Re: "Paco" in der Mauser
[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ] Geschrieben von Silke am 20. Oktober 1999 um 13:20:57:
Als Antwort auf: geschrieben von Daniel am 10. Oktober 1999 um 18:28:28:
Sorry, ich sehe erst jetzt Deine Anfrage...
>1) Färben die vorhandenen Federn bei Geschlechtsreife um, oder wachsen neue, die dann direkt gelb sind?
Es wachsen neue Federn. Wie der Name schon sagt, mausert der Vogel und bekommt daher ein neues, nämlich das Erwachsenenfederkleid, welches in jedem Fall farbenkräftiger ist - bei einigen Vogelarten auch typische Geschlechtsmerkmale beinhaltet.
>2) Kann es sein, dass ein Nymphensittich schon vor der ersten Jungmauser Federn verliert und neue bekommt ??
Die erste richtige Mauser nach dem Flüggewerden ist die Jugendmauser. Natürlich werden bestimmte Teile des Gefieders im Laufe der Monate etwas länger und auch die Farbintensität kann nochmals zunehmen. Genauso, wie sie allerdings bei Krankheit, Schwäche etc. bei einem erwachsenen Vogel wieder abnehmen kann, typisch ist, daß geschlechtsspezifische Merkmale herausgebildet werden. Du darfst auch nicht erwarten, daß der Vogel sein komplettes Federkleid mit einem Mal abwirft, nackt dasteht und dann ein ganz neues Federkleid bekommt. Dieser Prozeß dauert ein Weilchen und der Beginn der Mauser zeigt eigentlich an, daß der Vogel seine Reife vervollkommnet. Nach einer Weile sieht er dann wirklich aus wie die Alten.
>3) Haben Weibchen eigentlich ein komplett graues Köpfchen, oder köönen haben sie auch gelbe Stellen unterm oder überm Schnabel haben ??
Muß ich passen, ich bin kein Nymphenspezialist und kenne mich bei den zahlreichen Farbschlägen nicht aus.
>4) Stimmt die Aussage des Züchters, er könne das Geschlecht am Legeknochen ertasten ??Jein. Angeblich gibt es Züchter, die eine hohe Trefferquote bei diesem Test erzielen. Aber die Fehlerquote ist sehr hoch. Der Abstand zwischen den Beckenknochen ist beim Weibchen etwas größer. Nun ist aber nicht jeder Vogel ein Standardvogel aus dem Bilderbuch oder manch einer ist besonders zierlich gebaut und manch einer zeigt seine körperliche Domestikation kräftiger - ich würde mich darauf keinesfalls verlassen.
Allerdings habe ich von mehreren ernstzunehmenden Leuten gehört, daß eine Gefiederzeichnung auf der Unterseite der Schwanzfedern (ich weiß allerdings nicht, ob bei allen Farbschlägen, aber er soll ja wildfarben sein) ausgewachsene Weibchen enttarnt. Vielleicht mußt Du dazu noch ein bißchen warten, bis das Gefieder richtig ausgebildet ist.
>5) Kann man am Verhalten erkennen, ob es ein Männchen oder Weibchen ist (vor der Geschlechtsreife). Die Männchen balzen ja glaube ich erst ab der
>Geschlechtsreife. Ich habe mir aber sagen lassen, dass die Männchen viel zutraulicher, bzw. anhänglicher sind.Stimmt das??...und hat es was mit dem Geschlecht zu
>tun, wenn ein Nymphie absolut oberfrech ist ??Also, die Punkte, die Du da angeführt hast, sind auf jeden Fall KEIN Kriterium. Ohne jetzt einschlägige Erfahrungen mit Nymphen speziell gesammelt zu haben, muß ich einmal verallgemeinernd rückschließen: Bei Papageienartigen ist die Balzhandlung - im Gegensatz zu vielen anderen Vögeln - nicht eine Domäne der Hähne, auch wenn es bestimmte Nuancen dabei gibt, an denen man immer Hähne erkennt und Weibchen meist ein bestimmtes Verhalten zeigen. Aber: zu sagen, Männchen balzen, Weibchen nicht, ist sicherlich auch bei den Nymphen nicht richtig.
Den Aspekt mit der Zutraulichkeit kann ich dagegen schon fundierter ausräumen: Die Zutraulichkeit hängt ganz und gar nicht mit dem Geschlecht zusammen, sondern mit dem individuellen Temperament des Vogels und dem fehlenden Artgenossen. Jeder Vogel, der frühzeitig aus seinem Schwarm genommen wird, von seinen Artgenossen isoliert und in die Gesellschaft von Menschen gesetzt wird, wo sich die Menschen zurückhaltend mit ihm beschäftigen, wird sehr zahm. Ja manchmal sogar lästig zahm. Aber das entspricht dem Wesen des Vogels und zeigt eigentlich nur, wie wenig wir seine Bedürfnisse nach Gesellschaft befriedigen können. Papageienvögel brauchen Tag und Nacht Kontakt, ja zumeist sogar Körperkontakt zu ihren Artgenossen, am meisten zu ihrem Partner. Vermißt der Vogel dies, kommt es über kurz oder lang zu schweren seelischen und körperlichen Krankheiten...
Bei aller Freude über die Zutraulichkeit Deines Vogels solltest Du wirklich ernsthaft über einen artgenössischen Partner nachdenken, wenn Du dem Tier einen Gefallen tun willst. Wenn Du Dich weiterhin aufmerksam zeigst, wird er sich nicht komplett von Dir abwenden, Zutrauen zu Dir hat er ja nun schon gefaßt. Der neue wird Dir freilich etwas schüchterner gegenübertreten, sich dann aber am Alteingesessenen orientieren.
Das heißt aber, daß Du Dich weiterhin ausgiebig mit beiden beschäftigen mußt, und zwar mit einer besonderen Zurückhaltung gegenüber dem Neuen, damit er nicht gleich ängstlich wird.
Ansonsten: Du hast Dich sehr für die Geschlechtsbestimmung interessiert - warum eigentlich? Wolltest Du einen passenden bzw. bewußt gleichgeschlechtigen Partner kaufen?
Gruß, Silke.