Für die Einträge sind alleine die Poster verantwortlich.Alle IP-Adressen werden registriert.Bitte beachten Sie dieNutzungsbedingungen!

Re: Springsittich


[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ]


Geschrieben von Silke am 14. Februar 2000 10:34:07:

Als Antwort auf: Springsittich geschrieben von Volker am 13. Februar 2000 18:43:21:

Lieber Volker,

so, wie ich die Situation einschätze, hast Du eigentlich schon zu lange gewartet, den Vogel zu verpaaren, denn jetzt hat er bereits eine artuntypische Aggressivität entwickelt, die eine Verpaarung nicht leicht machen wird.

Mit Eintritt der Geschlechtsreife hat das Fehlen eines Partners das Tier besonders in Mitleidenschaft gezogen, so daß er seinen seelischen Konflikt mit Aggression zu lösen versucht. Das eigentliche Problem wird nun, daß der Vogel mit großer Sicherheit auch bei seinem potentiellen Partner sehr unsensibel zu Werke gehen wird und - statt sich lange mit Werben und Balz aufzuhalten - diesen wohl zur Paarung drängen wird. Eine Henne (oder auch ein zweiter Hahn) wird darauf entweder abwehrend reagieren oder aber vergewaltigt, wenn er/sie nicht dominant genug ist. Es gehört also viel Fingerspitzengefühl dazu, dies vernünftig zu realisieren, außerdem muß der Partner dem Hahn charakterlich in etwa ebenbürtig sein. Dies richtig einzuschätzen, ist nicht leicht. Ein Umtauschrecht für den neuen Vogel im Falle des Falles ist also dringend nötig. Ebenso wie vorübergehend ein zweiter Käfig, in dem der Partner zunächst separat gehalten werden kann, damit sich beide auf neutralem Territorium, also beim Freiflug kennenlernen können.

Unter dem Strich ist die Verpaarung aber die einzige Möglichkeit, den Hahn vor noch stärkeren Verhaltensstörungen und fortschreitender seelischer Erkrankung zu bewahren. Eine weitere Einzelhaltung entspricht grob gesagt einer Isolationshaft. Etwas anderes bedeutet dies für das Tier nicht. Dazu kommt, daß der Vogel offensichtlich kein besonders großes Zutrauen zum Menschen hat und das wird sich mit oder ohne Henne wahrscheinlich auch nicht entscheidend ändern. Es gibt einfach Tiere, die überhaupt nicht veranlagt sind, sich dauerhaft dem Menschen anzuschließen, da nützt eine noch so große Isolation nichts, das Tier wird daran auf die eine oder andere Weise einfach nur eingehen.

Wer Dir also das Einzeltier mit der Option verkauft hat, daß er zweifellos zahm werden wird, hat Dich sehr schlecht beraten, denn Einzelhaltung sollte heutzutage wegen der häufigen Probleme mit den Papageien und vor allem wegen der Tierquälerei dieser Sache an sich längst der Vergangenheit angehören und auch Zahmheit ist nicht unbedingt von diesem Umstand abhängig. Ist ein Tier charakterlich dazu prädestiniert, sehr zahm zu werden, wird es dies auch in der Paarhaltung und umgedreht wird es dabei nicht leiden, falls es eben charakterlich gar nicht zur Zähmung geeignet ist.

Das Zähmen selbst bedeutet ja nur, das Tier in Sicherheit zu wiegen und ihm die Angst vor der menschlichen Umgebung und dem Menschen selbst zu nehmen. Es gibt dazu ein paar Dinge, die dringend beachtet werden müssen, will man nicht von vornherein alles zunichte machen: Sicherster Platz für den Vogel muß sein Käfig sein und dies muß man ihm auch deutlich machen. Dazu gehört, niemals unnötig in den Käfig zu greifen, dies auch immer ganz langsam und bedächtig zu tun, niemals nach dem Vogel zu greifen und möglichst niemals den Vogel direkt in die Augen zu gucken, wenn man an den Käfig muß. Das bedeutet auch, den Käfig dann zu putzen, wenn der Vogel Freiflug hat, solange der Vogel noch so scheu ist. Der Käfig selbst braucht einen geschützten Ort, etwas erhöht stehend, in einer hellen, aber zugfreien Ecke, die nicht an einem viel frequentierten Gang liegen sollte, also wo der Vogel eigentlich keine Störung erwartet. Hat der Vogel erst einmal einen Platz ausgemacht, an den er sich bei Gefahr stets zurückziehen kann und sich unbehelligt fühlt, ist dies die beste Basis, ihm auch andere Dinge näherzubringen. Futter aus der Hand wird dann am besten akzeptiert, wenn man es durch die Gitterstäbe hält oder an die offene Eingangstür (ohne gleich die ganze Hand hineinzustrecken). Dies ist dann die Basis, den Vogel auf die Hand mit Futter zu locken.

Wenn der Vogel große Scheu hat, lohnt es sich immer, unbeteiligt vorbeizugucken und ihn nicht zu fixieren. Das löst bei dem noch scheuen Tier automatisch Raubtierassoziation aus, der direkte Blickkontakt.

Springsittiche sind eigentlich recht neugierig, wenn also die Angst selbst überwunden ist, ist das Zahmwerden nur eine logische Schlußfolgerung.

Allerdings solltest Du erst einmal für das psychische Gleichgewicht Deines Hahnes sorgen, solange Du noch etwas für ihn tun kannst, irgendwann ist der Punkt überschritten, wo ihm überhaupt noch zu helfen ist, dann kann der Vogel entweder so angriffslustig werden, daß Du ihn abgeben mußt (und er irgendwann doch nur eingeschläfert wird) oder aber seine Haltung sich ins Gegenteil verkehren und er lethargisch werden und zu rupfen beginnen oder gar Autokannibalismus entwickeln. Das erstere ist allerdings wahrscheinlicher, so wie es sich momentan entwickelt.

Gruß, Silke.




Antworten:



[ Das Sittichfreunde-Forum von Sittiche Online ]