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Re: Hackkämpfe und sonstige Jagden meiner Wellis


[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ]


Geschrieben von Silke am 05. Oktober 2000 14:43:58:

Als Antwort auf: Hackkämpfe und sonstige Jagden meiner Wellis geschrieben von Rainer am 04. Oktober 2000 15:54:53:

Es hört sich nicht sonderlich ernst an, aber gerade die nebenbei eingeflossene Frage, ob es denn Henne oder Hahn sei, kann hier interessant und des Rätsels Lösung sein.

Hennen sind dominant und bei aufkommender Brutlust sogar sehr zickig und unausstehlich. Manchmal kann man die Hähne bemitleiden, aber sie akzeptieren es erstaunlich gelassen.

Aber fangen wir mal analytisch an. Wann genau hackt der Vogel? Wenn er erster am Napf sein will, wenn der andere ihn anbalzt, wenn er meint, er müßte sich irgendwelche Pfründe sichern?

Hintergrund ist der: Ein Hahn, der mit einem Hahn vergesellschaftet ist, hat eigentlich gar keinen Grund, auf dem anderen herumzuhacken. Es sei denn, er ist recht dominant, kommt in Hitze und findet nicht den passenden Geschlechtspartner. Das bekommt man aber sehr schnell mit, denn dann versucht er den anderen zur Begattung zu bewegen, was freilich ein mörderisches Spektakel nach sich zieht. Jedenfalls normalerweise. Natürlich gibt es vorwitzige Hähne, die sich dominant verhalten und am Futternapf selten Freunde kennen, aber Wellis sind Futterneider, sie teilen nicht immer ganz einträchtig. Das liegt ihnen im Blut.

Deswegen können sie die dicksten Freunde sein.

Wie sieht es aber mit einer jungen Henne aus? Die kleine dürfte nun auch geschlechtsreif sein und wie ich es hier und da bei den Piepsern beobachte, geht auch die Brutlust herum. Da sind Hennen launisch, ganz besonders, wenn sie eigentlich noch gar nicht so richtig verpaart sind oder keine Brutmöglichkeit haben oder sie sonst irgendwelche Umstände in ihren Trieben behindern. Da können sogar alte Hennen ungemütlich werden.

Meine Tweety z. B. hat neuerdings eine ganz sonderbare Methode des Protestes entwickelt: Die alte Lady (immerhin über 10 Jahre alt) setzt sich nach der Fütterung mit bitterböser Miene in das Futterkarussell und beginnt, die mager dosierten Körner mit einer Energie herauszuwerfen, daß es unheimlich ist. Kein anderer Vogel wagt sich in ihre Nähe, man sieht auch den Unterschied, das ist keine ausgelassen spielende Dame, nein, die ist höchst unzufrieden. Und so fegt sie mit Schwung und einem Temperament, das einer Sizilianerin zur Ehre gereichen würde, die kostbaren Körnchen weg, die anderen gucken ihnen hinterher, wie sie zur Voliere herauskullern. Ich steh davor: Tweety, nein. Sie stutzt, doch dann zack, fallen mir die KÖrner vor die Füße.

Stelle ich ihr einen Nistkasten rein, ist die giftige Furie innerhalb von SEkunden darin verschwunden und friedlich. Vorausgesetzt, ich lasse ihren Nistkasten in Frieden.

Eine junge Henne ist noch etwas temperamentvoller. Auch die Partnerbindung, die sie dann später etwas besänftigt und ausgeglichener werden läßt, braucht ein bißchen Zeit, um sich zu festigen.

Zuerst einmal will sie sich ja erobern lassen und das kann man wörtlich nehmen. Hier ist nichts mit kurzem Antrag und Hochzeit, nein, die Dame gibt sich zugeknöpft. Erst mal wird jeder Freier auf Abstand gehalten. Da gibts dann einen kurzen Schnabelhieb, der freilich nur in die Luft geht. Ein bißchen muß der Hahn schon betteln und Hof machen, bevor die Dame sich geneigt zeigt.

Später spielt das eigentlich alles gar keine Rolle, da sind sich beide eigentlich sofort einig. Solch eine Welli-Ehe beginnt etwas zickig, soll aber ewig halten. Daß eine Verpaarung abgeschlossen ist, kann man daran sehen, daß die beiden häufig balzfüttern, sich kraulen und überhaupt ein sehr harmonisches Bild bieten.

