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Re: liebestoller Wellensittich


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Geschrieben von Silke am 08. März 2000 10:34:07:

Als Antwort auf: Re: liebestoller Wellensittich geschrieben von Gabi am 01. März 2000 17:49:55:

Hallo Gabi,

das erklärt einiges... Die beiden haben sich miteinander arrangiert, waren aber nicht besonders befreundet miteinander. Das hat in etwa denselben Effekt, als wenn sie einzeln gehalten werden. Üblicherweise, wenn also ein Tier dominanter als das andere ist, leidet das unterlegene eher, der dominante Vogel kommt meist damit recht gut zurecht. Verständlich also, daß er sich nach einem neuen Partner umgesehen hat.

Zwei Weibchen könnten wirklich die Lösung des Problems sein, es müßten aber wirklich ZWEI sein, denn sonst würde der dominante Hahn sich eine Gefährtin anbaggern (oder zumindest ständig das andere Pärchen stören) und der schüchterne geht leer aus.

Für ihn wäre natürlich eine sehr dominante Henne gar nichts. Das wäre dasselbe in Grün. Es gibt schon einige Sensibelchen, die man am besten mit einer ebenso zurückhaltenden (fehlende Zahmheit bedeutet nicht automatisch, daß sie nicht dominant ist!) Henne verpaart. Das können dann superglückliche Verbindungen sein. Der dominante Hahn kann sicherlich auch gut einer dominanten Henne contra bieten und damit eine gute Beziehung aufbauen. Eine zu sensible würde vielleicht unter seiner draufgängerischen Art leiden.

Also, Du brauchst eine eher ruhige und sensible und eine normal dominante (Hennen sind normalerweise dominant) Henne.

Auf gut Glück eine zu kaufen, wäre u. U. fatal. Gerade eine nestjunge Henne zeigt noch nicht ihren wahren Charakter, der entwickelt sich eigentlich erst richtig in der Pubertät.

Deshalb kann ich Dir nur empfehlen, einen Vogel entweder aus dem Tierheim zu nehmen, den kannst Du im Falle des Falles auch wieder abgeben oder einen ausgewachsenen aus privater Hand, der sein Temperament eher zeigt (Rückgaberecht, wenn's nicht klappt, innerhalb von 14 Tagen sollte Bedingung sein) oder, wenn alle Stricke reißen, was ich mir aber nicht vorstellen kann, denn es gibt ja reichlich ausgewachsene Wellis zu verschenken und zu verkaufen, einen vom Züchter mit Rückgaberecht.

Wie gesagt, ich würde ein ausgewachsenes Tier favorisieren. Es kann auch ein Tier mit Defekt sein (flugunfähig oder flugbehindert), die sind aufgrund ihres körperlichen Mankos üblicherweise sehr verträglich und nicht streitsüchtig. Und es können trotzdem liebe und schöne Tiere sein.

Wie gesagt, guck Dich mal um. Die zweite Wahl kann oft die erste sein. Ein Altvogel hat nicht nur den Vorteil, daß sein Charakter bereits ausgeprägt ist, er hat auch sein kritisches erstes Jahr hinter sich, in dem viele Wellis an Erbkrankheiten eingehen (Tumore), er ist also (sofern zum Zeitpunkt des Erwerbs)u. U. gesünder und robuster und hat ein echtes Bedürfnis nach Gesellschaft, vor allem, wenn er doch längere Zeit allein war.

Ob er gesund ist, kann ein Check beim Tierarzt (Kotprobe nicht vergessen) sagen und ob er sich mit den Hähnen verstehen wird, zeigen die ersten Stunden und Tage. Bei Wellis geht das Verpaaren meist ganz fix, so daß man schon nach einigen Stunden sagen kann, ob sie bald ganz sicher liiert sind. Natürlich kann es auch erfolgreich sein, wenn sie sich nicht gleich um die Federn fallen, aber man merkt zumindest recht schnell, wenn sich zwei absolut nicht grün sind oder wenn ein Vogel übermäßig dominant ist.

Für den Anfang sollten die Vögel eigene Käfige haben und sich im Freiflug kennenlernen. Gibt es keinen räumlichen Zwang, verläuft die Vergesellschaftung problemloser.

Eigentlich sind Wellis ja überhaupt keine Problemvögel, was die Verpaarung angeht. Wer Agas hält, weiß um den Unterschied, von großen Papageien, bei denen die Auswahl an Partnern auch meist nicht so groß ist, ist es noch ein anderes Kapitel...

Alternative zu den vielen kleinen Käfigen (die man ja borgen kann) wäre die Anschaffung einer großen Voliere (2 x 2 x 1 m), in die alle Vögel gleichzeitig gesetzt werden.

Wie gesagt, überlege noch einmal, wie Du es am besten anstellst. Vielleicht kann der Vogel Deiner Wahl auch erst einmal während des Urlaubes der Besitzer auf Probe genommen werden.

Natürlich ist es notwendig, daß Du - wenn die Hennen da sind - Dich etwas von dem Kleinen zurückziehst, damit er seine Bindung aufgibt. Wellis können sehr, sehr partnertreu sein und der Kleine sich unter Umständen verzweifelt an Dich hängen.

Sich zurückzuziehen ist also nötig, allerdings bringt es wenig, sich zurückzuziehen und die beiden Hähne allein zu lassen, wie es meine Namensvetterin vorschlug, da die Lage für den unterlegenen nicht besser wird, solange er nur den dominanten Hahn um sich hat und dieser ja auch nicht anderweitig beschäftigt wird.

Gerade mit steigerndem Fortpflanzungstrieb könnte es immer mehr Probleme geben. Ich kenne einige Beispiele, in denen dominante Hähne ihre unterlegenen Geschlechtsgenossen einfach vergewaltigt haben. Wenn sie keine Geschlechtspartnerin haben, nehmen sie eben, was sonst noch da ist. Sind beide Hähne gleichsam charakterlich veranlagt, wird dies ein Stofftier oder etwas ähnliches sein, ist einer aber dominanter, muß oft der Kamerad dran glauben. Und der tut es in vielen Fällen nicht freiwillig.

Ist der dominante Kollege allerdings verpaart, wird er kein Interesse an dem Hahn haben, dieser kann - wenn seine menschliche Bezugsperson nicht mehr verfügbar ist - sich endlich an der Henne orientieren. Die sollte freilich nicht so dominant sein, sonst fühlt er sich sofort bedrängt.

Natürlich laufen diese Prozesse nicht so schön nacheinander ab, sondern vielfach parallel. Beide Hähne suchen nach den Hennen, aber der dominante wird (vermutlich) eher erfolgreich sein, weil er sich mehr traut und aktiver balzt.

Der ruhige wird wahrscheinlich ein paar Tage ein Jammerwürmchen sein und nach Dir rufen, sollte dann aber schon ein gewisses Interesse an der anderen Henne zeigen.

Entpuppen sich beide Hennen also dominant, mußt Du eine, die sich offensichtlich schwerer einordnet, wieder umtauschen.

Oft ist aber alles blanke Theorie und die Natur siegt sehr schnell und die Tiere sind verpaart, trotz aller Wenn und Aber...

Gruß, Silke.





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