zu lassen, bevor sich hier eine Psychose entwickelt, die ganz schnell gesundheitliche Probleme nach sich zieht. Eine Henne, die viel legt, sollte unbedingt zusätzliche Kalziumgaben, am besten in Form eines Mineralpulvers, welches über feuchte Kräuter etc. gegeben wird, bekommen. Außerdem ist eine Futterreduktion zur Eindämmung des Bruttriebs dringend angesagt. Wie Du vielleicht weißt, steuert das Nahrungsangebot den Fortpflanzungstrieb der Wellensittiche. Daß sie also viel brüten wollen, heißt nicht immer, das sie es besonders gut, sondern vielleicht, daß es es "besser" haben, als es für sie gut wäre.
Wellensittiche sind Steppenvögel, die gewohnt sind, die meiste Zeit des Jahres zu darben, daher auch die besonders ausgeprägte Neigung der Weibchen, sich Fett anzufressen, wo es nur geht und sich dann möglichst wenig zu bewegen. Daher stammt die häufige Unlust der Hennen zu fliegen, weil sie es mit ihrer ungeheuren Masse oft gar nicht mehr richtig können. Dieser Zustand ist gesundheitsschädlich und fast ein Garant für Stoffwechselerkrankungen wie Gicht und Leberschäden im Alter. Wenn sie besonders "fleißig" dabei sind, bekommen sie zuvor noch Lipome, die ihnen schmerzhafte Operationen bescheren.
Deshalb ist es gar keine Frage, daß sie im Überfluß Kräuter, Obst bekommen sollten, bei Gemüse wird es schon spannender, denn Mais ist ein vollwertiges Futter und sollte niemals in großen Mengen oder gar ohne Reduktion des Körnerfutters gegeben werden. Knabberstangen und -zusätzliche- Kolbenhirse sind tabu, wenn Kolbenhirse, dann weniger Körnerfutter. Dafür den Anteil Grassamen im Körnerfutter erhöhen, so wie die natürliche Ernährung des Vogels nun mal auch aussieht, im Sommer gibt's natürlich grüne Samenstände der Wiesengräser.
In den meisten Artikeln wird nur die abwechslungsreiche Nahrung hervorgehoben, daß das größte Problem bei den Wellis und Nymphen das Nahrungsüberangebot ist, liest man leider selten. Aber gerade dies in Verbindung mit ungenügender Bewegung ist eine hauptsächliche Ursache vieler schwerer Erkrankungen.
Also, prüf einmal sehr kritisch, wie mager und sehnig oder wie bauchig und fett Dein Vögelchen nun wirklich ist? Dazu solltest Du nicht vergessen, einmal die Brust des Vogels abzutasten. Die sollte stramm und sehnig sein und die Knochen des Brustbeins erkennen lassen. Meistens spürt man die Knochen über der ganzen Fettschicht aber kaum und eine wabbelige Masse läßt keine großen "Muckies" erkennen. Klar, ein solcher Vogel kann nicht mehr viel fliegen, selbst wenn er wollte.
Da hilft nur Abspecken. Auch wenn's in den ersten Tagen für die Freßsäcke hart ist, mehr als 1 EL Körnerfutter pro Tag und VogelPAAR (also beide) ist viel zuviel. 1 EL selbst ist noch keine Hungerration. Normalerweise müßte man das umständlich austesten, wieviel Futter der Vogel braucht, um wirklich knapp zu kalkulieren, aber selbst, wenn man diese Obergrenze einhält, ist oft schon viel gewonnen. Sie müssen halt etwas mehr Grünzeug fressen, wenn der erweiterte Kropf nach mehr Füllung verlangt. Mehr ist wirklich alles andere als gesund.
Damit es nicht so langweilig ist, wenn man sich nicht mit Fressen BESCHÄFTIGEN kann, ist es günstig, das Futter zu verstecken, um den Vögeln die Möglichkeit zu geben, es sich zu erarbeiten. Das funktioniert wie folgt: Man nehme einen sehr großen Blumenuntersetzer, fülle ihn mit Sand oder Buchenholzschrot und schütte die Körner darauf. Den Untersetzer stellt man natürlich vom Käfig ab, denn sie sollen sich auch mal zum Freßnapf etwas bewegen müssen, nicht immer nur klettern. Wenn sie kapiert haben, wo die Körner sind (nach einigen Tagen) kann man sie auch gleich etwas unterheben. Solange die Vögel hungrig sind oder später auch, weil sie daran Spaß haben, denn der Instinkt, nach den Körnern am Boden zu suchen, steckt ja in ihnen, werden sie sich die Körnchen schon rauspicken.
Wenn aber der Bauch nicht mehr so nach unten zieht, fliegt es sich dann auch leichter und die Bewegung macht wieder Spaß.
Die Vögel auf diese Weise zu füttern, ist die beste und vogelfreundlichste Methode, denn sie vereint maßvolle Ernährung und artgerechte Beschäftigung in gleichem Maße. Wenn der Vogel aber tatsächlich orientierungslos (blind) ist, sollte man es darauf beschränken, die Körner abgemessen in einem Näpfchen anzubieten. Dann aber das Maß halten. Aber wie gesagt, ich bin noch nicht ganz davon überzeugt, daß der Vogel wirklich sehschwach ist, dazu müßtest Du mir bitte noch ein bißchen erzählen.
Gruß, Silke.
PS: Zum Nistkasten: Wenn die Henne ihr abgestorbenes Gelege nach einer ganzen Weile selbst aufgibt, muß der Kasten sofort entfernt werden, bevor sie ein neues Gelege anfängt.