Re: An Silke - Zähmungsversuche
[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ] Geschrieben von Silke am 14. November 2000 09:37:17:
Als Antwort auf: Re: An Silke - Zähmungsversuche geschrieben von Katrin am 14. November 2000 08:29:45:
Liebe Katrin
man kann schlecht einschätzen, ob Paulas abweisendes Wesen aus der Trauer um Pucki heraus begründet ist. Das ist manchmal der Fall, muß es aber in diesem nicht sein.
Wenn sie den Grobi nicht sonderlich mag, kann ein neuer Welli gut sein, aber es ist sicherlich nicht einfach, gleich ihren Geschmack zu treffen. Ein Welli auf Probe wäre also besser als ein kurzentschlossen gekaufter aus dem Laden. (Also erst mal Tierheime durchstöbern...)
Allerdings bin ich nicht sicher, daß dies den Durchbruch zur Zähmung bringt. Der zahme Vogel könnte ebenso schnell scheu werden, wenn er die Reaktion der beiden anderen sieht. Ich denke, hier muß etwas anderes getan werden.
(Abgesehen davon, daß es besonders für einen nestjung verkauften wohl eher ein Schock ist, isoliert zu werden und allein zu sitzen, ich habe dazu in der Vergangenheit schon einiges geschrieben, warum das so ist.)
Wenn die beiden den eigenen Käfig nicht mögen, stimmt daran etwas nicht. Er steht bestimmt zu niedrig oder zu nah am Gang, irgendwie erscheint er nicht gänzlich sicher, sonst würden sie sich bei Gefahr liebend gern darein flüchten.
Ohne einen Käfig, den sie als sicheres Refugium betrachten, hat die Zähmung eine Chancen auf Erfolg, das ist wirklich das A und O.
Wie gesagt: erst mit ihrem Käfig vertraut werden lassen und deshalb den Käfig als geschützte Zone betrachten und unnötige Belästigung darin vermeiden. Das müssen sie begreifen, daß - egal was passiert - sie im Käfig vor allem sicher sind. Damit erspart man sich manchen Ärger: sie gehen abends freiwillig hinein und sie agieren vom Käfig aus zutraulicher. Gitter müssen sie als Schutz betrachten, nicht als Knast.
Freilich wird es nicht allzu leicht sein, sie vom Gegenteil zu überzeugen, wenn sie sich einmal eine Meinung gebildet haben, aber es nicht unmöglich. Dauert freilich eine Weile.
Wenn sie den Käfig einmal als Schutzzone erkannt haben, macht es Sinn sie in Käfignähe mit Leckerlis zu locken. Solange sie selbst oder zumindest noch ein Füßchen usw. im oder am Käfig sitzen, fühlen sie sich dann halbwegs sicher und sie greifen schon mal mutig zu. Funktioniert aber eben nicht, wenn sie sich im Käfig nicht wohlfühlen.
Ich hatte früher mal eine recht kleine Voliere: 1,80 hoch, 90 x 90 Grundmaß. Die Geier hatten Dauerfreiflug, suchten aber bei irgendwelchen Störungen (Staubsaugen etc.) oder zur Mittagssiesta oder zur Dämmerung freiwillig die Voliere auf. Diese hatte nur ein relativ kleines Türchen im unteren Teil. Sie wußten, daß es unmöglich war, sie ohne Kescher in dieser Voliere zu erhaschen, weil ich schlicht und ergreifend nicht an sie rankam. Wenn ihnen also irgendwas unheimlich war, zogen sie sich auf ihre Schlafschaukeln unter der Decke zurück und guckten skeptisch herunter, ohne in Panik zu geraten. So konnte ich seelenruhig unter ihnen den Volierenboden absaugen und neu ausstreuen - kein Problem.
Das haben sie auch nicht von heute auf morgen gelernt, aber innerhalb einiger MOnate schon.
Wie gesagt, es geht nicht so schnell, Geduld ist wirklich alles. Bevor sie Vertrauen zu Dir entwickeln, müssen sie Vertrauen zu ihrer Umgebung haben und das haben sie m. E. nicht. Du solltest alles dafür tun, daß sie sich in "ihrem" Zimmer sicher fühlen.
Mit der Zähmung gegenüber Menschen: Natürlich ist Herbst und Winter nicht die ideale Zeit. Abends ist es dunkel und die Tiere wollen schlafen. Das Wochenende ist recht kurz. Aber man könnte das Wochenende intensiv nutzen. Freilich ohne bereits nach zwei Tagen riesige Erfolge zu erwarten. Im Sommer, wenn es lange hell ist, solltest Du täglich ein, zwei Stunden opfern. Sonst wird es nichts mit der Zähmung.
Im Moment sind sie scheu, das ist normal. Es ist also verständlich, daß sie nicht gleich große Neugier zeigen. Es ist ein Geduldsspiel, sie warten ab, ob was passiert. Erst, wenn Du geduldiger bist als sie und sie nicht feststellen: siehste, sie hat doch nur darauf gewartet, daß ich hingehe - dann bekommen sie das GEfühl, daß sie nicht gefährdet sind.
Bevor sie das BEdürfnis haben, Dich kennenzulernen, haben sie erst mal das BEdürfnis, Dich (als mögliche Gefahr) möglichst weit weg zu wissen. Man muß also die nötige Entfernung einhalten, um nicht als GEfahr angesehen zu werden, aber noch im Sichtbereich stehen. Daß sie näherkommen, wird erst später passieren, auf jeden Fall erst dann, wenn sie den Käfig als möglichen Fluchtort ansehen, vorher werden sie nicht mutig auftreten, weil sie keinen Zufluchtsort haben und froh sind, wenn man sie nicht behelligt. Also, erst Vertrauen zu ihrer Umgebung fassen lassen, dann zu Dir. Anders geht es nicht.
Gruß, Silke.