Re: Ein Gebirgslori?
[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ] Geschrieben von Silke am 03. April 2000 11:24:15:
Als Antwort auf: Ein Gebirgslori? geschrieben von Tina am 01. April 2000 08:55:58:
Liebe Tina,
ich selbst habe keine praktischen Erfahrungen mit Loris. Ich kann Dir aber soviel sagen: sie sind echte Nahrungsspezialisten.
Folgende Informationen gibt das Lexikon der Papageien, Arndt-Verlag zu dem Gebirgslori und den anderen Unterarten der Trichoglossus haematodus her:
Lebensraum: alle Arten von baumbestandenen Landschaften, offene Regenwälder, Sekundärwälder. Savannen und Plantagen der Tieflandgebiete bis 1000 m; auf Neuguinea gelegentlich auch bis 2200 m Höhe.
Status: nahezu sämtliche Unterarten durchweg häufig; Trichoglossus h. rosenbergii seltener.
Lebensweise: außerhalb der Brutzeit paarweise, in kleinen Familienverbänden bis sehr großen Schwärmen; auf Nahrungsbäumen gelegentlich Ansammlungen von mehreren Hundert Vögeln; auffallend und lärmend; klettern aktiv in den Baumen; während der Nahrungsaufnahme wenig scheu, zu anderen Zeiten jedoch oft große Fluchtdistanz; auch in Gemeinschaft mit anderen Lori-Arten (z.B. Trichoglossus chlorolepidotus oder Pseudeos fuscata) auf blütentragenden Bäumen; vorbeifliegende Schwärme reagieren auf Vögel, die unter ihnen in den Bäumen sitzen; Rufe werden erwidert; der Schwarm läßt sich ebenfalls in den Bäumen nieder; jahreszeitliche Wanderungen richten sich nach Nahrungsvorkommen; gelegentlich werden sogar entfernt liegende Inseln besucht; Vögel dann über dem offenen Meer zu beobachten; Rufe schrill und rollend; während des Fluges schriller Schrei.
Ernährung: Nektar. Blüten,Früchte, Beeren, Pollen, Samen, Knospen, Insekten und deren Larven; richten in Apfel- und Birnenplantagen, Obstgärten und in Getreidefeldern erhebliche Schäden an.
Brutverhalten: Brutzeit auf den verschiedenen Inseln unterschiedlich (auf Ceram von November bis Januar, auf den Solomonen Oktober bis Dezember, auf Neuguinea ab Januar, auf Flores von Februar bis August); in Australien von August bis Januar oder April bis Mai; Nest in hohlen Ästen oder abgestorbenen Bäumen; meist hoch; Nestboden wird mit abgebissenen Holzstückchen ausgepolstert; Gelege 2 bis 3 Eier; Brutzeit 25 Tage; Nestlingszeit 7 bis 8 Wochen; Jungvögel schlafen noch einige Zeit nach dem Ausfliegen nachts in Bruthöhle; Eimaße: 26,9 mm x 22,4 mm.
Gefangenschaft: mittellaute bis laute Papageien; lassen ihre Stimme vor allem bei Erregung hören; nach der Eingewöhnung robust und wenig empfindlich; bewegungsaktiv und neugierig; einige Unterarten anfangs scheu; werden aber meist bald zutraulich; Schwarmhaltung nur in sehr großen Votieren zu empfehlen; werden anderen Arten gegenüber gelegentlich aggressiv.
Unterbringung: Voliere von mindestens 2,5 m x 1 m x 2 m mit anschließendem Schutzraum; während der Eingewöhnungszeit Haltung nicht unter 22°C; im Winter nicht unter 14°C; ganzjährig dickwandigen Schlafkasten (30 cm x 22 cm x 25 cm) anbieten.
Ernährung: Loribrei aus Honig, Blütenpollen, Bierhefe, Haferflocken, 7-Korn-Flocken, Mineralstoffen und Vitaminen, in Milch eingeweichter Zwieback oder Biskuit; verschiedene Obstsorten, vor allem Äpfel, Birnen und Weintrauben; Grünfutter, kleine Mengen Hirsekolben, Hafer, Glanz, wenige Sonnenblumenkerne (gekeimt); zur Zucht Eifutter und Maden anbieten.
Zucht: oft gelungen und nicht schwer; zur Brut möglichst allein halten; Normalgelege besteht aus 2 Eiern, Brutzeit 24 bis 25 Tage; Nestlingszeit 7 bis 8 Wochen; Nistkasten mit dicker Schicht Sägespäne und Holzmulm füllen, um dünnflüssige Exkremente aufzusaugen; notfalls Nistmaterial während der Brut auswechseln; bei einigen Unterarten bis zu 3 Bruten im Jahr möglich; neigen gelegentlich dazu, Eier zu zerstören oder aufzufressen; Jungvögel mit 11 Monaten zuchtreif.Daraus lese ich: Sie sind wie alle Loris Nektarfresser und sollten mit einer Mischung aus Loribrei (Achtung, der versäuert, wenn er zu lange steht), Pollen, Obst, Sämereien und Grünfutter ernährt werden. Natürlich kann man einen Lori auch ohne Nektar oder mit Babybrei durchfüttern, aber dann wird er nicht sehr alt.
Loris reagieren bei Brutlust sehr aggressiv und sind höchst wehrhaft. Auch wenn sie zu sehr menschlich geprägt sind, können sie aus Eifersucht sehr heftig reagieren. Verpaarungsversuche handaufgezogener Loris, die innerhalb von Minuten mit dem gewaltsamen Tod des Partners enden, sind hinlänglich bekannt.
Wenn Du den Vogel also ohnehin nur vorübergehend nimmst, wäre es von vornherein besser, ihn von kleineren oder wehrlosen Sittichen und Papageien fernzuhalten.
Ansonsten: Viel Spaß mit Deinem Gastvogel.
Gruß, Silke.