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Re: Schildsittiche


[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ]


Geschrieben von Silke am 25. August 2000 08:55:34:

Als Antwort auf: Re: Schildsittiche geschrieben von Achim am 25. August 2000 07:31:22:


>habe mitlerweile so an die 20 Wellis , 4 Nymphen (2 Pärchen) und 1 Pärchen Singsittiche.

Das ist eine große Menge... Ich würde auf jeden Fall auch an die Breite denken. - Wenn ich so zurückdenke, mein letztes Vogelzimmer hatte 30 qm. Bereits für ein einzelnes Pennantenpaar war dies vom Flugraum her eine dürftige Angelegenheit, die flogen ja immer nur im engen Kreis oder drei Flügelschläge nach hier und drei Flügelschläge nach dort. Auf diesem Raum würde ich mir gut überlegen, welche Arten und wie viele davon ich zusammenhalte. Gut, was dafür spricht, ist, daß Du ausgesprochen verträgliche Arten gewählt hast. Bei jeder anderen Zusammensetzung würde ich sofort abraten. So kann ich Dir nur empfehlen, die Vorgänge in der Voliere im Auge zu behalten und bei Anzeichen von echten Revierrangeleien sofort einzugreifen.

>Du schreibst, wenn die Vögel in Brutlust kommen...
>habe eigentlich nicht vor, Vögel zu züchten. Mir reichen die, die ich habe. Werde ab und zu mal einen bekommen, der abgestoßen wird. Das ist dann mein Zuwachs.

Wie willst Du Brutlust verhindern? Wie willst Du verhindern, daß ein Tier flügge wird, daß es geschlechtsreif wird, das die Hormone die Brutlust steuern? Es ist ein Irrglaube, Brutlust verhindern zu können. Man kann die Vemehrung verhindern, nicht die Brutlust. Den Willen kannst Du nicht unterdrücken, maximal ihn so steuern, daß Du nicht von einer Flut von Küken erschlagen wirst. Für die Revierstreitigkeiten ist es aber unerheblich, ob Du einen Nistkasten anbietest oder nicht. Vielmehr wird es problematisch, wenn Du es damit versuchst, daß Du trotz Brutlust keine Nistmöglichkeiten gibst. Das führt bei einzelnen Tieren zu Dauerlegerei und zu anhaltender Unruhe und Nervosität und daraus entwickelt sich Aggressivität. Wenn Du also den Frieden bewahren willst, MUSST Du entsprechend viele Nistkästen anbieten, wenn einmal das Brutfieber ausgebrochen ist (nicht vorher, sonst löst Du damit unweigerlich Brutlust aus, auch wenn sie gar nicht da war). Die Vögel bauen sich zur Not auch ein Nest im Sand oder im Wärmeverschlag, wenn nichts anderes da ist. Ich möchte mal Dein Gesicht sehen, wenn ein einzelnes Pärchen versucht, den ganzen Wärmeverschlag gegen den Rest der Vögel zu verteidigen, weil es dies als einzige Bruthöhle ansieht. Und wenn andere brutlustige Paare denselben Gedanken haben, kann es schnell - gerade bei den kleinen Wellis - zu blutigen Kämpfen kommen. Nicht die Nymphen sind die Unruhestifter, sondern die in diesen Dingen sehr energischen und aufdringlichen Welli-Hennen. Die versuchen auch Vögel, die viel größer sind als sie aus deren Kasten zu vertreiben, um selbst einen zu besetzen. Das ist gerade deswegen so tragisch, weil sie in ernsthaften Auseinandersetzungen stets den kürzeren ziehen. Gut, die Nymphen sind normalerweise friedlicher als Wellis und geben oft trotz ihrer körperlichen Überlegenheit nach, aber die Neophemen könnten schon ganz anders reagieren. Da gibt es durchaus hier und da recht resolute Vertreter ihrer Art.

