Re: Verhornung der Wachshaut
[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ] Geschrieben von Moni am 22. November 1999 17:04:59:
Als Antwort auf: Re: Verhornung der Wachshaut geschrieben von Silke am 19. November 1999 10:47:21:
Liebe Silke,
vielen Dank für die prompte und ausführliche Antwort.
Trotz Lupe bin ich mir nicht ganz sicher, ob es sich
wirklich um diese Grabmilben handelt. Wahrscheinlich ist es so, aber ich müßte das einfach schon mal gesehen haben, mir fehlt der Vergleich. Ich möchte meine zwei Wellis auch
auf keinen Fall falsch behandeln. Es ist auch wirklich nur
die Wachshaut befallen, Füßchen, Augen sind in Ordnung. Zumindest hat mich Deine Antwort jedoch darin bestärkt, mich nochmals intensiv um einen versierten Tierarzt zu kümmern. Ich hoffe, daß ich über einen der Züchter viell. doch noch eine entsprechende Adresse erhalte. Und ich werde diesmal sicherlich mißtrauischer sein. Deine Antwort hat mich in
meinen Vermutungen bestärkt.
Zum Thema baden. Unser erster Welli badet sehr gern, am
liebsten, d.h. eigentlich ausschließlich, unter fließendem Wasser, noch besser unter der Dusche. Der zweite ist davon nicht so angetan, er kommt nur zuschauen. Die Blumenspritze
werde ich mal ausprobieren.
Viele Grüße Moni
>Liebe Moni,
>zuallererst muß ich Dich fragen, zu welchem Tierarzt Du gegangen bist? Wenn dieser ein Kleintierarzt ist, der hauptsächlich Hunde und Katzen behandelt und dann noch leichtsinnig mit Hormonen hantiert, solltest Du Dich einmal schleunigst nach einem Vogelexperten umsehen...
>Ich wette 1:100, daß der Vogel, sofern es sich bei dem Belag der Nasenhaut um eine wirkliche Wucherung handelt, also um die Auftürmung neuer Schichten, an Räudemilben leidet. Diese sind übertragbar - kein Wunder also, daß der neue sie nun ebenfalls hat.
>Ob es sich um Räudemilben handelt, kann auch ein Laie mit geringem Aufwand selbst feststellen: Bitte nimm eine gute Lupe und betrachte die Verhornungen auf der Nasenhaut des Vogels. Siehst Du darin feine Gänge, sieht der Belag schwammig-löchrig aus?
>Das sind die Gänge der kleinen Grabmilben, die sich im Horn eingenistet haben.
>Behandelt wird diese Infektion mit Paraffinöl aus der Apotheke, welches aufgepinselt wird. Die Milben ersticken unter der Wachskruste. Die Behandlung muß in einigen Abständen wiederholt werden.
>Empfehlenswert ist die Selbstbehandlung aber nur für jemanden, der den Vogel auch gut festhalten kann, in den Schnabel oder gar in die Augen darf das Präparat nicht gelangen. Außerdem könnte es sein, wenn die Infektion schon lange vorliegt, daß auch Bereiche der Füße oder sogar die Gegend um die Kloake, aber auch im Augenbereich bereits Hautstellen befallen sind. Dort darf natürlich (außer Füße) nicht mit Paraffin gearbeitet werden, sondern dann ist ein verdünntes Antiparasitikum (z. B. Ivomec) in den Nacken zu träufeln. Die Haut des Vogels ist - völlig gegensätzlich zu der der Säugetiere - so absorbtionsfähig, daß sie gut das Präparat über die Haut aufnehmen kann.
>Gerade wegen der besonderen Empfindlichkeit der Vogelhaut benötigt diese auch sehr gute Pflege, wobei die Vögel zumeist selbst instinktiv dafür sorgen, wenn wir ihnen die Möglichkeiten bereitstellen. Ein wichtiger Punkt ist deshalb das regelmäßige Bad. Badescheue "Elemente" sollte man, auch wenn sie es nicht gleich mögen, ruhig einmal mit der Blumenspritze einsprühen. Stellt man die Düse auf ganz fein und sprüht ihnen nicht direkt ins Gesicht, gewöhnen sie sich leichter daran.
>Übrigens, Räudemilben haben nichts mit fehlendem Bad zu tun. Einige wenige Tierchen sitzen auf jedem Vogel. Das tut ihm gar nichts. Jedoch, ist der Vogel durch Erkältung, starke Mauser etc. sehr geschwächt, können sie sich rasant vermehren und das bekannte Krankheitsbild verursachen. Deshalb sollte man die Plagegeister schnell bekämpfen. Die hornigen Krusten fallen später von allein ab.
>Zu dem Hormon"problem". Tatsächlich bewirken Hormone Veränderungen der Nasenhaut. Die Veränderungen, die sie allerdings bewirken (Blaufärbung beim Männchen, Rot- bzw. Braunfärbung bei Hennen bzw. auch leichte Krusten) spiegeln nur den regelmäßigen Zyklus der Tiere wider, zeigen Brutlust und Geschlechtsreife an. Sie sind völlig natürlich und sollten niemals mit Hormonen behandelt werden. Hormone sind wirklich ein NOTmittel, wenn Hennen an Legenot einzugehen drohen und drastische Sofortmaßnahmen angesagt sind oder wenn wirklich organische Störungen vorliegen. Die muß man aber erst einmal diagnostizieren. Deshalb kann ich nur jedem Vogelbesitzer empfehlen, sehr mißtrauisch zu sein, wenn sein Arzt aus nichtigem Anlaß Hormonspritzen empfiehlt.
>Diese Hormone beeinflussen in hohem Maße den Organismus des Tieres. Da pfuscht man nicht einfach herum.
>Also, Marion, überprüfe zunächst die Milbenvermutung und suche Dir, wenn es an dem ist, unbedingt einen anderen Tierarzt, denn ein Arzt, der diese Lappalinfektion nicht erkennt, ist leider - ungeachtet seiner sonstigen Verdienste bei der Kleintierbehandlung - nicht der kompetente Arzt, zu dem man einen kranken Vogel bringen sollte. Ich will damit den Ruf des Arztes nicht schmälern, aber Vogelmedizin ist ein Spezialgebiet und ich kann sicherlich nicht verlangen, daß jeder Arzt sich damit gleichermaßen auskennt, aber wenn ich wirklich so wenig Erfahrung damit habe, sollte ich so ehrlich sein und an einen kompetenten Kollegen verweisen und nicht einfach das Medizinschränkchen öffnen und etwas Lustiges heraussuchen.
>Ich bin selten so rabiat, wenn es um die Beurteilung von Tierärzten geht, weil ich um das Problem der Vogelbehandlung weiß und wie wenig noch bis vor kurzen darüber an den Unis gelehrt wurde, aber wenn er tatsächlich Räudemilben mit Hormonspritzen behandelt hat, dann ist die Grenze erreicht, wo Unwissenheit einfach gefährlich wird.
>Gruß, Silke.