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Re: Nierenprobem?


[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ]


Geschrieben von Silke am 02. Mai 2000 13:41:59:

Als Antwort auf: Re: Nierenprobem? geschrieben von Karin am 30. April 2000 13:21:52:

Liebe Karin

zunächst: es tut mir aufrichtig leid, daß Dein Vogel gestorben ist.

Die Polyurie ist ein Symptom, keine Erkrankung. Sie kann auf eine Erkrankung hinweisen, anhand der erhöhten Harnmenge (die auch im _Einzelfalle_ "normal" sein kann) kann man allein keine Diagnose stellen. Dazu gehören weitere Untersuchungen.

Es muß nicht einmal sein, daß die Nieren der Auslöser waren, sondern z. B. eine Diabetes.

>
>Viele andere Wellibesitzer sagten mir, das Jacki ein Nierenprblem hat und in einen Buch über Vogelerkrankung stand auch drin, das man dagegen nicht viel tun kann.

Die Polyurie ist nicht gefährlich und auch als Symptom nicht unbedingt zu behandeln. Wenn ein Vogel aber dauerhaft einen erhöhten, wäßrigen Harnanteil ausscheidet, sollte man die Ursache ergründen und behandeln.

>Naja der Tierarzt war wohl nicht sehr kompentent.

Kann man so nicht einschätzen.

Jacki bekam zusätzlich noch eine Kropfentzündung und ist wenige Stunden später daran gestorben, worüber ich fast untröstlich bin.

Die Kropfentzündung dagegen ist eine ernste Infektion, die - wenn sie nicht behandelt wird - meist zum Tode führt.

>Jetzt eine andere Frage? Könnte sich der Wellimann angesteckt haben an der Kropfentzündung. Wie lange soll ich ihn in Einzelhaft lassen. Ich habe schon ein neues Weibchen und möchte es irgendwann zu ihm setzten.

Ob der Vogel eine Kropfentzündung hat, kann man ganz leicht an einem Kropfabstrich erkennen. Er muß sich nicht zwangsläufig angesteckt haben, schließlich benötigen die Keime ja noch eine Möglichkeit, in den Körper einzudringen. Eine intakte Schleimhaut und eine starke Immunabwehr machen es Krankheitskeimen schwer. Ein angeschlagener Vogel dagegen hat dem kaum etwas entgegenzusetzen.

Ist Dein Jacky eindeutig an einer Kropfentzündung gestorben und zeigt der andere keine Krankheitssymptome, macht es keinen Sinn, ihn in Quarantäne zu setzen. Wenn Du ganz sicher gehen willst, mache doch vorab (auch bei der Neuen!) einen Gesundheitscheck beim Vogelarzt. Dort sollte im vereinfachten Verfahren ein Kropfabstrich und eine frische Kotprobe unter dem Mikroskop untersucht werden und der Vogel begutachtet. Scheinen beide gesund, ist das Risiko, daß sie bereits erkrankt sind, recht gering.

Ein Restrisiko, sich eine versteckte Parasiteninfektion einzuschleppen etc., gibt es immer. Das kann man nie ausschließen. Aber deswegen sollte man seine Geier wenigstens täglich einige Minuten beobachten, um sofort festzustellen, wenn sich etwas Merkwürdiges tut.

>Eine Züchterin sagte mir, daß viele Wellis manchmal schon Kropfentzündungserreger in sich haben ohne daran zu erkranken. Das kann ich mir aber nicht vorstellen.

Sie hat absolut recht. Auch wenn es sich etwas anders darstellt, als Du jetzt vermutest. Das hat nichts mit Dauerausscheidern zu tun, das ist noch eine andere Geschichte. Dazu muß man in die Tiefe gehen: Was sind das für Erreger, die den Vogel erkranken lassen, wo sitzen sie und wie gelangen sie in den Körper?

Diese Keime hängen überall. Besonders gern in Trinkröhrchen und Futternäpfen, aber auch auf Sitzstangen und stellenweise sogar auf dem Futter. Es gibt viele Erreger: Bakterien, Pilze...

Damit der Vogel erkrankt, braucht es mehrere Faktoren: Erstens, die Schleimhaut des Kropfes muß geschädigt sein. Das passiert leicht durch Vitamin-A-Mangel, aber auch durch eine Verletzung oder Beschädigung durch gärendes Futter (Säuren), z. B. beim Spiegelfüttern etc. Zweitens: das Immunsystem des Vogels muß angeschlagen sein, so daß der Körper die eindringenden Keime nicht abtöten kann, sondern diese sich in diesem günstigen Klima vermehren. Oder: die Umgebung des Vogels ist so unhygienisch, daß die Krankheitskeime in so hoher Konzentration auftreten, daß auch ein gesundes Immunsystem überfordert ist.

Dazu muß man wissen, daß schon ein mausernder Vogel ein etwas geschwächtes Immunsystem hat, auch Streß kann den Vogelkörper belasten.

Ein Vogel in Gefangenschaft hat niemals die Widerstandskraft der freilebenden Verwandten. Diese trinken aus halbbrackigen Tümpeln, ohne Schaden zu nehmen. Für unsere Zimmergeier wäre dies ein tödliches Unterfangen. Durch die meist eingeschränkte Bewegung läuft der Stoffwechsel auf Sparflamme, die Sauerstoffversorgung, die beim schnellen Flug angekurbelt wird, läuft mäßig, der Vogel ruht sich eigentlich den ganzen Tag nur aus, aber trainiert seine Kondition nicht richtig. Meist leiden unsere Vögel dazu noch an Verfettung.

Dann benutzen viele Vogelhalter Trinkröhrchen, die ja das Wasser so schön sauber halten sollen. Tatsächlich haben diese Teile so feine Ritzen und Nieschen, wo besonders an warmen Tagen die Keime nur so wuchern und innerhalb von Stunden das frischeste Wasser völlig verkeimen. Auch Futternäpfe aus Plastik, die mit der Zeit verkratzen oder enge Ecken haben, können Brutstätte von Infektionskeimen sein. Da sollte man nicht desinfizieren, was ja wiederum auch ungünstig für den Vogel ist, sondern leicht zu reinigende, runde (möglichst Edelstahl-)Näpfe benutzen und diese täglich mit Heißwasser zu reinigen.

Das würde ja bedeuten, wenn Willi den Erreger von Jacki in sich hat, aber nicht erkrankt, daß er aber den Erreger weitergeben kann, zum beispiel beim füttern.

Natürlich kann Willi mal einen Erreger weitergeben, aber die neue kann sie sich auch selber überall holen.

Willi füttern alles und jeden. Außerdem hatte er vor Jahren auch mal ganz viel Körner gespuckt und war etwas schwach, hat sich aber ganz schnell wieder erholt und Tierarzt und Medikamente.

Dann solltest Du wirklich mal überprüfen, ob Du in der Umgebung der Vögel noch etwas verbessern kannst. Der Teufel steckt oft in kleinen Details.

Gruß, Silke.




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