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Vererbung


[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ]


Geschrieben von Silke am 17. November 2000 13:41:20:

Als Antwort auf: Re: Abschied von Cindy geschrieben von Rainer am 17. November 2000 12:39:04:

Hallo Rainer,


ich hatte schon mal begonnen zu antworten, doch plötzlich klappte mein Browser zu. Also ich versuche es mal aufs Neue.

Wellensittiche sind die am stärksten domestizierten Papageien, die "Ausfallrate" durch Tumore ist nicht umsonst unvergleichlich hoch.

Die Ursachen sind in der Historie zu suchen. Nachdem es gelungen war, importierte Vögel auf Dauer am Leben zu erhalten (man glaube nicht, daß das selbstverständlich war) und zu vermehren (hier beginnt streng genommen schon die Verarmung der Genpools, denn mit wenigen Vögeln wurden zahlreiche gezüchtet), fiel den Züchtern auf, daß einige Vögel Mutationen aufwiesen, wie z. B. eine besonders helle und gelbliche Gefiedervariante. Man begann, Vögel mit gleichen Merkmalen miteinander zu verpaaren und über etliche Weiterverpaarungen (man bedenke wieder, daß als "Basismaterial" deutlich weniger Tiere zur Verfügung standen als heute und Verpaarung eng verwandter Tiere gang und gäbe waren) die erwünschten Farbeffekte zu intensivieren und vor allem zu festigen. Zu Beginn sind diese Mutationen wenig dominant, sie vererben sich also nicht automatisch. Es war Glückssache, eben einen gelblichen Vogel zu züchten und deshalb wurden sie unbedingt zur Zucht weiterverwendet. Das war wohl historisch gesehen der gravierendste Einschnitt in die Vielfalt der Genetik der Wellensittiche. Mit den erwünschten erblichen Faktoren wurden auch unerwünschte gefestigt, unter anderem die Anfälligkeit zur Ausprägung von Tumoren.

Die Entwicklung der Gelblinie und Blaulinie (kam viel später und war eine Sensation) dauerte Jahrzehnte. Das erscheint lang, ist aber für eine solch gravierende Veränderung eine sehr kurze Zeit. Die Natur erledigt so etwas langsamer, aber wohl auch gründlicher.

Wie kann man es aus heutiger Sicht betrachten? Es gibt keinen "unvorbelasteten" WEllensittich. Es gibt aber sehr wohl durch die Zucht belastete Vögel und Vögel, die nach wie vor der eben auch mit negativen Einflüssen behafteten Selektion unterliegen, nämlich die Standards. Ihre genetische Vielfalt ist noch weiter verkümmert als die der ohnehin "gestraften" Normalwellis.

Man kann m. E. nur folgendes tun: Auf möglichst breite Herkunft seiner Vögel achten, weniger hochgezüchtete Vögel bevorzugen und Inzucht im eigentlichen Sinne strikt vermeiden. Da es nicht möglich ist, in einem gemischten Schwarm mit verwandten und fremden Vögeln stets bei der Verpaarung Inzucht zu vermeiden ohne die Tiere zwangszuverpaaren, sollte man die Gelege dieser Tiere präparieren und wenn man ihnen ein Erfolgserlebnis gönnen möchte, ein, zwei Eier anderer Paare unterschieben.

Die direkte Inzucht erhöht das Risiko, kranke oder schwächliche Nachkommen zu produzieren, um ein Erhebliches. Wenn in der jeweiligen Zuchtlinie also latent solche Veranlagungen eingeprägt sind, werden die Nachkommen von Geschwistern mit sehr hoher Sicherheit daran erkranken. Nicht wünschenswert, aber nicht ganz so gefährlich sind die Verpaarungen Elternteil/Kind. Das wird auch bei der Zucht von Farbschlägen praktiziert und halbiert das Risiko von Fehlbildungen und Krankheitsveranlagung gegenüber der GEschwisterverpaarung um einiges.

Wer aber öfter eine Vermehrung zulassen will oder gar züchten möchte, ist gut beraten, blutsfremde Paare zu bilden.

Wenn man seine Vögel also grundsätzlich von einem einzigen Züchter bezieht, sollte man deren Eltern immer erfragen. Besser ist es freilich, aus verschiedenen Quellen zu kaufen, denn die "Blutauffrischung" hält sich auch in einer Züchtervoliere stets in Grenzen. Wer aber ab und zu mal ein Tier aus dem Heim holt oder Abgabetiere aufnimmt (oft zeigt schon die Ringnummer, ob da eine Gefahr bestehen könnte - Züchternummer), läuft wenig Gefahr, zu enge Blutslinien zu verpaaren.

Es ist eben wie bei den Hunden: die dollsten Promenadenmischlinge, also zum Beispiel der mopsgedackelte Pudelbeagle, sind die gesündesten...

So gesehen muß man davon ausgehen, daß die Vögel, die keine Standards bedienen, robuster sind. Am robustesten, weil sie die wenigsten äußerlichen Veränderungen zum Original ausweisen, gelten die grünen Normalvögel (Nicht-Standard). Natürlich sind sie auch nicht mehr original, das versteht sich.

Und natürlich können es auch kleine grüne sein, die das zweite Lebensjahr wegen eines Tumors nicht erreichen. Denn schon die Stabilisierung des Vogels hat einiges gesundheitliches Potential gekostet.

Gruß, Silke.




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