Re: Kranker Agapornide/Keine Kamille!!!
[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ] Geschrieben von Silke am 23. November 1999 08:53:57:
Als Antwort auf: Re: Kranker Agapornide geschrieben von Gitta am 22. November 1999 22:57:22:
Um Gottes Willen! Hände weg von Kamillentee und Co., Tierarzt aufsuchen!
Hat sich die Wunde durch Kot, darin enthaltene Bakterien etc. infiziert, muß ein Antibiotikum verabreicht werden. Kamillentee macht es nur noch schlimmer, im besten Fall bewirkt er gar nichts. Zur Desinfektion solcher Wunden würde sich 0,1 %ige Wasserstoffperoxidlösung eignen, aber das tut man bei frischen Wunden zur Ersten Hilfe und man muß vor allem einschätzen, ob man auf eine Wunde überhaupt etwas tupft (niemals auf Schleimhäute, in Augennähe etc.), ob man sie mit Mull abdeckt, ob die Wunde tief ist (hat mit der Größe der Wundränder gar nichts zu tun, am gefährlichsten sind z. B. äußerlich völlig unspektakuläre Stichwunden, wie sie die Krallen einer Katze verursacht), ob sie kurz aber heftig blutet (dann reinigt sich die Wunde zumeist selbst) usw.
Also für Unerfahrene: Tierarzt aufsuchen, Vogelspezialisten auf jeden Fall bevorzugen. Keine Selbstmedikation!
Die Ursache für Rupfen, Beißen etc. ist mir von der Sache her sonnenklar, die Details müßten noch geklärt werden: Der Aga wird von den anderen (oder bestimmten, ggf. Pärchen) nicht aktzeptiert. Ursache könnte z. B. sein: Er selbst ist artmäßig ein anderer, körperlich unterlegener Aga und wird deshalb unterdrückt. Oder: zwei Agas haben sich verpaart, er versucht, einen Partner streitig zu machen. Oder: Er ist dem Charakter der anderen nicht gewachsen. Oder: Er stammt nicht aus diesem Schwarm, wurde später erst hinzugesellt, war ggf. vielleicht auch lange Einzelvogel und kann sich nicht mit den anderen arrangieren.
Wie auch immer: Agas sind sehr aggressive Sittiche. Bei den geringsten Beeinträchtigungen (Enge in der Voliere, Brutlust usw.) kann es zu aggressiven Handlungen kommen. Reaktion des Unterdrückten ist meistens Rupfertum.
Der Vogel sollte also dringend herausgenommen werden (ist es andersherum, und ein Agapärchen ist auffällig garstig, dann dieses) und er sollte gut verpaart werden. Verpaaren heißt nicht, Henne und Hahn in einen Käfig zu stecken, sondern zwei Vögel zu finden, die charakterlich zueinander passen und Sympathie zeigen.
Gut verpaarte Agas könnten aber brutlustig werden und es könnte notwendig sein, sie dauerhaft getrennt zu halten, wenn die möglichen Fluchträume in der Voliere (man täusche sich nicht, wie groß die Revieransprüche sind) nicht vorhanden sind.
Ich bin sicher, daß das Rupfen aufhört, sobald er eine eigene Partnerin gefunden hat. Es gibt natürlich mögliche organische Ursachen, wie z. B. Ekzeme oder Milben etc., aber die kann man leicht erkennen, falls sie vorhanden sind. Im Zusammenhang mit der anderen Beschreibung könnte man sie theoretisch aber als Ursache ausschließen, denn die beschriebenen Verhältnisse genügen hinreichend, einen Aga zum Rupfen anzustiften.
Gruß, Silke.