Re: Männchen oder Weibchen-Welli?
[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ] Geschrieben von Martina am 02. November 1999 22:12:03:
Als Antwort auf: Re: Männchen oder Weibchen-Welli? geschrieben von Silke am 02. November 1999 15:09:09:
>Hallo Silke!
Also das ist ja unglaublich, wieviel Du schreiben kannst und was für ein immenses Wissen Du hast - ich habe schon einige Deiner Beiträge mit Interesse gelesen. (Neben den Vögeln ist Schreiben wohl Dein zweitgrösstes Hobby???)
Nun bin ich mir zwar immer noch nicht sicher, ob Männchen oder Weibchen, aber ich tendiere nach wie vor zu Weibchen. Mein Vogel hat nämlich zwei Brüder, die ich persönlich kenne und die sich im Vergleich viel "männlicher" verhalten (sie sind auch anhand der Nasenhaut offensichtlich männlich). Das heisst für mich, sie sind aggressiver, lauter (quasseln den ganzen Tag), agiler und balzen auch viel mehr mit ihren Haltern. Das tut meine(r) nicht, er ist sehr ruhig, lieb und beschäftigt sich auch ganz gern selbst mit Sachen anknabbern und die Gegend erkunden. Nur zickig wird "sie" manchmal, was ich auch als typisch weiblich sehe!!!!!!
Schlechte Ernährung kann eigentlich auch nicht sein, da der Vogel in unserem Hause geboren ist und von den Eltern und auch uns sehr gut (bilde mir ein, nach Fachlektüre und persönlicher Erfahrung nichts versäumt zu haben) versorgt wurde. Alle Jungvögel waren gross, dick und gut entwickelt.
Eigentlich wollte ich nun KEIN echtes Pärchen haben, da wir keinen weiteren Nachwuchs wollen. Daher würde ich lieber ein gleichgeschlechtliches Tier haben... ist das schlecht?
Also vielen Dank nochmal für Deine ausführliche Antwort!
Gruss Martina
>>also ich habe einen inzwischen 11 Monate alten grünlich-gelben Wellensittich, von dem ich eigentlich dachte, er sei ein Weibchen, in letzter Zeit bin ich aber nicht mehr so sicher. Die Nasenhaut ist nämlich unten herum bläulich (wenn auch hellblau) und oben herum weisslich-beige.
>Klingt durchaus männlich. Würde aber umgedreht darauf hinweisen, daß es sich bei Deinem Vogel um einen Mickerling handelt. Ein Hahn mit nicht völlig ausgefärbter, blaßblauer Nasenhaut produziert nicht in dem Maße Hormone, die die Färbung der Nasenhaut bewirken. Ursache kann eine Unterentwicklung, verursacht durch Unterernährung im Nestlingsalter, oder eine Erkrankung sein. Die sollte Dir jetzt keinen Anlaß zur Sorge bereiten, denn wenn der Vogel gesund und aktiv ist, keinen auffälligen Kot absetzt und überhaupt keine merkwürdigen Dinge tut, wird er auch nicht erkrankt sein. Du solltest nur wissen, daß ein solcher Vogel viel anfälliger für Erkrankungen ist, als ein normal entwickelter.
> Die ganz typischen Männchen-Verhaltensweisen zeigt sie/er nicht, also vermute ich eher, sie/er ...?... ist doch ein Weibchen.
>Das mußt Du mir jetzt doch mal erklären: Was ist für Dich ein typisches Verhaltensmuster, daß er/sie zeigen sollte? Gerade Weibchen zeigen ein typisches Verhaltensmuster, wenn sie es zeigen und Männchen sind eher typisch unauffällig, finde ich.
>Oder zu deutsch: Weibchen sind zumeist deutlich ruhiger (stimmlich), sind oft deutlich herrischer, deutlich aggressiver und deutlich phlegmatischer. Männchen sind dagegen "gewohnt" quirlig, im Schwarm sehr gesellig, stimmlaut, aber repertoirereich im Gesang, während Weibchen oft nur dünne, spitze Töne zusteuern.
>Und überhaupt läßt sich das am genauesten sagen, wenn man Hennen und Hähnen im direkten Vergleich, weil zusammen, vor sich sieht.
>Und dann gibt es noch die berühmten Abweichen vom Standard-Schnittmuster. Es heißt gewöhnlich abzuwägen, ob der Vogel mehr typisch weibliches oder mehr männliches Verhalten zeigt. Und wenn der Vogel dann noch äußerlich zu dem einen oder anderen Typ paßt, dessen Charaktermuster er bedient, kann man mit haarscharfer Treffgenauigkeit sagen, ob junges Weiberl oder blutjunger Hahn.
