Re: pelletiertes Futter
[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ] Geschrieben von Silke am 15. November 1999 09:35:48:
Als Antwort auf: pelletiertes Futter geschrieben von Capi am 13. November 1999 10:33:34:
>Hallo,
>wer kennt sich mit pelletierten Futter aus?
>Ein Händler riet mir, es mal mit Kaytee zu probieren. Da wir Wellensittiche und Nymphensittiche zusammenhalten, meinte er daß das Nymphensittichfutter am besten geeignet wäre.Pelletiertes Futter ist ernährungsphysiologisch sicher optimal zusammengesetzt, aber in der Futteraufnahme für jeden Sittich stinkelangweilig und wenig geliebt. Als Ergänzungs-/Mischfutter (aber Achtung, Dosierung nie vergessen) ist es sicherlich ratsam, auch bei bestimmten Erkrankungen ist Pelletfutter gesundheitsförderlich bzw. überhaupt eine Chance, den Vogel am Leben zu erhalten (Beispiel GLS), wenn sich nicht jedes Experiment schon aufgrund des erbärmlichen Zustandes des Vogels und der unsicheren Erfolgschancen verbietet. Auch für wenig erfahrene Urlaubspfleger könnten Pellets das Non-plus-Ultra sein, denn eine Fehlfütterung, wenn die Dosierung eingehalten wird, ist praktisch unmöglich und die Tiere sind über Wochen ausgewogen versorgt.
ABER: (und nun zu den Negativ-Aspekten) - Es ist praktisch unmöglich, Wellensittiche, die nicht von Kleinauf Pellets fressen, auf diese umzustellen! Sie würden vor dem gefüllten Napf eher verhungern, als die harten Krümel zu fressen. Das Futter entspricht nicht dem durch natürlichen Instinkt geprägten Futterschema, bei dem eine Saat durch ENTHÜLSEN freigelegt wird. Der Vogel wird das Futter - wenn er es überhaupt anguckt - u. U. sogar nur im Schnabel zermahlen und herauskrümeln lassen. Oftmals nehmen Wellis die Körner nur in den Schnabel, tasten ein bißchen mit der Zunge darauf herum (wenn sie überhaupt davon zu überzeugen sind, daß die Pellets nicht beißen) und lassen es dann fallen. Auch bei mir hat jeder Versuch, ob mit Saft oder Wasser eingeweicht, ob grob zerstoßen unter Lieblingsgrünzeug untergemischt oder wie auch immer, kläglich versagt. Sie haben es nicht gefressen.
Dieselben Erfahrungen sind bei einem Versuch der Tiermedizinischen Hochschule Hannover herausgekommen: sie verhungern lieber, als Pellets zu fressen.
Ein anderer negativer Aspekt, über dessen Wahrheitsgehalt sich aber Erzeuger und Kontrahenten erbärmlich streiten, ist der, daß die ständige Verdauung dieser weichen Nahrung die Darmtätigkeit zu wenig fördern soll und somit Verdauungsprobleme fördern soll.
Mein persönliches Fazit: Wem es gelingt, seine Vögel an das ungewöhnliche Futter zu gewöhnen, der hat sicherlich eine gute Alternative bzw. Bereicherung des Futterangebotes, da Urlaubsbetreuung (jedenfalls futtermäßig) kein Problem mehr ist, da Winterfutter auch ohne große Vorratshaltung an gefrorenen Vitaminbomben auch ausgewogen sein kann und da im Krankheitsfalle (wenigstens bei bestimmten Marken) absolut pilzsporenfreies Futter angeboten werden kann. Auch Leberprobleme (und andere Stoffwechselkrankheiten) sollen damit therapieunterstützend behandelt werden können.
Trotzdem: Pellets allein schmecken langweilig und beschäftigen den Vogel nicht mal bei der Nahrungsaufnahme - und unsere Vögel haben schon weniger Beschäftigung als gut täte. Und: Um sicher zu gehen, daß die Vögel das Futter wirklich fressen, müßte man vorübergehend jeden Abend die Reste wiegen und kritisch den Ernährungszustand der Vögel prüfen. Da diese jedoch durch ihr Gefieder das sehr gut verschleiern können, hieße das: regelmäßig wiegen bzw. abtasten.
Zur Sorte: Bei unseren recht faulen Stubenbrummern genügt vollauf die Wellensittich-Sorte, die am energieärmsten und fettärmsten ist. Wenn es bei Kaytee äquivalent zu anderen Marken auch Umstellungsfutter und Erhaltungsfutter geben sollte, sollte man die Sorten nach der Eingewöhnung auf Erhaltungsfutter umstellen.
Gruß, Silke.