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Re: Eindrücke von der Vogelschau in Alsfeld


[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ]


Geschrieben von Silke am 21. November 2000 08:47:15:

Als Antwort auf: Re: Eindrücke von der Vogelschau in Alsfeld geschrieben von Rainer am 20. November 2000 21:28:42:

Hallo Rainer,

>Bei allen speziellen Züchtungen von Lebewesen, ob nun Vögel, Hunde oder andere Spezies, habe ich Bedenken, nicht nur ethische (Stichwort "Kampfhunde"), sondern auch rein biologische.

Es gibt allerdings eine Sache, wo ich auch einen Abstrich machen muß: Nutzzüchtungen. Jeder Hirtenhund ist einmal gezüchtet worden, um Eigenschaften wie Wachsamkeit, Gehorsam, Widerstandsfähigkeit, Bewegungsfreude usw. zu erhalten. Jedes Schwein, jedes Schaf ist einmal durch Selektion entstanden, das Schwein als Fleischlieferant mit dickem Schinken, das Schaf als Tier mit viel Wolle. Manche Rinder sind auf Widerstandsfähigkeit gezüchtet worden, um auch in Hochgebirgsregionen überleben und Fleisch und Milch bringen zu können.

Das sind alles Aspekte, denen wir uns nicht verschließen können. Die müssen wir akzeptieren.

Ich ziehe dabei aber auch Grenzen. Wenn eine Kuh ein Euter trägt, daß auf den Boden schleift, wenn ein Schwein noch ein paar und noch ein paar Rippen mehr bekommen muß, um noch länger und fleischiger zu werden und wenn vor allem die Haltungsbedingungen nicht stimmen, vergeht mir etwas der Appetit. Ich meine, wir sollten die Gratwanderung zwischen notwendiger züchterischer Anpassung und Viehhaltung gut ausbalancieren und nicht übertreiben. Die BSE-Seuche zeigt am anschaulichsten, daß wir am Ende damit sogar uns selber schaden.

Ich bin bekennender Nicht-Vegetarier und ich freue mich auch Weihnachten auf meine dicke Ganz oder Ente. Ich akzeptiere, daß Tiere getötet werden (und überhaupt erst geboren werden), damit ich sie esse. Ich erwarte aber, daß sie ein kurzes, aber würdiges Leben führen.

Und so frage ich mich bei jeder Zucht nach dem Sinn oder Unsinn. Es macht für mich Sinn, wenn afrikanische Kühe mit einer Art gekreuzt werden sollen, die immun gegen die von den Tsetsefliegen übertragenen Krankheiten sind (auch wenn ich es schade finde, daß die natürlichen Wildrinder immer mehr von den Nutztieren verdrängt werden, die nur unter Mühen dort überleben können; es ist schade, daß man seine natürlichen Ressourcen nicht besser nutzen kann, aber wir treiben es hier ja genauso). Es macht für mich auch Sinn, wenn man ein Schwein züchtet, daß viel mageres Fleisch trägt, sofern es damit noch normal laufen und leben kann, man sollte nicht übertreiben. Daß man sie dann allerdings mit getrockneten und vermahlenen Tierkadavern großfüttert, ist widerlich. Gut, nun sind Schweine ja Allesfresser und machen sich auch über Kleintiere und Aas her, aber es ist für mich ein Unterschied, ob ein Wildschwein mal einen toten Hasen findet oder ob es systematisch mit Tiermehl hochgefüttert wird. Früher bekamen Schweine Hafer und Mais, um fleischig und groß zu werden. Und Kühe bekamen schon gar keine Fleischabfälle.

So, nun bin ich ganz schön abgedriftet. Naja, ich wollte eigentlich nur relativieren, daß ich sehr wohl mit der Zucht an sich einverstanden bin, sofern sie einem Zweck dient und nicht nur der Dekoration oder dem Ruhm.

Gruß, Silke




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