Fazit, ich denke, auch wenn es nicht Dein Ziel ist, Du wirst die Brutlust in jedem Fall einplanen müssen, denn diese wird über das Futter bei den Wellis und Nymphen gesteuert. Bei der Anzahl der Vögel und so unterschiedlichem Futterbedarf ist es kaum möglich, die Wellis speziell dauerhaft auf Anti-Brut-Diät zu halten. Gerade, wenn es abends kühler wird, ist es auch gar nicht möglich, da dann der Kalorienbedarf viel höher ist als im Hochsommer. Stets satte Wellis sind aber vermehrungsfreudige Wellis. Wenn irgendwann die größte Ablenkung durch die vielen Artgenossen und Nicht-Artgenossen sich relativiert hat und man zum "Tagesgeschäft" übergeht, wird es irgendwann zu Brutlust kommen. Dabei werden die Hennen sich vielleicht ein, zwei Mal damit zufriedengeben, daß es keine Bruthöhlen gibt, dann irgendwann werden sie ganz nervös jeden Einrichtungsgegenstand und jeden Winkel nach einer Brutecke durchstöbern. Das ist der Punkt, wo dann die Stimmung auch leicht umkippen kann, wenn sie auf der Suche nach den offensichtlich sehr knappen Brutmöglichkeiten auf so zahlreiche Konkurrenz treffen. Hat jeder sein Nest (stellt man die Kästen auf, gibt es auch - relativ harmloses - Gerangel um den besten Platz, aber das verliert sich nach der Verteilung), kehrt wieder Ruhe ein und jeder verteidigt nur die unmittelbare Umgebung seines Nestes, sie sind dann das, was wir von ihnen als friedvolle Schwarmbrüter kennen. Finden sie es nicht, kann (muß nicht immer) es eben zu den ungewünschten Auseinandersetzungen kommen, wobei es dann verhängnisvoll ist, wenn ein Vogel, der attackiert wird, nicht weit genug flüchten und sich verstecken kann, er wird immer weiter verfolgt.

Spätestens, wenn das eintrifft, mußt Du handeln, um Schlimmeres zu verhüten und es ist am besten, wenn Du Dir vorher schon überlegst, was Du in diesem Fall und für diese Zeit tun kannst. Hast Du ein Konzept (beispielsweise eine provisorischen Unterbringungsmöglichkeit für die Neophemen bzw. Nymphen, um wenigstens die Arten zu trennen und dann freilich genügend Nistkästen), ist es okay. Dann kannst Du Dich zurücklehnen und abwarten, ob sie sich auf Dauer in dieser Voliere und unter allen Umständen vertragen. Fatal wäre es nur, wenn Du Dir erst dann Gedanken machst, wenn es Probleme geben sollte, dann mußt Du nämlich sehr schnell handeln.

Und wirklich: Unterschätz nicht die Aggressivität der Wellis bei Brutlust. Das Bild von der mordenden "Welli-Witwe" ist kein Ammenmärchen. Die Aggression dieser Vögel aus unbefriedigter Brutlust geht so weit, daß Hennen, die zu kurz gekommen sind, fremde Gelege zerstören und fremde Nestlinge töten (um das leere Nest zu besetzen). Das sogar auch, wenn sie gar nicht verpaart sind und eigentlich gar keinen Nachwuchs haben können. Es ist allein der Trieb der Fortpflanzung, der Arterhaltung (der Weitergabe der EIGENEN Gene). Nicht umsonst verteidigen diese sonst so friedlichen Tiere ihr Brutrevier und Nest wie eine Festung und werden - obwohl sonst oft sehr zahm und freundlich - auch für bekannte Menschen unnahbar und launisch.

Gruß, Silke.

PS: Es gibt ein untrügliches äußeres Zeichen, den Hormonstoß, der die Brutlust auslöst, zu erkennen. Bei den Wellidamen färbt sich die helle Nase dunkel: bei rosigen Nasen rötlich dunkel, bei hellbeigen Nasen bis zu dunkelbraun. Wenn die Hennen in diesem Stadium auffallend unruhig sind und überall herumstöbern, solltest Du die Dinge gut im Auge behalten...




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