Je nachdem, wie gut das Paar zusammenpaßt und harmoniert, überwiegt mal die Dominanz eines Partners und mal die Harmonie. Da die beiden sich aber bisher sehr gut verstanden haben, gibt es keinen Grund anzunehmen, daß sich dies grundsätzlich ändern müßte.

Schnabelhiebe, und das ist vielleicht noch ungewohnt für Dich, sind auch eine Form der Kommunikation. Sie drücken aus, daß etwas nicht erwünscht ist. Und: Schnabelhieb ist nicht gleich Schnabelhieb. Es gibt den völlig harmlosen, fast nur symbolischen Schnabelhieb in die Luft, den Zurechtweisungshieb ins Gefieder, das stumme, aber völlig ernstgemeinte Drohen mit aufgerissenem Schnabel, den nachhaltigen, aber nicht gefährlichen Angriff mit Beißen in die Füße und schließlich den bluternsten Kampf, wo die Gegner sich ins Gesicht hacken und auch ernsthaft verletzen können. Dann stemmen sie sich die Beine in die Brust und gehen auf einander los oder kugeln sich völlig verhakelt auf dem Boden, immer darauf bedacht, einander möglichst weh zu tun.

Man kann fast als Faustregel gelten lassen, daß die wildspektakelsten, lautesten Rangeleien die harmlosesten sind. Schlimm wird es, wenn die Beteiligten den heiseren, tiefgehenden Drohlaut hören lassen und sperrend drohen oder sich stumm androhen. Dieses Fixieren ist die Ruhe vor dem Sturm. Wird einer weichen oder kommt es zum Kampf. Solange einer laut gickernd weicht, ist es harmlos.

Auch "Hilferufe" hört man deutlich heraus. Sie sind hell und schrill und durchdringend und irgendwie klagend. Kann sich also einer nicht aus eigener Kraft helfen und wird bedrängt, wird das kein mitfühlsamer Mensch überhören, das kannst Du mir glauben.

Aber im Normalfall sind Wellis höchst gesellige und friedfertige Tiere, ernsthafte Auseinandersetzungen sind höchst selten und enden auch zumeist dann maximal mit dem Schwanzverlust eines Beteiligten. Und der wächst wieder nach.

Es gibt nur einen gefährlichen Welli: eine Henne, die ihre Brut verteidigt. Sie wird ohne Rücksicht auf Verluste und auf ihr eigenes Leben jeden Eindringling verfolgen und stellen, solange er sich in ihrem Revier befindet und nicht selbst weicht. Aus diesem Grund sind brutlustige Hennen so aggressiv, denn während der Hahn der Wächter des Geleges ist und jeden Eindringling anzeigt, ist die Henne die wilde Furie, die ihn in die Flucht schlägt. Aus diesem Grunde sind sie auch die dominanten Geschlechter in jeder Ehe.

Das wiederum hat auch einen guten Grund. Hennen, die keine Nistmöglichkeiten abbekommen haben, werden alles daran setzen, eine zu erobern. Sie werden auch die darin sitzenden Jungvögel töten und das Gelege zerstören. Die ärgsten Feinde der brütenden Henne ist also ihre eigene Geschlechtsgenossin. Kein Wunder, daß sie so zugeknöpft ist und keinem traut außer dem eigenen Partner.

Das hört sich jetzt alles ganz furchtbar an, ist es aber nicht. Es soll Dir nur helfen, vielleicht das eine oder andere besser zu verstehen, was Du da vielleicht beobachtest.

Für's nächste beobachte Deine Vögel weiterhin und schreib ruhig mal alle Merkwürdigkeiten oder überhaupt alles, was Dir im Verhalten so auffällt. Dann kann man vielleicht auch bald sagen können, ob Du nun eine Henne oder einen Hahn gekauft hast und eine Prognose für die Zukunft stellen.

Dein Jungvogel ist dem Nestlingsalter entwachsen, ist nun erwachsen. Er versucht nun, seinen Platz im Erwachsenenleben und im Schwarm einzunehmen. Das muß Dich nicht beunruhigen, auch diese ungewohnte Unruhe im Schwarm kann seine ganz natürlichen Ursachen haben.

Gruß, Silke.




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