Re: Hilfe! Kropfentzündung
[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ] Geschrieben von Silke am 06. Juni 2000 15:55:02:
Als Antwort auf: Hilfe! Kropfentzündung geschrieben von Inaluk am 28. Mai 2000 20:17:47:
Es tut mir wirklich leid, aber nach dieser Behandlung hat man sicherlich nicht einmal mehr die Chance herauszufinden, woran das Tier überhaupt leidet.
Das erste hätte ein Kropfabstrich sein müssen, um eine Kultur anzulegen, dann hätte sich die Frage nach Bakterien oder Pilzen oder was auch immer gleich erledigt, weil das Laborergebnis nicht lügt. Nachdem der Vogel aber wild gegen alles mögliche behandelt wurde, kann man weder sagen, welche Erreger hier bekämpft und welche überhaupt vorhanden gewesen sind. Man weiß also auch nicht, ob und welches Mittel hier überhaupt angeschlagen hat. Das ist eine denkbar ungünstige Situation.
Dann muß ich noch eines sagen: Eine Kropfentzündung ist nicht wie ein Schnupfen, den man sich einfach mal so zuziehen kann. Leidet ein Vogel, zumal wiederholt, an einer Kropfentzündung, stimmen die Haltungsbedingungen nicht.
Ein Umstand, der häufig Kropfentzündungen begünstigt, ist ein Vitamin-A-Mangel. Den haben Tiere, die wenig Grünfutter (abwechslungsreiches, nicht abgelagerten Salat und Petersilie aus dem Supermarkt) bekommen oder nicht aufnehmen. Das schwächt die Schleimhäute des Vogels und macht sie für Erreger anfällig.
Dann hat der Vogel häufig Trinkwasserspender oder schlecht zu reinigende Freßnäpfchen, in denen sich die Keime schön vermehren. Auch "Vogeltränke", die dann wochenlang irgendwo stehen, bis sie verbraucht sind und Trinkwasserzusätze können der Nährboden für ungewöhnlich hohe Bakterienkonzentrationen sein.
Diagnose Kropfentzündung heißt: Großputz! Käfig schrubben, Näpfe prüfen ggf. wegschmeißen und gegen gut zu reinigende runde Edelstahlnäpfe austauschen. Trinkwasserspender fort. Statt dessen einen Napf verwenden und täglich das Wasser erneuern. Tröpfchen und Tinktürchen fürs Trinkwasser sind tabu.
Während der Erkrankung sollte der Vogel (ausnahmsweise) auf Grünfutter verzichten, statt dessen in Absprache mit dem Tierarzt ein Vitaminpräparat verabreichen. Es versteht sich, daß auch dem Körnerfutter eine entsprechende Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte. Nur hochkeimfähiges und sauberes Futter ohne Beläge an den Körnern oder feine Geflechte oder Verunreinigungen von Schädlingen gehört in den Napf. Das garantiert keine große Marke, sondern der eigene Test. (Meine Erfahrung: Billigfutter ist meist besser.)
Darauf achten, daß der Vogel keine schleimhautschädigenden Zimmerpflanzen (z. B. Monstera, Yucca, Schefflera...) frißt.
Vorbeugung ist in puncto Kropfentzündung das A und O. Dann muß es nicht so weit kommen. Wenn es aber trotzdem passiert ist, muß man einen Vogelspezialisten sofort kontaktieren, Kropfabstrich, ggf. Kotprobe nehmen und untersuchen lassen. Dann gezielt behandeln. In schweren Fällen bis zum Vorliegen des Laborergebnisses mit Antibiotika behandeln. - Entweder es wirkt und die Laborwerte bestätigen es oder, wenn es nicht weiterhilft, helfen spätestens die Laborwerte nach einigen Tagen weiter.
Jetzt in Eurem Fall kann man kaum sagen, ob der Durchfall aus dem Abtöten der körpereigenen Darmbakterien resultiert oder ob er durch Erreger ausgelöst wurde. Eine Kotprobe zum jetztigen Zeitpunkt wird sicherlich durch die gegebenen Präparate verfälscht. Ihr solltet Euch mit dem Arzt verständigen, ob er es trotzdem machen lassen will. Zumindest eine Untersuchung unter dem Mikroskop kann er auf jeden Fall ohne großen Aufwand machen.
Alles Gute.
Gruß, Silke.