>>Das ist wichtig für mich, denn ich möchte den Vogel vergesellschaften und weiss nicht, ob ich ein Männchen oder Weibchen besorgen soll.
>Das heißt, Du willst auf jeden Fall ein echtes Pärchen haben. Was ich prinzipiell auch am besten finde. Allerdings muß ich dazu sagen, daß die Tatsache, daß man Männlein und WEiblein dann gefunden hat, noch kein Garant für größte Liebe und Charaktergleichheit ist. Das ist gewöhnlich am wichtigsten, wenn man möchte, daß die Tiere sich mögen und glücklich sind.
>>Vertragen sich denn zwei Weibchen? Vielen Dank (hoffentlich) im voraus!
>Vorausgesetzt, die Charakter stimmen, vertragen sich natürlich auch zwei Weibchen. Die Situation kann natürlich kippen, sobald ein einzelner Hahn zu den zwei Weibchen käme und diese in Rivalität träten... Verstehen sich die beiden außerordentlich gut, passiert selbst dann nichts, aber das ist eigentlich die klassische Konstellation, wo es richtig handfesten Zoff gibt. (Mein Hahn, mein Nistkasten, kräh...)
>Und es ist nicht perfekt gelaufen, wenn dann plötzlich zwei Hennen nach Nistgelegenheiten suchen...:-(
>Aber ansonsten sind Wellis doch vergleichsweise leicht zu vergesellschaftende Vögel, die wenig Tamtam um ihre/n Zukünftige/n machen. Die Hähne nehmen sowieso so ziehmlich alles, was kommt und die Weibchen lassen sich notgedrungen auch mit reichlich doofen Hähnen ein. Das ist nicht schön und des öfteren mies gelaunte Hennen zeigen das deutlich, aber da tickt die Uhr der Natur. Wellis müssen sich reproduzieren und das ist die treibende Kraft, die immer wieder siegt.
>Will man es aber perfekt machen, läßt man die Vögel selbst auswählen: entweder bei einem Besuch beim Züchter, der den Vogel zu seinen Jungvögeln einige Tage mit in die Voliere setzt (ein Hobbyzüchter ist sicherlich verständnisvoller als ein Massenverkäufer), dann muß man den Werdegang aber auch weiter verfolgen - oder, indem man ein Rückgaberecht vereinbart, wenn die beiden nun gänzlich verschiedene Charaktere zeigen oder man wählt einen Vogel aus dem Tierheim.
>Den kann man nicht nur selbstverständlich zurückbringen, wenn's nicht gutgeht, der freut sich auch noch doppelt, in bessere Gesellschaft zu geraten.
>Und bei Wellis ist eine Tierheimadoption eigentlich recht ungefährlich, da bei diesen außerordentlich geselligen Vögeln selten irgendwelche Fehlprägungen wirklich irreparabel sind. Sprich, selbst wenn der Vogel dann eigentlich eine kleine Macke hätte, er würde sie mit großer Sicherheit ohnehin schnell wieder vergessen.
>Also irreparabel - da habe ich, glaube ich bisher nur einen Vogel kennengelernt. Naja, eigentlich nicht persönlich, wobei, das hätte ich mir wohl auch nicht angucken können... Aber ich kenne die Story um ihn und habe die entsprechenden Bilder gesehen: Der war so menschenbezogen, daß er nicht selbständig fressen wollte, nur aus dem Mund seines Pflegers fraß und sich am liebsten an ein gelbes Plüschentchen kuschelte, was fast größer war als der Vogel selber. Sprich, er benam sich wie ein Nestling, dessen Mutter der Pfleger war.
>So etwas ist ein Bild des Elends und es gehört sicherlich sehr viel System dazu, ein Tier so zu verderben. Hätte mir den jemand zur Pflege gegeben, hätte ich die Halter angezeigt, soviel ist sicher. Ich fürchte nur, daß selbst das nicht einmal was gebracht hätte...
>Ich bilde mir aber trotzdem ein, daß selbst dieser Vogel Fortschritte gemacht hätte - ob er allerdings jemals von seinen Artgenossen akzeptiert worden wäre und jemals einen Partner gefunden hätte, ist wirklich fraglich. Das ist aber der einzige Fall, den ich wirklich als recht hoffnungslos beurteilen würde. Denn für normal geprägte Wellensittiche ist solch ein Vogel einfach geistesgestört und wird gemieden wie die Pest...
>Gruß, Silke.