Re: Hilfe
[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ] Geschrieben von Petra am 12. November 2000 07:57:15:
Als Antwort auf: Re: Hilfe geschrieben von Nadine am 11. November 2000 21:39:10:
Liebe Nadine,
dieser Tierarzt scheint nicht den blassesten Schimmer von Vogelkrankheiten zu haben. Was ist das für ein Tierarzt, der noch nicht mal Grabmilben hundertprozentig diagnostizieren kann und schreibt "evtl."? Es kann zwar schon mal vorkommen, dass einem Tierarzt der Vogel aus der Hand entwischt. Meinem Arzt ist das mal mit meinem Prachtrosella passiert, er ist ja ziemlich groß und es ist schwierig, so einen großen Vogel mit einer Hand festzuhalten ohne den Kropf zu drücken. Aber er hat ihn ohne Hetzjagd wieder eingefangen: Der Arzt ist hochgesprungen und hat ihn aus der Luft gefangen (war fast zirkusreif *g*)Grabmilben kann man wirklich einfach diagnostizieren. Du findest auf dem Schnabel weißgraue Beläge. Zu Anfang sieht das aus wie feine weiße Striche. Das sind die Gänge dieser Milben, sie bohren sich durch das Schnabelhorn und vermehren sich darin. Die Beläge auf dem Schnabel sind das aufgewühlte Horn. Wird diese Besiedlung nicht behandelt, können sich die Parasiten auch auf die Augen und die Füße ausbreiten. Wenn es also Grabmilben gewesen wären, hätte Dein Weibchen so ausgesehen wie eben beschrieben.
Die andere "Diagnose" namens Lungenentzündung ist wahrscheinlich an den Haaren herbeigezogen. Allein die Tatsache, dass Du schreibst sie saß aufgeplustert auf der Stange und der Schwanz wippte, sind keine ausschließlichen Symptome für eine Lungenentzündung. Jede Krankheit äußert sich bei einem Vogel, unter anderem, durch aufgeplustertes Herumsitzen, und wenn sie durch die Krankheit Kreislaufprobleme haben wippt immer der Schwanz, durch erschwertes Atmen sowieso. Bei einer Lungenentzündung sind zumindest Geräusche (Rasseln oder Fiepen) beim Atmen zu hören.
Juckreiz und/oder Federlosigkeit an der Kloake können ihre Ursache in einem Spulwurmbefall haben. Eine lange Zeit kann der Vogel Würmer in sich haben, ohne dass er Schwierigkeiten damit bekommt. Gerät das Gleichgewicht zwischen Parasit und Wirt durcheinander (eben durch eine zusätzliche Erkrankung, Streß o.ä.) vermehren sich die Würmer rapide, bilden u.U. ein Knäuel im Darm und der Vogel stirbt. Außerdem kann die Federlosigkeit an der Kloake ihre Ursache in einem Tumor haben. Gerade bei Weibchen kommt das an der Stelle oft vor.
Die kleine Tina ist gestorben, nachdem sie krank und zum Schluß enormem Streß ausgesetzt war. Die wirkliche Todesursache könnte man nur noch durch eine Sektion des Vogels feststellen, aber ich denke mal dass Du sie schon begraben hast. Eine Sektion sollte noch am Todestag erfolgen, und das geht nun nicht mehr.
Die ganzen Krankheiten, die ich oben geschrieben habe und die Dein Weibchen (vielleicht) hatte, sind ansteckend, so dass Du Dir auf jeden Fall einen fähigen, vogelkundigen Tierarzt suchen solltest, um das Männchen untersuchen zu lassen. Er könnte sie schon in sich tragen. Aber bitte geh nicht wieder zu diesem Tierarzt!
Übrigens zeigt mein Hannibal auch dieses Verhalten, was Du beschreibst. Obwohl er sich mit anderen Wellis in einer großen Voliere befindet und auch den ganzen Tag fliegt, äußert sich seine Vitalität und sein Temperament so wie Du es beschreibst: Ganz dünn ist er dann, spreizt die Flügel ab, sie zittern dabei...und irgendwann "explodiert" er und fliegt sich aus. Allein diese Zeichen halte ich nicht für krankhaft, aber wegen der Krankheiten des leider verstorbenen Weibchens rate ich Dir dringend zu einem erneuten Tierarztbesuch. Bitte erzähle dem anderen Tierarzt, was das Weibchen für Symptome hatte und laß das Männchen untersuchen. Berichte mir doch dann, was er gesagt hat.
Erstmal alles Gute, Petra