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Re: Aufgeregter Welli


[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ]


Geschrieben von Silke am 20. Oktober 1999 um 11:59:32:

Als Antwort auf: Re: Aufgeregter Welli geschrieben von Thomas am 19. Oktober 1999 um 20:47:16:

>Dass der neue vieles dem alten nachmacht ist normals. Er will den Platz des Platzhirsches einnehmen. (...)Der junge vertreibt immer den alten; das ist Natur: Machtkampf zwischen zwei Männchen.

Lieber Thomas,

hier bist Du einem Irrtum aufgesessen: Wellihähne kämpfen keine Rangordnung aus.

Aber, obwohl die Dominanz eigentlich das Metier der Hennen ist, gibt es durchaus sehr vorwitzige und kecke sowie schüchtern-zurückhaltende Hähne. Und Futterneid ist bei den Wellis sehr ausgeprägt - also "Streit" um die besten Happen wird es unter den engsten Verwandten immer geben. Allerdings besteht dieses "Vertreiben" lediglich in einem ziellosen Scheinhacken in die Luft oder in das Gefieder des Störenfriedes, welcher daraufhin gewöhnlich gleich das Feld räumt, um sich von einer anderen Seite wieder heranzuschleichen. Bei einem Schwarm von zehn und mehr Wellis, die sich um wenige Futternäpfe drängen, sieht es dann so aus, daß abwechselnd ein Vogel vorn ist und versucht, seinen günstigen Standplatz zu verteidigen. Und meistens gewinnen die Damen, die sowieso einen Vorrang beanspruchen und auch behaupten und deren Vorteil dabei auch ist, daß die Hähne naturgemäß nachgeben.

Echte Kämpfe zwischen Männchen finden höchst selten statt, meist ist dabei der Streit um ein Weibchen die Ursache, wobei der glückliche Sieger im Kampf nicht unbedingt der Favorit des Weibchens ist. Diese suchen sich ihren Hahn nach ganz persönlichem Geschmack aus, der Charakter spielt dabei z. B. eine große Rolle.

Bei den Hahnenkämpfen stehen sich die Gegner mit aufgerissenem Schnabel gegenüber und stemmen sich die Füße vor den Bauch. Diese Kämpfe sind eigentlich mehr Drohgebärden und verlauten i.d.R. unblutig.

Ein angreifendes WEibchen dagegen hinterläßt nicht selten heftige Verletzungen, wenn der Angegriffene nicht rechtzeitig den Rückzug antritt oder nicht fliehen kann, weil beide in einem kleinen Käfig sitzen. Dementsprechend drohen Weibchen im Ernstfall mit aufgerissenem Schnabel gegen den Kopf des Opfers und warnen oft mit heiserem Kehllaut. Das unglückliche Opfer wird dem Schnabel zunächst mit seinem Paroli bieten (ohne zu krächzen), dann aber schnell die Flucht ergreifen.

Da Männchen naturgemäß dem Weibchen nachgeben, finden also richtig blutige Kämpfe nahezu ausschließlich zwischen Weibchen statt, die heftig um Männchen, Nistkästen, Reviere etc. streiten. Unter den WEibchen muten die Zwistigkeiten schon eher wie Rangstreitigkeiten an, denn ich habe schon oft beobachtet, wie eigentlich unterlegene Weibchen die zweitweilige Schwäche einer Favoritin nutzten, um sie so richtig zu piesacken. Männchen sind in diesen Dingen weitaus toleranter, dulden Rivalen und Geschlechtsgenossen in ihrer Nähe und balzen grundsätzlich auch mit anderen Männchen, verjagen diese allerdings natürlich vor ihrem Paarungsakt, damit sich nicht "dazwischenschleichen" können. Gewöhnlich zieht ein paarungsbereites Weibchen sofort sämtliche männlichen Voliereninsassen an, da es mit der Monogamie in der Gefangenschaft nicht allzu weit her ist.

Aber gerade verwandte Männchen werden oft vom Hahn in Nähe des Nistkastens geduldet und freundlich behandelt.

Das Problem mit der Unterdrückung eines einzelnen liegt m. E. also auf ganz anderer Ebene: Die Vögel haben ganz ausgeprägte Charaktere. Sind diese einigermaßen gleich, also, besitzen die Tiere ein etwa gleiches Temperament, kommt es eigentlich nicht zu solchen Szenen, wo regelmäßig einundderselbe Vogel kuschen muß. Trifft aber ein relativ dominanter Vogel auf einen sehr zurückhaltenden, wird er immer weichen und ggf. darunter auch leiden. Umgedreht findet der dominante in dem ruhigen oft keinen passenden Spielpartner. Im großen Schwarm gleichen sich solche Mankos durch die Zahl der Schwarmmitglieder aus. Niemand kommt zu kurz oder wird regelmäßig unterdrückt. In einer sehr kleinen Gruppe oder gar in Zweiergemeinschaft kann sich die Situation zuspitzen, der eine ist gelangweilt, der andere gestreßt. Im Extremfall kann es dann sogar soweit kommen, daß der unterdrückte Partner zu rupfen beginnt, aus klassischem Anlaß der Einsamkeit, obwohl er ja einen Artgenossen hat.

Umgedreht gibt es oft Gezeter, wenn beide voneinander getrennt werden, weil sie ja nun mal nur sich gegenseitig haben. Manchmal ist das Gezeter aber auch nur einseitig, nämlich bei dem dominanten Tier.

So sind manche Sittiche schon nach dem Tod des Partners erst richtig aufgeblüht und munter geworden. Dies sieht man aber meist bei den längerlebenden, größeren Sitticharten. Oftmals sind diese Tiere dann durch die jahrelange Unterdrückung nicht mehr mit Artgenossen zu halten, sie begegnen ihnen mit Mißtrauen und übermäßig abweisend. Haben sie inzwischen einen besonderen Bezug zum Menschen aufgebaut, leben sie mit ihm allein am glücklichsten (vorausgesetzt, die erneute Vergesellschaftung ist bereits vollends fehlgeschlagen, versuchen würde ich es jedoch in jedem Falle noch einmal) oder, wenn dies auch nicht der Fall ist, suchen sie oft den Kontakt zu kleineren Sittichen, denen sie sich nicht unterlegen fühlen.

Wenn man also zwei häufig streitende Wellis hat, sollte man zunächst die Entwicklung abwarten, wie sich die Situation weiterhin entwickelt und ob grundsätzlich ein bestimmter Vogel den kürzeren zieht und die Situation ggf. dadurch entschärfen, daß man ein weiteres Schwarmmitglied (möglichst ein ausgeglichenes Tier) dazugesellt.

Gruß, Silke.




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