Für die Einträge sind alleine die Poster verantwortlich.Alle IP-Adressen werden registriert.Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen!
Sponsor Sponsor Sponsor

mogel.com

Re: Papageienkrankheit


[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ]


Geschrieben von Silke am 13. September 1999 um 12:10:34:

Als Antwort auf: Re: Papageienkrankheit geschrieben von Jens am 10. September 1999 um 14:43:02:

Liebe Leute,

jetzt werde ich mich doch einmal reinhängen, denn hier herrscht doch mächtiges Chaos!

Zunächst: Liebe Clarissa, den Rat, die Eier unfruchtbar zu machen - es ist dann übrigens auch nicht mit einer Totgeburt vergleichbar, da ein tot geborenes Baby entwickelt ist, das angepiekte Ei aber vertrocknet und gar nicht erst einen Embryo entwickelt - gab ich Dir, weil daran nicht nur das praktische Problem des Ausbruchs der Psittacose gegeben ist, sondern ein gesetzliches.

Das Brütenlassen Deiner Sittiche ohne Zuchtgenehmigung ist nach dem deutschen Gesetz strafbar. Es ist richtig, daß viele Amtstierärzte sehr verständnisvoll sind und mitunter auch nachträglich Bruten legalisieren, aber dies liegt gänzlich im Ermessen des jeweiligen Amtstierarztes und es gibt dort ebenso viele verständnisvolle Leute wie auch elende Krümelk..., die Dir im Zweifelsfalle ein Verfahren an den Hals hängen, wenn...

Erst vor kurzem hat ein Amtstierarzt bei einer Bekannten verlangt, daß ihre Wellensittiche Transponder in den Brustmuskel eingesetzt bekommen müßten, wenn sie brüten möchten. Die Ringe sind nach tierärztlichem Ermessen damals entfernt worden. Praktisch ist es aber nicht möglich, Wellensittiche zu chippen, der Amtstierarzt stellt sich aber quer und dumm und verweigert eine Neuberingung. So blöd kann man schon mal dastehen, wenn man immer nur auf die Objektivität und das Verständnis von Amtspersonen baut.

Deshalb meine Empfehlung: erst Sachkundeprüfung machen (kann Dir ja auch nicht schaden, ein bißchen mehr Wissen anzuhäufen), dann züchten.

Zweitens: Psittacose. Diese Krankheit wird durch Clamydien übertragen. Der Erreger befällt sowohl Vögel als auch Menschen und kann bei besonders empfindlichen Personen (Allergiker, Kinder, alte und kranke Leute) zum Tode führen. Die Dunkelziffer der noch ausgebrochenen Psittacoseinfektionen ist sehr hoch, denn die meisten gestorbenen Tiere werden überhaupt nicht seziert. Die landen einfach im Garten unter einem Holzkreuzchen. Auch viele Züchter sind leider recht verantwortungslos und drehen lieber mal drei/vier Vögeln das Genick um, bevor sie ihre ganze Zucht in Quarantäne legen lassen und teure Antibiotika bezahlen oder gar den ganzen Zuchtbestand einschläfern lassen. Noch immer landen Jungvögel im Handel, die bereits infiziert sind - naheliegend, daß zumindest einige Alttiere bereits erkrankt sein müßten.

Auch ich kenne eine Züchterin, die vor einiger Zeit Psittacose in ihrem Bestand hatte und dies trotz kleiner Hobbyzucht und Zimmervolieren. Da hilft manchmal die größte Sorgfalt nichts, Infektionsquellen gibt es genug.

Sie rätselt noch heute, ob sie die Krankheit mit einem Pärchen Sittiche eingeschleppt hat, die sie zur Urlaubspflege da hatte - die Vögel waren dem Augenschein nach völlig gesund oder ob vielleicht mal ein infizierter Wildvogel in den Vogelkäfig gesch... hat, als er auf dem Balkon stand oder wie auch immer.

Dann heißt es auch nicht automatisch, daß jeder optisch gesunde Vogel auch wirklich gesund ist. Es gibt die sogenannten Dauerausscheider, die täglich mit ihrem Kot Chlamydien ausscheiden und selbst nie Krankheitszeichen zeigen.

Damit kommen wir zum Nachweis. Die Chlamydien werden über eine Kotprobe, die auf Kulturmaterial gebracht wird, nachgewiesen.

Alles in allem, man kann sich jetzt heißreden, ob die Gesetze überaltert sind, ob sie zum Schutz der Menschen und Tiere wirksam sind - sie sind trotz allem gültig. Umgedreht, man kommt vielleicht schneller in die Verlegenheit, Psittacoseverdacht in den eigenen Volieren zu haben, als man denkt.

Ich persönlich würde das Risiko bei einem Neuzugang immer nach Augenmaß abschätzen, akzeptiere aber durchaus die Menschen, die neue Vögel grundsätzlich testen lassen. Ich bin mir des Restrisikos durchaus bewußt, welches ich eingehe, wenn ich Urlaubsgäste beherberge oder einen neuen Vogel mitbringe.

Ach ja, woran erkennt man Psittacose? Die Symptome sind unklar, erinnern an eine heftige Erkältung. Auch dies macht die klare Diagnose der Krankheit schwierig. So manch ein Vogel, der an "Lungenentzündung" eingegangen sein soll, hat sicherlich Psittakose gehabt. Bei einem Menschen, der Kontakt zu Vögeln hat und plötzlich an einer heftigen Erkältung erkrankt ist, mit Fieber und starkem Husten etc. sollte vorsichtshalber immer den Arzt darauf hinweisen.

Gruß, Silke.




Antworten:


mogel.com      Eva Marbach


[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ]