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Re: Sprechende Wellis


[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ]


Geschrieben von Silke am 27. Oktober 2000 10:15:45:

Als Antwort auf: Re: Sprechende Wellis geschrieben von Andi am 27. Oktober 2000 08:48:42:

Hallo Andi,

>Solche Tanten wie Deine kenne ich genügend.

Naja, man muß vielleicht auch dazusagen, daß dies über 20 Jahre her ist und daß ich keinen Vogelhalter kenne, der damals sein Tier nach heutigen Ansprüchen hielt...

> Was ich bloß nicht verstehe, bei diesen Menschen werden bzw.wurden die Wellis immer "uralt" (über 12 Jahre).

Das ist leider nur scheinbar so. Es stimmt, die Vögel, die die kritische Zeit von ca. 2 Jahren überlebten, werden uralt. Betrachte es als eine Art "natürliche Auslese", die künstlich vonstatten geht und die sehr harte Kriterien hat. Stirbt ein Vogel so jung, nehmen es dieselben Halter oft gelassen hin, daß er eben zu den kranken gehörte, die keine Aussicht auf ein langes Leben hatten. Selbst wenn davon etliche an Krankheiten eingingen, sind diese Krankheiten oft durch die falsche Haltung erst begünstigt oder sogar verursacht worden.

Nimm nur mal das Beispiel Kropfentzündung. Haupttodesursache bei Wellis neben Tumore. Wieviel Prozent der Vogelhalter weiß, daß Kropfentzündungen in großem Maße auf die Einzelhaltung, speziell von Hähnen zurückzuführen ist? Wievielen ist klar, daß die Lieblingsgegenstände der einsamen Vögel, die sie betutteln und beschmusen, die Ursache für diese ganzen Erkrankungen ist? Wer weiß, welche Prozesse sich im Kropf des Vogels abspielen, wenn übermäßig häufig Futter aufgewürgt und nicht abgegeben wird? Wer weiß, daß Spiegel längst auf der Liste "vogelwidrigen Zubehörs" steht, die der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe gemeinsam mit der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz herausgegeben hat?

Dieselben Leute sind oft völlig überfordert zu erkennen, wenn ein Tier vor sich hin vegetiert.

>Die Vögel wurden nur gefüttert, Wasser erneuert und der Käfig gereinigt. Dadurch das die Besitzer keine Zeit und Geduld hatten, wurden die Wellis auch nicht "Handzahm", was wiederum die Folge hatte, dass vielleicht einmal die Woche ein Freiflug gestattet wurde.Es war den Haltern einfach zuviel dem Welli dauernd hinterherzujagen und zu versuchen ihn einzufangen.

Da ist die schlimmste Situation, die eintreten kann. In vielen Fällen sind die Tiere aber durchaus sehr zahm, auch im Fall meiner Tante. Zahmheit ist aber kein Beweis, ja auch kein Indiz dafür, daß sich ein Tier wohlfühlt, es ist lediglich ein Indiz darauf, daß das Tier eine Bezugsperson braucht, vielfältige soziale Kontakte zum Leben benötigt.

>
>Bücherautorin:
>Hast Du keine Lust oder Zeit dazu ein aktuallisierten Welli-Ratgeber zu schreiben? Oder gibt es schon einen?

Es gibt Welli-Ratgeber wie Sand am Meer. Ich kenne nicht alle. Ich habe noch keinen in die Hand bekommen, dem ich uneingeschränkt zustimmen würde. Ich habe aber schon viele gesehen, die auch das Thema Einzelhaltung strenger bewerten als ihre seit 20 Jahren stets neu aufgelegten Vorgänger. Die meisten Bücher sind inhaltlich ja auch schon sehr betagt, stammen z. T. aus den 80ern.

Allerdings habe ich noch nicht einen Vogelmedizin-Ratgeber gesehen, der die Einzelhaltung, und sei es auch unter der Vorgabe, daß der Vogel Familienanschluß bekommt, befürwortet. Dort wird, nicht zuletzt wegen der nachweislich in Zusammenhang stehenden Erkrankungen, stets klar Partei bezogen. Ich denke, die Agitation könnte ich mir ersparen, wenn jeder Vogelhalter sich auch einen Vogelmedizin-Ratgeber kaufen würde. Und da erfährt man noch einiges Nützliche mehr. Diese Bücher gibt es freilich nicht wie die zahlreichen Taschenbücher für 10 Mark, sondern ab etwa 40 DM aufwärts. Aber jede Seite darin ist ihr Geld wert. Ich habe bis heute jedenfalls noch keinen schlechten Band gesehen.

Gut, ein bißchen relativieren muß man vielleicht doch. Wenn ich z. B. an das kleine Taschenheft von Tim Hawcroft denke "Erste HIlfe für Vögel", so sollte man sich inhaltlich doch eher auf den rein medizinischen Teil beschränken. Bei allem anderen merkt man schon, daß das Buch schon Jahrzehnte auf dem Buckel hat...

Ich glaube übrigens nicht, daß die Welt noch eine Ratgeberautorin braucht, die Fülle der Angebote lassen dem Laien ja auch nicht erkennen, welcher Ratgeber qualitativ hochwertig ist. Viele haben ja schon das Niveau von Kochbüchern erreicht, oft kopiert und meist erreicht...

Und, außerdem, wenn ich es mit meinen Beiträgen nicht geschafft habe, Dich persönlich zum Nachdenken anzuregen, so daß Du vielleicht doch die Entscheidung triffst, Deinem Vogel nach der Zähmung, wenn Du solchen Wert darauf legst, einen Partner zu kaufen, wäre ein von mir geschriebenes Buch ja ohnehin nur bessere Makulatur...

Gruß, Silke.




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